(c) Robert Boecker

Weil Nähe zählt

  • 23.01.18 10:55
  • Robert Boecker
  •   Im Auftrag des Herrn

Es wäre nicht falsch, die 22 Ärztinnen und Ärzte, die hier Dienst tun als „Oldie-Truppe“ zu bezeichnen. Fast alle, die hier arbeiten, sind bereits im Pensionsalter. Treffender wäre es aber von einer „Ansammlung medizinischer Fachkompetenz“ zu sprechen. Genauso richtig wäre es, das Team  eine „Gemeinschaft von Menschenfreunden“ zu nennen. Jeder, der sich in dieser Einrichtung mit all seinem Wissen, Können und seiner jahrzehntelangen Erfahrung einbringt, tut dies ehrenamtlich. „Malteser Migranten Medizin - Weil Nähe zählt“ steht auf dem Schild direkt am Eingang. Von außen gut sichtbar hängt ein Plakat, dass die Menschen, die hier Hilfe suchen, in vielen Sprachen willkommen heißt. Und es kommen Woche für Woche viele in das Gebäude, das in direkter Nachbarschaft zum Kölner Malteser Krankenhaus St. Hildegardis liegt. Die Menschen, die hier Hilfe suchen und bekommen, sind Migranten, die nicht krankenversichert sind und vielleicht illegal in Deutschland leben. Immer häufiger wird die Einrichtung der Malteser aber auch von kranken Deutschen aufgesucht.

Kontakt mit der Immunschwächekrankheit

 (c) Robert Boecker

Dr. Herbert Breker ist das „Urgestein“ der Malteser Migranten Medizin in Köln. Der gebürtige Kölner, der viele Jahre in den USA gearbeitet hat, war von 1977 bis 2004 internistischer Chefarzt am katholischen Vinzenz-Palotti-Hospital in Bensberg. Als erster Mediziner in Deutschlands wurde er bei einem Patienten mit der Krankheit AIDS konfrontiert. Breker beschäftigte sich intensiv mit dieser neuen Krankheit und publizierte darüber auch in Fachzeitschriften.

Innovativ war für damalige Verhältnisse auch die Eröffnung einer der ersten Palliativ-Stationen Deutschland unter seiner Leitung an der Bensberger Klinik. „Da gibt es ein neues Projekt der Malteser für das noch ein Arzt gesucht wird. Hast Du keine Lust?“ habe ihn eine Bekannte aus dem Kölner Gesundheitsamt kurz nach seiner Verabschiedung als Chefarzt gefragt.  Breker überlegte nicht lange, dann sagte er Martin Rösler zu. Rösler ist Diözesangeschäftsführer der Malteser im Erzbistum Köln. „Bedürftigkeit verändert sich permanent. Ohne klassische Themen wie Rettungs- und Sanitätsdienst zu vernachlässigen, müssen wir uns als Malteser, die sich seit über 900 Jahren verpflichtet haben, Kranken und Armen zu dienen, diesen Veränderungen immer wieder neu stellen“, sagt Rösler.

Breites Ärzte-Netzwerk

Was 2005 als Ein-Mann-Unternehmen mit bescheidener medizinischer Ausstattung begonnen hat, ist mittlerweile eine gut ausgestattete Praxis mit Röntgengerät, zwei Zahnartzbehandlungsstühlen und anderem medizinischen High-Tech-Gerät – das meiste gespendet. Aus dem Einzelkämpfer ist ein Team geworden, das aus Allgemeinmedizinern, Internisten, Dermatologen, Augen- und Kinderärzten sowie Zahnmedizinern besteht. Unter der Schirmherrschaft von Kardinal Rainer Maria Woelki werden die Malteser auch in Zukunft für die Menschen da sein „weil Nähe zählt“. 2015 wurden rund 3600 Patienten behandelt. 86 Prozent der Patienten konnte mit den Mitteln der ambulanten Versorgung geholfen werden. 12 Prozent wurden an Fachärzte überwiesen, die zum Netzwerk der Malteser Migranten Medizin gehören. 2 Prozent der Patienten waren so schwer erkrankt, dass eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich war.

AdventsZeit 2017 (c) Robert Boecker

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