(c) Peter Angenendt

„Wenn ein Symbol weg ist, gibt es den Engel nicht mehr“

  • 05.10.21, 17:17
  • Peter Angenendt
  •   Im Auftrag des Herrn

Gregor Schröder, Mitbegründer des Vereins Jugend-Inter-Kult trägt einen Ring, auf dem man drei Symbole der Weltreligionen sieht: Kreuz, Halbmond und Stern. Doch wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch einen Kopf und Flügel. „Andeutungsweise sieht man stilisiert einen Engel“, sagt Gregor Schröder. Es ist der „Engel der Kulturen“. 

Das völkerverbindende Symbol begleitet Schröder bei Projekten in der Jugendarbeit durch die ganze Welt. Der Engel der Kulturen ist seiner Ansicht nach ein idealer Friedensbotschafter, ein Hoffnungssymbol. „Und das Schöne ist, das ist das Rad der Wiedergeburten der Hinduisten. Also: Vier Weltreligionen, ein selbst erklärendes Symbol“, sagt Schröder. Der Friedensengel ist ein Zufallsfund des Künstlerpaars Carmen Dietrich und Gregor Merten aus Burscheid bei Leverkusen. „Wir hatten eigentlich eine abstrakte Grafik angelegt“. Sie forschten weiter. „Ich komme aus dem Textildesign und da ist es so eine Aufgabe, dass man nicht nur den Vordergrund betrachtet, sondern auch das negativ.

Beten zum gleichen Gott

Dabei machten Carmen Dietrich und ihr Partner Gregor Merten eine spannende Entdeckung. Der Engel war zu sehen. Carmen Dietrich erinnert sich an ihren ersten Eindruck. „Ich sah zuerst so etwas Flügelartiges. Und dann habe ich die gedreht, diese Grafik, und schon kam diese Figur zum Vorschein.“ Die Figur ist eingängig. Und das Kunstprojekt wurde bereits in über 140 Städten auf der ganzen Welt gebracht. Aus einer Metallscheibe werden die Symbole der Weltreligionen ausgefräst. Als Negativ bleibt der Engel, der dann mit blauem Beton im Boden ausgegossen wird. Zuletzt arbeiten die Burscheider Künstler mit Husam Mona aus Jerusalem in ihrer Werkstatt an einem drei Meter großen Engel. Husam Mona kommt aus Ostjerusalem, ist Muslim. „Ein Mensch von uns hochgeschätzt, weil er für Ausgleich und die Verständigung unter den Religionen sorgt“, sagt Merten. Husam Mona setzt sich dafür ein, dass der Engel einmal in Jerusalem stehen kann. „Ich glaube, dass alle Religionen zusammenleben können, wir beten für den gleichen Gott.“ 

Engel sind interreligiös

Idee ist es, eine Stele aus über 140 Metallplatten, die den Engel zeigen, im Heilgen Land aufzustellen. „Das fernere Ziel ist es, den Engel  in Jerusalem dann irgendwann einmal zu übergeben“, so Merten. Auch Gregor Schröder will den Engel bald in Jerusalem sehen: „Wir arbeiten mit dem Künstler paar von Engel der Kulturen zusammen. Und da wir ja immer einen Teil der Engel innen ausgefräst haben, wird das aufeinander geschichtet und in der Altstadt von Jerusalem, gerade über den Dächern am Schnittpunkt der vier Viertel der verschiedenen Religionen, soll diese Säule, die mittlerweile über drei Meter hoch ist, aufgestellt werden. Wir haben auch schon einen Architekten.“ Alle Religionen können mit dem Engel etwas anfangen, weiß Carmen Dietrich. Vor allem die Kinder wissen sofort, um was es geht. „Gerade bei den kleinen in der Kita ist es einleuchtend. Wenn eins weg ist, dann gibt's den Engel nicht mehr“, sagt Carmen Dietrich. 

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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