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Wie fair ist Fairer Handel?

  • 18.01.21, 11:14
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Über Jahrhunderte bildeten Menschen auf der ganzen Welt Handelsbeziehungen aus, die ohne Vertrauen, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit oft nicht von Dauer gewesen wären. Von solchen wirtschaftsethischen Qualitäten soll nach der Idee des Fairen Handels auch der heutige Welthandel in der globalisierten Welt geprägt sein. Nach der Charta der globalen Fair-Handels-Bewegung bezeichnet Fairer Handel „eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht.“ Es geht um mehr Gerechtigkeit im Welthandel, um Sicherung angemessener Preise, verantwortbare Lieferketten, soziale Rechte der Erzeuger und Mitwirkung an nachhaltiger Entwicklung. Die Vision der FairTrade-Bewegung ist eine Welt, in der alle Produzenten und Beschäftigten ein sicheres und gutes Leben mit auskömmlichen Löhnen durch den Verkauf hochwertiger Produkte leben können. Dafür erhalten sie einen Mindestpreis, losgelöst vom Weltmarkt, und zumeist zusätzliche Prämien, die für Investitionen in Bildungs- und Gesundheitsprojekte genutzt werden sollen. Dafür sind FairTrade-Erzeugnisse teurer. Doch sei es nun Tee aus Sri Lanka, Kaffee aus Äthiopien, Kleidung aus Vietnam oder Bananen aus Ecuador: Produkte aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die mit dem Label „FairTrade“ versehen sind, haben die Nische längst verlassen. FairTrade-Produkte sind auch in den Regalen vieler Supermärkte und Discounter zu finden.

Komplizierte ethische und moralische Diskussion

Doch so ehrenwert die Ziele der Bewegung auch sind, es gibt auch Probleme mit dem Fairnessanspruch. Das fängt schon damit an, dass der Begriff des fairen Handels suggeriert, der restliche Handel wäre per se unfair. Dem gegenüber gilt es den freien Handel grundsätzlich zu verteidigen, denn dieser ist keinesfalls nur schlecht, sondern trägt auch zu Wohlstand und Entwicklung weltweit bei. Ohne ihn wäre die Güterfülle, in der wir in den wohlhabenderen Ländern baden können, nicht denkbar. Nach christlich-sozialethischem Ideal sollte freier Handel deshalb immer auch fairer Handel und fairer Handel so frei wie möglich sein. So frei ist Freihandel allerdings nicht mehr, wenn eine Handvoll Konzerne ganze Marktsegmente global dominieren und dadurch Handelsbedingungen diktieren und Preise drücken, sodass bei den Kleinproduzenten nicht mehr viel ankommt. Es ist die Tauschgerechtigkeit, die in diesen Fällen verletzt wird. Es gibt allerdings auch bei FairTrade nachgewiesene Ungerechtigkeit: Wenn etwa manche FairTrade-Arbeiter im Vergleich sogar weniger verdienen, weil die Kosten für die FairTrade-Lizenz so hoch sind, dass manche Arbeitgeber diese auf ihre Angestellten abwälzen. Ein weiteres Problem ist, dass FairTrade als Marke nicht geschützt ist, weshalb seriöse Anbieter und echte Fairhandels-Produkte durch unabhängige Prüfungen identifiziert werden müssen, um Verbrauchertäuschung zu vermeiden. Wem die Arbeits- und Lebensbedingungen der Reisbauern in Indien oder der Holzschnitzer in Haiti am Herzen liegt, landet bei FairTrade-Produkten indes immer noch mehr Treffer als bei konventionellen Erzeugnissen. Doch diese wenigen ausgewählten Probleme zeigen bereits: FairTrade muss noch fairer werden. Auch die Kirche und gerechtigkeitssuchende Christinnen und Christen mit ihrem Eine-Welt-Engagement sind hier gefragt.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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