Ordensfrau am See (c) Erzbistum Köln

Wie schön - mal keine Termine!

  • 03.07.16 20:31
  • Jan Pütz
  •   Kurz und Knapp

Ein ganzes Wochenende nur für mich? Sofort beginnen meine Gedanken zu kreisen, was mit der Ich-Zeit am besten machen. Ganz klar ausschlafen, gemütlich Frühstücken einfach mal so in den Tag leben, vielleicht eine paar Stunden wieder ein Buch lesen. Zeit haben ist für mich Luxus pur. Und in den letzten Tagen der Woche vor dem Wochenende verteidige ich erfolgreich meine Tage. Jeder Versuch von irgendwem an meine freie Zeit zu kommen wird gnadenlos im Keim erstickt. Und dann ist er da der Freitagnachmittag. Noch schnell im Büro die letzten Dinge erledigen, damit auch hier der Kopf am Wochenende ausbleiben kann. Ich genieße einen völlig entspannten Freitagabend, ein leckeres Abendessen danach ein wenig Fernsehen auf dem Sofa im Wohnzimmer. Na gut ein wenig ist untertrieben, es wird ordentlich spät vorm Fernseher, ich kann ja morgen ausschlafen. Sie kennen das bestimmt auch. Immer wenn man weiß, dass man ausschlafen kann, gibt es genug Gründe warum es nicht klappt. Ich bin manchmal einfach morgens viel zu früh wach. Jedes im Bett herumdrehen und jeder krampfhafte Versuch um doch noch zu schlafen gelingt nicht. Dann sagt mein Körper einfach "Hurra, es ist Tag!"

Leichter gesagt als getan

Aber an diesem Samstag waren es um 07:50 Uhr die rund 2.500 Umdrehungen einer Schlagbohrmaschine in der Nachbarwohnung, die aus dem Nichts in meinen Schlaf kreischten und so die erste Chance an diesem Wochenende auszuschlafen beendeten. Na dann also nicht ausschlafen. Nach dem Gang zum Bäcker fällt mir das schiefe Regalbrett in der Küche ins Auge, das ich immer schon geradehängen wollte wenn ich mal Zeit habe. Und Zeit habe ich ja eigentlich - jetzt. Also grabe ich nach dem Frühstück mein Werkzeug aus und fange an zu werkeln. Und weil es gerade so gut läuft, das Werkzeug ausgepackt ist, hänge ich noch schnell zwei Bilder um, öle die quietschende Tür zur Speisekammer. Einmal in Fahrt werden noch die Küchenschränke ausgewaschen, der Kleiderschrank aussortiert und an einige Hemden fehlende Knöpfe angenäht. Es ist eine gutes Gefühl, diese Liste an Sachen die man „irgendwann mal wenn Zeit ist“ machen wollte, abzuarbeiten. Und dann ist auch schon wieder Abend. Irgendwie müde, aber auf eine positive Art und Weise fühle ich mich glücklich. Und morgen am Sonntag, da kann ich ja ausschlafen, gemütlich Frühstücken einfach mal so in den Tag leben und vielleicht ein paar Seiten in einem Buch lesen. Wie schön, wenn ich einmal keine Termine habe.

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