(c) Julia Rosner

Wiedersehen in Rom

  • 21.11.19 13:22
  • Julia Rosner
  •   Kurz und Knapp

Während ich auf meinen Koffer warte, nippe ich genüsslich an meinem ersten Caffè Macchiato. Im Flughafen von Rom in der kleinen Bar an der Kofferausgabe schmeckt der Espresso mit Milchschaumhaube einfach am besten. Den ganzen Flug von Köln aus hatte ich mich schon darauf gefreut. Der erste Kaffee in Rom ist für mich immer etwas ganz besonderes, denn er schmeckt nach dem Zauber der Vorfreude auf die kommenden Tage in der Ewigen Stadt. „Arrivederci – Bis bald Roma!“, mit diesen Worten hatte ich mich fast auf den Tag genau vor einem Jahr von der italienischen Metropole verabschiedet und im AusZeit-Blog berichtet. Gut drei Monate lang durfte ich im vergangenen Jahr in Rom leben und arbeiten. Obwohl ich danach noch einige andere Orte und Länder besucht habe, trage ich seitdem das „römische Virus“ tief in mir. 

Schöner Erinnerungen

Das Zurückkommen fühlt sich dieses Mal wie ein Nachhausekommen an. Auf dem Weg vom Flughafen zu meinem Appartement am Campo de' Fiori klebe ich an der Scheibe des Busses und sauge den römischen Trubel auf den Straßen in mich ein. Zu fast jeder Haltestelle an der wir stoppen, kommt mir eine Episode aus dem vergangenen Jahr in den Sinn. An der einen Station hatte ich einmal über eine Stunde vergebens auf einen Bus gewartet, als ich ans Meer fahren wollte und an einem anderen Platz habe ich mit Freunden bis nachts über Gott und die Welt philosophiert. Einiges hat sich doch verändert: das gemütliche Restaurant, in dem ich mindestens einmal in der Woche mein Lieblingsessen, nämlich hausgemachte Gnocchi alla Sorretina, das heißt mit Tomate, Mozzarella und Basilikum, gegessen habe, bietet heute keine Pasta mehr an. Man sei jetzt zur Pizzeria geworden, erklärt mir der Kellner stolz. „Nichts gegen Pizza, aber heute müssen es Gnocchi sein“, entgegne ich und ziehe weiter. Immerhin bekomme ich stattdessen zum ersten Mal einen Tisch in dem Restaurant direkt gegenüber, vor dem sich jeden Abend eine lange Schlange durch die kleine Gasse bildet. Das wollte ich sowieso schon einmal testen. Zumindest ist die Ausstattung mit den Strohballen und den Schinkenkeulen an der Wand ein echter Hingucker und auch die Kerzen, die überall auf den Tischen brennen und deren Wachs sich schon in mehreren Generationen seinen Weg ungehindert über die Kerzenständer hinaus bahnt, gefallen mir gut. Obwohl die Gnocchi hier nicht ganz so hausgemacht waren, wie in „meinem“ Restaurant gegenüber, bin ich vorerst zufrieden und schlendere zurück zu meinem Appartement. 

Gehauchte Komplimente

 (c) Julia Rosner

Auf dem Weg mache ich noch einen kurzen Abstecher zu „Giolitti“, der besten Eisdiele in Rom, wo es das leckerste Mangoeis überhaupt gibt. Anschließend geht es in den kleinen Supermarkt, der gegenüber von meinem alten Zimmer liegt. Hier bin ich im vergangenen Jahr immer einkaufen gegangen. Ich finde schnell die Dinge, die ich zum Überleben brauche – eine kleine Flasche Weißwein, Kekse und ein bisschen Obst. Im Supermarkt meines Vertrauens steht alles noch am selben Ort wie vor einem Jahr. Davon sollten sich die deutschen Supermärkte einmal inspirieren lassen, die alle paar Monate umräumen und den Kunden damit erst einmal in die Verzweiflung stürzen.

Auch den entspannten Verkäufer, der jedem weiblichen Wesen mit längeren Haaren ein Kompliment zuhaucht, während er Bananen, Wein und Müsliriegel übertrieben lässig über den Barcodescanner zieht, kenne ich noch. Am nächsten Morgen habe ich mich mit einer ehemaligen Kollegin und mittlerweile guten Freundin zum Kaffee verabredet. Wir gehen in unser Stammcafé auf der Via della Conciliazione, dorthin, wo ich im vergangenen Jahr jeden Mittag war. Noch bevor ich bestellen kann, bringt mir der Barista mit einem Lächeln meinen Caffè  - so, wie ich ihn am liebsten mag: mit Milchschaumhäubchen. Als wäre ich erst gestern das letzte Mal dort gewesen, beginnt er mit mir zu plaudern. Ach Roma, du machst es mir wirklich schwer, in einer Woche wieder fahren zu müssen.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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