Rolf Faymonville (c) Rolf Faymonville

"Wir waren ein Herz und eine Seele"

  • 04.09.16 11:52
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Faymonville, Ihre ersten Olympischen Spiele sind vorbei. Wie war es in Rio?

Die Olympischen Spiele in Rio waren für mich ein sehr faszinierendes Erlebnis. Sie waren aber auch sehr vielschichtig und zum Teil kontrovers. Viele gute und tiefgehende Gespräche mit Sportlern und Verbandsvertretern, Trainern und Betreuern waren für mich eine sehr schöne und sinnvolle Erfahrung. Die alltägliche Begegnung mit der Armut und zugleich der Luxus und der Aufwand eines sportlichen Großevents waren für mich belastend und passten irgendwie nicht zusammen. Dennoch habe ich die Gastfreundschaft und die Begeisterungsfähigkeit der Brasilianer geschätzt – trotz aller Kritik am unsportlichen Verhalten des Publikums, wenn im Wettkampf unter brasilianischer Beteiligung die Sportler anderer Nationen ausgebuht wurden. Ich führe das aber zum Teil auf mangelnde Kenntnis des Publikums in Bezug auf Regeln und Gepflogenheiten zurück.

Welche Momente waren besonders beeindruckend für Sie?

Unsere Gedenkfeier für den verstorbenen Kanutrainer Stefan Henze und unser ökumenischer Gottesdienst unter der Christusstatue auf dem Corcovado waren besonders bewegende Momente. Auch die Begegnungen mit den Jugendlichen aus dem Deutschen Jugendolympialager, mit denen wir zusammen Favela-Projekte von Adveniat besucht haben, haben mich sehr beeindruckt. Die Offenheit der Jugendlichen und die Kontakte zu den Projektverantwortlichen waren sehr motivierend und erfrischend.

Welche Sportarten haben Sie besonders fasziniert?

Wir haben zehn Sportarten live erlebt. Ich könnte da keine Präferenz benennen. Allerdings war es schon eine überwältigende Kulisse, im Beachvolleyballstadion an der Copacabana ein Spiel zu nächtlicher Stunde zu erleben – mit Lightshow, brasilianischen Tänzern und der atemberaubenden Meeresbrandung im Hintergrund. Auch die Stille und Sammlung beim Bogenschießen im Sambódromo waren faszinierend.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem evangelischen Kollegen Thomas Weber?

Wir waren sprichwörtlich ein Herz und eine Seele, haben uns bestens ergänzt in unseren Vorerfahrungen und unterschiedlichen Begabungen und sind fast immer als Duo unterwegs gewesen. Die Menschen haben uns als Einheit erlebt und spiegelten uns wider, was wir damit beabsichtigt haben: Wir wollten Jesus in unserer Mitte erfahrbar machen, nach dem Wort „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Und Jesus hat seine Apostel auch zu zweit ausgesandt, das Evangelium zu verkünden.

Wie wurden Ihre spirituellen Angebote angenommen?

Wir haben keine Statistik geführt, aber es gab schon zahlreiche Einzelgespräche. Die Gottesdienstangebote sind ja oft von den örtlichen Gegebenheiten abhängig und vom Terminplan der Athleten. Das können wir sicher in Planung und Kommunikation in Kooperation mit dem DOSB noch weiterentwickeln. Denn diejenigen, die unsere Angebote genutzt haben, gaben immer ein positives Feedback. Viele sagten, es sei ihnen wichtig gewesen, dass wir dabei waren. Ich habe auch im Nachhinein noch Briefe erhalten.

Würden Sie nochmal als katholischer Seelsorger zu Olympischen Spielen fahren?

Grundsätzlich sehr gern. Aber da ich Diakon mit Zivilberuf bin, muss es schon mit meinen beruflichen Verpflichtungen als stellvertretender Schulleiter zusammenpassen.

SommerZeit 2017

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2017.

Zur SommerZeit 2017 »