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Wolfgang Bosbach: "Warum ausgerechnet ich nicht"

  • 08.06.16 12:35
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Bosbach, wie hat sich ihr Verhältnis zu Gott verändert, seitdem Sie wissen, dass der Krebs in ihrem Körper den Kampf gewinnen wird?

Es ist noch enger geworden, als es zuvor schon war. Eigentlich hatte ich zu Gott – umgangssprachlich formuliert – immer ein gutes Verhältnis. Aber als nach meiner chronischen Herzerkrankung auch noch die Krebsdiagnose dazu kam, habe ich zunächst mit ihm gehadert. Mein erster Gedanke war: Das muss jetzt aber wirklich nicht auch noch sein! Aber gleichzeitig findet man auch Trost und Kraft im christlichen Glauben. Die Botschaft Jesu ist ja eine frohe, keine traurige.

 

War nach der Prostatakrebs-Diagnose die Frage „warum ich“ auch eine, die Sie Gott gestellt haben?

Ja. Ich hatte ja schon seit 1994 mein Päckchen zu tragen. Auf ein weiteres war ich überhaupt nicht vorbereitet, denn bis zur bitteren Diagnose hatte ich südlich des Äquators nie ein Problem. Daher die verständliche Frage: Warum ich? Margot Käßmann hat einmal gesagt, ich hätte mich auch fragen können: Warum ausgerechnet ich nicht. Da hat sie wohl Recht.

 

Sie wirken in der Öffentlichkeit nach wie vor, manche sagen sogar, mehr denn je, ungeheuer positiv und strahlen Freude und Entschlossenheit aus. Was gibt Ihnen diese Kraft?

Die Freude am Leben, an der Arbeit und ganz bestimmt auch mein rheinisches Temperament. Sie wissen ja – et iss, wie et iss und et kütt, wie et kütt! Ich hatte in meinem Leben das große Glück, mir bislang alle beruflichen Wünsche erfüllen zu können. Auch nach mehr als 40 Jahren Politik ist die Arbeit als Abgeordneter immer noch viel mehr Freude als Belastung. Es ist genau das, was ich wirklich gerne machen möchte.

 

Welche Einstellung haben Sie zum Tod?

Er ist das einzig wirklich Unvermeidbare im Leben. Aber soll ich mich deshalb jeden Tag mit ihm beschäftigen? Warum auch? Wenn er kommt, bin ich ja weg.

 

Gibt es eine Lieblings-Bibelstelle von Ihnen?

Die Bergpredigt beeindruckt mich ganz besonders – und immer wieder auf´s Neue. Wenn Jesus vom Salz der Erde und vom Licht der Welt gesprochen hat, dann beinhalten diese Worte meiner Überzeugung nach auch den Auftrag, sich als Christ für die Verbreitung der frohen Botschaft aktiv einzusetzen.

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