(c) Georg Wahl

Zeugen des Glaubens

  • 07.05.18 16:19
  • Georg Wahl
  •   Im Auftrag des Herrn

Eine Flasche Wasser, ein Stock, und eine Tasche, in der das Bibeltagebuch steckt. Mehr nimmt Rufino Rodríguez auf dem Weg durch den tropischen Wald im Hochland des honduranischen Departements El Paraíso nicht mit. Alles Weitere wäre nur Ballast auf diesem schmalen, steilen und rutschigen Pfad. Rufino ist ein sogenannter Delegado de la Palabra – ein Beauftragter für die Wort-Gottes-Feier, und er ist der Nationalsekretär des Kolpingwerkes Honduras. Der Weg ist beschwerlich: Erst zwei Stunden mit dem einzigen Auto des Kolpingwerkes Honduras, und als selbst für den Geländewagen der Weg zu steil und zu schmal wird, die dritte Stunde zu Fuß. Oben auf der abgelegenen Finca erwarten ihn Mitglieder der Kolpingsfamilie „Nuevo Amanecer con las Familias“. Zur Zeit der Kaffee-Ernte leben und arbeiten hier 18 Menschen. Rufino kennt sie seit über 13 Jahren. Im Jahr 2004 wurde die Kolpingsfamilie gegründet; andere Delegados de la Palabra haben damals die Kolpingidee zu den Menschen in die Berge gebracht. Rufino wird hier auf der Terrasse vor dem Haus der Finca mit den Kolpingmitgliedern einen Wortgottesdienst feiern. Eine Kirche gibt es hier oben nicht und auch nicht in der näheren Umgebung; dafür ist die Finca zu abgelegen. Aber auch in den Dörfern mit einer Kirche oder Kapelle besucht nur selten ein Priester die Gläubigen. Von den 8,2 Millionen Einwohnern in dem mittelamerikanischen Land sind ca. 87 Prozent katholisch. Es gibt aber insgesamt nur etwas mehr als 400 Priester. Für die ist es unmöglich, in dem unwegsamen Land alle Gemeinden in ihrem Bezirk regelmäßig zu besuchen.

Zweites Vatikanum war Inspiration

 (c) Georg Wahl

In dieser Situation sind die Laien unverzichtbar. Die Delegado-Bewegung geht zurück auf eine Initiative des kanadischen Prälaten Marcel Gérin, dem späteren Bischof des Bistums Choluteca. Ausgehend von den Impulsen des Zweiten Vatikanischen Konzils suchte Marcel Gérin nach neuen Wegen in der Pastoral. 1966 bereitet er 17 Männer darauf vor, die Kar- und Ostertage in den Gemeinden mitzugestalten und das Glaubensleben zu stärken. Die Initiative ist so erfolgreich, dass ihn die Männer danach um weitere Schulungen bitten, um die Gemeinden auch an den folgenden Sonn- und Feiertagen unterstützen zu können. Rufino Rodríguez, mittlerweile 59 Jahre alt, hat mit 16 Jahren in seinem Heimatdorf die ersten Delegados kennengelernt.

Er erinnert sich noch an die große Armut der Menschen und wie dankbar diese Menschen waren, als die Delegados in ihr Dorf kamen, das Evangelium verkündeten und mit den Menschen Gottesdienst feierten. Und Rufino sah damals auch, wie wichtig sie als Seelsorger für die Menschen sind: Ansprechpartner für alle Sorgen und Ängste des alltäglichen Lebens. Das hat den damals Sechszehnjährigen beeindruckt, und er bat darum, ihm die Teilnahme an einem Kurs zu ermöglichen. Danach folgte für Rufino eine lange Zeit der Ausbildung, wie sie auch heute üblich ist. Heute gibt es in Honduras rund 18 000 Delegados, für die neun Koordinatoren verantwortlich sind. Es gibt inzwischen auch zahlreiche engagierte Frauen, die sogenannten „Delegadas“. Auch für sie gilt: Die Aufgabe, das Wort Gottes zu verkündigen und Menschen zu begleiten, erfordert eine große Begeisterung und die Überzeugung, das Richtige zu tun.

AdventsZeit 2017 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2017.

Zur AdventsZeit 2017 »