(c) Julia Rosner

Zur Kirschblüte in Washington

  • 04.04.19 12:48
  • Julia Rosner
  •   Kurz und Knapp

Dick eingepackt, in Wintermantel und mit Stiefeln, eile ich am Samstagmorgen zur Penn-Station, New Yorks größtem Bahnhof. Kurz nach sechs Uhr startet meine Amtrak, eine Art Schnellzug für Langstreckenreisen. Spontan habe ich mich am Vortag dazu entschlossen, New York für ein Wochenende den Rücken zu kehren und das dreieinhalb Stunden entfernte Washington, D.C.  zu erkunden. Je näher ich Amerikas Hauptstadt komme, desto grüner wurde es um mich herum. Während der Frühling in New York noch schläft, breitet er sich in Pennsylvania und Columbia immer mehr aus und findet in Washington an diesem Wochenende seinen Höhepunkt. Bei 25 Grad und Sonnenschein steige ich aus der Amtrak. Über die Stadt weht eine angenehm warme Brise, die den süßlichen Duft von Frühling mitbringt. Während alles gerade erwacht, spaziere ich zu meinem Hotel unweit vom Kapitol entfernt – vorbei an blühenden Magnolien und den ersten Osterglocken. Im Vergleich zu New York verläuft das Leben in Washington entspannter und langsamer. Dort angekommen, erfahre ich, dass ich eines der schönsten Wochenenden im Jahr in Washington erleben darf: die Kirschblühte. Für mich als Wahlbonnerin, die den „Kirschblüten-Ticker“ der Heerstraße ab Mitte März fast täglich verfolgt, ist das eine tolle Überraschung.

Blütenpracht und Drachenfest

 (c) Julia Rosner

Mein Weg führt mich zur National Mall, dem großen Park zwischen Kapitol und dem Washington Monument. Überall im Park ist die rosafarbene Blütenpracht zu bestaunen. Kinder spielen mit ihren Drachen auf der Wiese – an diesem Wochenende findet traditionell immer auch das Drachenfest statt.

Menschen flanieren mit einem Eis in der Hand durch den Park und unzählige Touristen lassen sich vor den blühenden Bäumen fotografieren. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, in Washington einige der zahlreichen (Kunst-)Museen zu besichtigen, die zum Großteil sogar kostenfrei sind. So sonnen- und wärmehungrig, wie ich in den letzten Wochen gewesen bin, entscheide ich mich jedoch dafür, die Stadt und die Hauptattraktionen zu Fuß zu erkunden. Washington ist nicht nur grün, sondern auch sehr blau. Überall gibt es Seen und kleine Flüsse, die der Stadt ein mediterranes Flair verleihen. Am meisten begeistert mich der kleine Stadtteil „Georgetown“ im Nordwesten der Stadt. Und natürlich muss ich auch einen Cupcake in Washingtons berühmtester Cupecake-Bakery probieren. Die 45 Minuten Wartezeit dafür sind ungewohnt, lohnen sich aber!

Museum für Journalisten

 (c) Julia Rosner

Ein Museum kann ich mir bei meinem Kurztrip in die Hauptstadt allerdings am nächsten Tag nicht entgehen lassen: das Newseum, eines der größten Journalismus-Museen überhaupt. Nicht nur Journalisten können hier spannende Dinge über die Entwicklung der Pressefreiheit, die prägendsten Medienereignisse der letzten Jahrzehnte und die populärsten Medien weltweit lernen.

Verstörend finde ich jedoch die Ausstellung über Terror und das FBI. Sicherlich gehören auch Terroranschläge zum Zeitgeschehen dazu. Anschlagsfahrzeuge zu besichtigen und das FBI für seine Dienste heroisch zu feiern, finde ich allerdings leicht amerikanisch-übertrieben. Statt mit dem Zug fahre ich mit dem Bus zurück nach New York. So kann ich das Land noch einmal von einer anderen Seite kennenlernen. Am Meer entlang geht es bei strahlendem Sonnenschein durch bekannte Städte wie Baltimore und Philadelphia. Das Wochenende in Amerikas Hauptstadt wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben. Um ehrlich zu sein, gefällt mir Washington als Stadt um einiges besser als New York. So spannend der „Big Apple“ auch ist: in kleineren und grünen Städten fühle ich mich doch am wohlsten.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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