Die Welt ist hier

"Die Welt ist hier"

  • 30.05.16 10:53
  • Anna Woznicki
  •   Im Auftrag des Herrn

Der ökumenische Arbeitskreis Flüchtlingshilfe

"Wir wollten nicht nur einmal im Jahr etwas für Flüchtlinge machen", sagt Monika Keßler und erinnert an die großen Flüchtlingsströme Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre. "Wir sahen die Probleme. Die Unterkünfte, die aus allen Nähten platzten. Das enge Zusammenleben erzeugte Streit. Da mussten wir etwas tun!" Gemeinsam mit 19 anderen Erftstädtern gründete die Ehrenamtlerin unter dem Motto „Einen langen Atem haben“ den ökumenischen Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in Erftstadt-Liblar. Durch die Verteilung von Sachspenden bekam die Initiative Kontakt zu den Flüchtlingen, lernte Gesichter kennen, Menschen und deren Geschichten. „Es war ein Roma-Junge namens Baskim, der mir eine Motivation gab, die mich bis heute antreibt“, sagt die 72-Jährige. 

Viele Angebote

Es entstanden regelmäßige Angebote wie Spielkreise für Kinder, Frauengesprächsrunden, Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse, Feste der Begegnung. Doch ebenso wichtig war die Kommunikation nach außen: Immer wieder machte die Initiative auf die schwierige Situation der Flüchtlinge aufmerksam. „Was können wir tun? Was ist machbar? Und wie können wir langfristig durchhalten?“ Das sind die Kernfragen, die Monika Keßler immer wieder beantworten muss. Sie hat einen langen Atem bewiesen. Sie hat ihr Leben Fremden gewidmet, die zu Freunden wurden. Menschen begleitet, sie kommen und gehen sehen. Wenn Monika Keßler das Flüchtlingsheim an der Radmacherstraße betritt, rufen Kinder ihren Namen, Erwachsene schließen sie herzlich in ihre Arme. „Die Welt ist hier“, sagt die Trägerin der Carl-Schurz-Medaille, der höchsten Auszeichnung, die die Stadt Erftstadt verleiht und zeigt auf das Gelände. „Nehmen wir die Chance wahr, diese Welt kennenzulernen.“

Neue Nachbarn

Auch der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki wünscht sich, dass sich die Kirche auf breiter Linie der Flüchtlinge annimmt. „Flüchtlingsarbeit rückt mehr und mehr in den Fokus als festes Aufgabengebiet jeder Pfarrei, was mich wirklich sehr freut“, so Woelki. „Mitmenschlichkeit, gerade mit Flüchtlingen, ist unser Auftrag. Jesus sagt: Ich war fremd, ich war obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen.“

Weitere Informationen zum Thema

Mehr zur Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln unter:
www.aktion-neue-nachbarn.de

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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