Maria Kup im Gespräch mit Flüchtlingen in Kürten (c) Joachim Rieger

"Ich war fremd"

  • 21.06.16 10:29
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Herzlich willkommen, mire se vini, welcome – so werden Flüchtlinge in Kürten, im bergischen Land begrüßt. Vielleicht liegt es daran, dass die Kirchenfenster der St. Nikolaus-Kirche in Kürten-Dürscheid die sieben leiblichen und sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit darstellen. Die Fenster wurden von 1965 bis 1984 neu gestaltet. Das Besondere: Der Künstler Hans Lünenborg ordnete die Werke beliebten Heiligen zu. So ist Mutter Teresa beim leiblichen Werk „Hungrige speisen“ zu sehen und beim geistlichen Werk „Zweifelnde beraten“ Hildegard von Bingen. Das Kirchenfenster zum leiblichen Werk „Fremde beherbergen“ zeigt Don Bosco, der sich zeitlebens für junge Menschen, Flüchtlinge und Migranten eingesetzt hat. Don Bosco wäre mit Sicherheit ziemlich stolz auf all das, was in Kürten zurzeit geschieht, denn hier werden Tag für Tag viele Werke der Barmherzigkeit ganz selbstverständlich umgesetzt, allen voran die vier leiblichen Werke Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte kleiden und Fremde beherbergen.

Ein Treffen als Startschuss

Begonnen hat alles mit einem runden Tisch zum Thema Flüchtlinge und Asyl. Nach dem Abend, zu dem viele Kürtener kamen und voller Tatendrang waren, trommelte Gemeindereferent Willi Broich fünf engagierte Ehrenamtliche zusammen und lud sie direkt für den kommenden Abend zu sich nach Hause ein. Das Ergebnis: Ein Konzept, wie den Flüchtlingen in Kürten konkret geholfen werden kann. Bereits am nächsten Tag schon war die Internetseite „fluchtpunkt.de“ online – der Beginn einer „unglaublichen und beispielhaften Hilfsaktion“, sagt Klaus Hagedorn, seit Januar 2015 als Koordinator für die Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln zuständig. Insgesamt 15 Koordinierungsstellen für die Flüchtlingsarbeit gibt es mittlerweile, seit Beginn der Aktion „Neue Nachbarn“, die eine Willkommenskultur und ein Hilfs-Netzwerk für Flüchtlinge schaffen will. In Kürten hat das längst geklappt. Rund 150 ehrenamtliche Helfer gehören mittlerweile zum „Fluchtpunkt“. Michael und Melanie Weimann koordinieren die sogenannten Housing-Committees, die Unterkünfte mit Hausbetreuern und Helfern ausstatten, Michael betreut auch die wichtige Facebook-Seite, seine Frau Melanie kümmert sich um die Flüchtlinge im „Gelben Haus“.

Hilfe da, wo sie gebraucht wird

Die Fahrradwerkstatt in Kürten (c) Joachim Rieger

Dolmetscherpool, Fahr- und Notbereitschaft, Deutschkurse, Patenschaften für einzelne Flüchtlinge, eine Fahrradwerkstatt - all das gehört zum Kürtener Flüchtlings-Netzwerk Fluchtpunkt. Jeden Dienstag von 15.00-17.00 Uhr wird ein Flüchtlings-Café angeboten, ein zweites öffnete im Dezember. Aus insgesamt 26 Nationen kommen die Flüchtlinge, die in Kürten leben, die meisten stammen aus Syrien, Iran und Irak. „Es entsteht mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis“, sagt Josef Büchel, ein pensionierter Lehrer, der Deutschkurse anbietet und sich darüber hinaus um einen serbischen Flüchtling kümmert. Aber nicht nur die Flüchtlinge profitieren von der großen solidarischen Hilfe der Kürtener. „Identitätsstiftend ist das was wir tun, sagt Gemeindereferent Willi Broich, „so eng haben wir hier noch nie zusammen gestanden.“

Hier alle Infos zum Fluchtpunkt Kürten

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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