(c) Robert Boecker

"Selig, die für den Frieden arbeiten"

  • 01.06.16 14:54
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Die Auszeit betrauert den Tod von Rupert Neudeck. Für die Ausgabe der SommerZeit 2015 sprachen wir noch mit dem Journalisten, der vor über 30 Jahren mit seinem Schiff, der Cap Anamur, tausende vietnamesische Flüchtlinge aus dem Chinesischen Meer rettete.

 

Herr Neudeck, seit mehr als drei Jahrzehnten setzen Sie sich für Menschen ein, die auf der Flucht sind oder in Krisengebieten leben. Was gibt Ihnen die Kraft für Ihre Arbeit?

Ich habe das Glück gehabt, ganz einfach in ein Leben mit dem Evangelium hineinzuwachsen und empfinde das Samaritergleichnis bei Lukas als die schönste Herausforderung für mich. Ich lebe in einer Gesellschaft, die zwar dauernd über Stress stöhnt, der es aber materiell so gut geht wie noch nie in der Geschichte der Deutschen und der Europäer. Erst wenn man für die anderen, zumal für die Bedürftigen und Ratlosen da ist, wenn man diejenigen, die in Gefahr sind zu ertrinken, aus dem Wasser zieht, dann hat das Leben einen großen Sinn.

Sie haben u.a. katholische Theologie studiert und waren sogar einige Jahre Mitglied im Jesuitenorden. Wie wichtig ist Gott und seine Botschaft Ihnen heute?

Ich habe das bei der Arbeit in Afghanistan richtig gelernt, wie wichtig Gott für die Menschen ist. Da ich aus krummem Holze geschnitzt bin und im Zweifelsfall ein unsicherer Kantonist, das macht mir immer wieder deutlich, wie sehr wir von der Gnade Gottes abhängig sind und uns dieser großen Güte überlassen sollen. Ich habe mich seit dem Jesuiten-Noviziat an diesen widersprüchlichen Satz des Ignatius von Loyola festgehalten: Handle so, als ob alles von Deinem Tun und nichts von der Gnade Gottes abhängt.

Sie sind Vorsitzender des Vereins Grünhelme, einer Art Friedens-Corps von jungen Deutschen Christen von Muslimen. Warum ist dieser interreligiöse Dialog Ihnen so wichtig?

Frieden wird es weltweit nur geben, wenn die drei großen monotheistischen – und dann auch alle anderen Religionen der Menschheit - sich achten, wertschätzen, sich mögen, wo immer möglich zusammenarbeiten. Das gilt ganz besonders für den Islam. Wir leben bei den Grünhelmen den Dialog durch Arbeit. Wir brauchen keine neue Akademie, kein Gipfelgespräch, nichts Theoretisches, kein Papier . Wir brauchen die handfeste Zusammenarbeit von jungen-alten Bauingenieuren, Architekten, Maurern, Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern.

Inwiefern hilft Ihnen die Botschaft der Bibel?

Das sind für mich die glaubwürdigsten Texte. Und die ergänzen sich. Wenn wir als Christen unser Vertrauen wirklich auf den Allerbarmer setzen, haben wir die besten Chancen, auf dieser Welt Frieden zu machen.

Was glauben Sie würde Jesus tun, wenn er heute leben würde?

Er würde zu den 60.000 jungen Afrikanern gehen, die in Nouadhibou (Hafenstadt an der Westküste Afrikas, Mauretanien)  gestrandet sind. Er würde auf den Sinai gehen und die Beduinen beistehen bei ihrem Kampf um Ihre Wohnsitze. Er würde in die Höhlen südlich von Hebron steigen, wo immer noch Palästinenser wohnen und leben.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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