Ministerpräsidentin Malu Dreyer (c) Elisa Biscotti Staatskanzlei-RLP

"Wir alle tragen Verantwortung"

  • 11.07.16 11:43
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Frau Dreyer, Sie sind gläubige Christin. Wie viel Platz hat Gott denn in ihrem Leben als Ministerpräsidentin?

Gott hat einen festen Platz in meinem Leben. Ich bin ein gläubiger Mensch, wenngleich weniger in diesem traditionellen, sondern eher in einem spirituellen Sinne. Ich hatte schon als Kind ein tiefes Gottvertrauen, das eigentlich bis heute immer da ist.

Wie leben Sie ihren Glauben im Alltag?

Ich versuche, meinen Glauben in meinen Alltag einzubinden. Das bedeutet für mich, die Grundwerte des Christentums mit Leben zu füllen, zum Beispiel indem ich auf meine Mitmenschen achte und mich für Solidarität und Gerechtigkeit einsetze.  

In welchen Situationen war Ihnen Gott besonders nah?

Gott ist mir in ganz unterschiedlichen Situationen besonders nah, etwa wenn ich in der Natur bin, aber auch wenn ich Musik höre oder mit lieben Menschen zusammen bin.

Gibt es eine Lieblings-Bibelstelle für Sie?

Mich inspiriert immer wieder die Bergpredigt, die bis heute so radikal klingt in ihrem Ruf nach bedingungsloser Nächsten- und sogar Feindesliebe. Wir alle tragen Verantwortung für einen menschlichen Umgang miteinander. Für mich ist das ein Grundpfeiler des politischen Alltags.

Sie stehen für Werte wie Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Wie ist es derzeit um die Werte in unserer Gesellschaft bestellt?

An den grundlegenden Werten in unserer Gesellschaft hat sich meiner Meinung nach nichts geändert. Die Menschen wollen eine Politik, die sich an Maßstäben wie Verlässlichkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit orientiert und dafür stehe ich.

Was würde Jesus wohl den Politikern dieses Landes sagen, wenn er könnte?

Ich glaube, dass Jesus alle Menschen zu mehr Nächstenliebe und sozialer Gerechtigkeit aufrufen würde. Ich bin froh, dass sich meine Partei, die SPD, dem Gedanken der Solidarität und der Gerechtigkeit so stark verpflichtet fühlt. Das ist auch Leitlinie meines politischen Handelns. Deshalb setze ich mich für Chancen-, Generationen- und Bildungsgerechtigkeit ein. Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an Arbeit und Leben sind mir wichtig.

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl. Wie viel Nächstenliebe auch zu politischen Konkurrenten ist im Wahlkampf möglich?

Bei aller inhaltlichen Auseinandersetzung lege ich größten Wert darauf, dass beim Umgang zwischen Parteien, ganz gleich, ob in Berlin, Mainz oder auf kommunaler Ebene, ein respektvolles Miteinander gewahrt bleibt.

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