Die heilige Grotte in Lourdes (c) dpa/Patrick Delecroix

"Zünde doch eine Kerze für uns an"

  • 03.07.16 20:18
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

"Mein Bruder ist schuld, dass ich zum Lourdes-Fan geworden bin", sagt Florist Michael Wefringhaus, aus Castrop-Rauxel in Westfalen. Bruder Josef hatte bereits vor 2002 den Marienwallfahrtsort besucht und kam begeistert zurück. Mittlerweile ist Josef Wefringhaus Diakon und auch dieser Entschluss fiel in Lourdes, nach einem Gespräch mit einem der Seelsorger dort. Michael Wefringhaus sorgt als 2. Vorsitzender des Lourdesverein Westfalen dafür, dass meist bis zu 400 Pilger einmal im Jahr die fünftägige Wallfahrt nach Lourdes erleben dürfen. Entweder im Sommer, so wie dieses Jahr, oder in den Herbstferien machen sich dann Junge, Alte, Gesunde und Kranke auf den Weg.

Das Wunder von Lourdes

Mehrmals sah die damals 14-jährige Bernadette Soubirous die helle Gestalt der Mutter Gottes an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave de Pau. Während einer dieser Visionen legte Bernadette eine Quelle in der Grotte Massabielle frei. Dem Wasser, das aus dieser Quelle bis heute sprudelt, wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Beweisen konnte man dieser Wirkung bis heute jedoch nicht. Dennoch pilgern jährlich vier bis sechs Millionen Besucher nach Lourdes, darunter viele Alte und Kranke, in der Hoffnung, geheilt zu werden oder zumindest Linderung ihrer Schmerzen zu erfahren. Um die Grotte herum entstand nach und nach ein "heiliger Bezirk" mit mehreren großen Kirchen, Kapellen und Plätzen, um der stetig ansteigenden Zahl von Pilgern Herr zu werden. Das älteste Bauwerk, das zum Gedenken an die Marienerscheinungen errichtet wurde, ist die 1866 geweihte Krypta, an deren Bau auch Bernadettes Vater François beteiligt war. Auf ihren mächtigen Säulen, steht die 1871 vollendete, im neugotischen Baustil errichtete Mariä-Empfängnis-Basilika. Direkt östlich davon fällt die Rosenkranz-Basilika mit ihrer vergoldeten Krone auf der Kuppel auf. Sie und der große Rosenkranz-Platz mit der gekrönten Marienstatue, sind auch für die Pilgerguppe des Lourdesvereins Westfalen jedes Mal der Ausgangspunkt ihrer eigenen Rosen-Prozession, die vor dem Altar an der Grotte endet.

Die Kranken stehen im Mittelpunkt

Alte und kranke Menschen gehören jedes Jahr ganz selbstverständlich auch zur Pilgergruppe des Lourdesvereins Westfalen dazu. Meistens sind auch zwei oder mehr Ärzte mit dabei, die sich um die Kranken kümmern. "Die Kranken stehen in Lourdes im Mittelpunkt", sagt Michael Wefringhaus, "und sie sind nicht Balast, sondern Bereicherung. Die Jugendlichen in unserer Gruppe zum Beispiel fahren die Rollstuhlfahrer von A nach B, von der Grotte zur Basilika und auch zum Hospital. Und sie machen das mit großer Freude. Beim letzten Mal sagte mir ein Mädchen unserer Gruppe: Ich hatte gestern Frau Müller, ich will wieder Frau Müller schieben." Ganz besondere Augenblicke erleben Michael Wefringhaus und alle Pilger in Lourdes jeden Abend um 21 Uhr. Dann ziehen jedes Mal tausende Wallfahrer in einer riesigen Lichterprozession zur Grotte. "Die vielen Kerzen, die die Dunkelheit erhellen, die Stille und das gemeinsame Gebet – das sind schon Gänsehaut-Momente." Und oft geht Michael Wefringhaus danach, kurz vor Mitternacht noch einmal zur Grotte. Dann sitzen manchmal nur noch drei, vier andere Pilger mit ihm gemeinsam vor der Statue der Mutter Gottes. Nach dem Trubel und den Menschenmassen tagsüber lässt er hier den Tag ausklingen. "Es kommt dann oft einiges Trauriges hoch, aber auch vieles, was einen dankbar macht."

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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