Die Basilika Sacré-Coeur in Paris (c) picture-alliance_Axiom-Photographic_Charles-Bowman

Sacré-Coeur - das weiße Herz Jesu

  • 21.06.16 10:11
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Wir schreiben das Jahr 1885, genauer den 1. August dieses Jahres. Seit neun Jahren wird auf Montmartre, dem Berg der Märtyrer, in Paris gebaut und die Säulen und Wände der von Paul Abadie geplanten Basilika vom „Heiligen Herz Jesu“ wachsen erst langsam in die Höhe. Dennoch beginnt an diesem Tag eine weltweit einzigartige Anbetung Jesu Christi: eine ständige Anbetung, die bis heute nicht aufgehört hat. Tag und Nacht sitzt seitdem wenigstens ein Mensch in der Basilika und betet vor dem ausgesetzten heiligsten Sakrament. Dieses Gebet soll eine stille Fürbitte sein. Für die Menschen, für die Kirche für die Welt. Ganze Pilgergruppen versammeln sich seit diesem denkwürdigen 1. August 1885 in Sacré-Coeur, um diesen besonderen spirituellen Brauch fort zu führen.

Das Geheimnis der weißen Pracht

Im heutigen Departement Seine-et-Marne liegt ein beschaulicher Ort: Château-Landon hat nur rund 3100 Einwohner, aber dank eines Steinbruchs ist die französische Gemeinde vor allem bei Architekten und Dombaumeistern mittlerweile weltbekannt. Denn hier wurden die vielen Travertin-Steine abgebaut und dann nach Paris gebracht, die heute das schlohweiße Erscheinungsbild der Basilika auf Montmartre kennzeichnen. Das Besondere an diesem Stein: Er dunkelt nicht nach. Im Gegenteil: Weil er das Mineral Calcit nach einiger Zeit abgibt, wird der Stein von Jahr zu Jahr immer weißer. 1871, nach der Niederlage der Franzosen gegen die Preußen gelobten die französischen Katholiken feierlich vor Gott, als Symbol der Hoffnung und der Besinnung eine Kirche auf Montmartre zu bauen. Diese Buße wurde 1914 vollendet, allerdings erst im Jahre 1919 durch die Weihe konsekriert. Wer als Pilger diese Historie vor Augen hat, beginnt vielleicht etwas euphorischer und motivierter den Aufstieg im Park Scare Willette. Viele Treppen warten dann auf die wanderfreudigen Gläubigen, aber gerade frühmorgens lohnt sich der Weg, wird doch der erfolgreiche Pilger mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang und Blick über Paris belohnt.

Wallfahrtsort und Sehenswürdigkeit

Der Innenraum von Sacré-Coeur (c) picture alliance_Ulrich-Baumgarten

Wenn auch Sacré-Coeur in jedem Reiseführer steht, ist diese Kirche für viele Menschen weniger Fotomotiv, als Wallfahrtsziel und Ort der Einkehr und des Gebetes. Etliche Pilgergruppen kommen nicht nur für ein, zwei Stunden hierhin, sondern übernachten im Schatten der Basilika, im Gästehaus „Ephrem“. Hier steht Ihnen dann, ähnlich wie in einem Exerzitienhaus oder einem Kloster ein Priester zum Gespräch oder zur Ablegung des Beichtsakramentes zur Verfügung.

Außerdem ist eine der in Sacré-Coeur beheimateten Benediktinerschwestern für die Pilger ansprechbar. Der Moment des Gebets vor dem 475 Quadratmeter großen Christusmosaik des Künstlers Luc-Olivier Merson ist für die Gläubigen das letztendliche Ziel ihrer Pilgerreise. Sie sind in diesem Augenblick im Geiste verbunden mit all denen, die seit knapp 130 Jahren hier bitten, danken und damit das ständige Gebet nicht abreißen lassen. Viele beschreiben danach dann auch ein besonderes Gefühl der Verbundenheit nicht nur mit Gott, sondern mit all denjenigen, die hier einmal gebetet haben. Aber auch mit all denen, die jeden Tag, jede Minute auf der ganzen Welt hoffen und beten. „Bleibet hier und wachet mit mir“. Sacre-Coeur ist einer der Orte, an denen dieses Bibelwort bis heute gilt und gelebt wird.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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