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Nachruf auf Prof. P. Paul Zepp SVD

* 10.04.1917 + 24.11.2002

In der Nacht zum Christkönigsfest starb nach mehrmonatigem Krankenlager im St. Johannes-Hospital in Bonn Pater Prof. Dr.iur.can. Dr.iur.utr. Paul Zepp SVD im gesegneten Alter von 85 Jahren. Nach dem Tod von Prof. Heinrich Flatten 1987 folgte er unverzüglich der Bitte von Kardinal Höffner und übernahm als Erzbischöflicher Offizial die Leitung des kirchlichen Gerichtes. Hier hatte er bereits von 1962 bis 1977 als Richter und ab 1986 als Vizeoffizial gewirkt. Allein in den Jahren 1986 bis 2001 war er an über 800 Eheverfahren beteiligt. Noch bis auf sein Krankenlager beschäf­tigte er sich mit den Schicksalen von Menschen, die in ihrer Ehe gescheitert waren; vielen war er ein gesuchter geistlicher Ratgeber.

 

Paul Zepp wurde am 10. April 1917 in Salzstetten, einem schwäbischen Dorf am Ostrand des Schwarzwalds als ältestes von vier Kindern geboren. Sein Vater war Küfer. Um die Höhere Schule besuchen zu können, musste er nach der 7. Volks­schulklasse von zu Hause weg in die von den Steylern in Blönried, Tirschenreuth und Ingolstadt betriebenen Internate. Auf das Abitur folgte unmittelbar der Arbeitsdienst, ehe er im Herbst 1938 in Sankt Augustin das Noviziat beginnen konnte. Damals studierten an der dortigen Ordenshochschule 400 Kandidaten. Mit den meisten von ihnen wurde auch Paul Zepp 1941 zur Wehrmacht einberufen, wo er zunächst in Frankreich, Anfang 1942 dann an der russischen Front als Sanitäter eingesetzt war. Hier erlitt er am 17. Januar 1942 eine Verwundung, die zu einer lebenslangen Gehbehinderung führte. Damit war an einen Einsatz in der Mission nicht mehr zu denken, aber auch der Militärdienst war für ihn zu Ende, so dass er seine theologischen Studien zügig abschließen konnte. Auf abenteuerlichen Wegen kehrte er im Spätsommer 1945 in das weitgehend zerstörte Sankt Augustin zurück. Dort empfing er in sehr einfachen Verhältnissen am 5. Mai 1946 die Diakonenweihe und schon am 15. Juni 1946 durch Kardinal Frings die Priesterweihe. Bereits im Oktober 1948 wurde er als einer der ersten Deutschen nach dem Krieg zum Studium nach Rom geschickt; dort erhielt er die Bestimmung für das Kirchenrecht, in dem er 1952 "summa cum laude" promoviert wurde. Es folgten Jahre der Lehr­tätigkeit am Priesterseminar St. Gabriel in Mödling bei Wien, die er zu einer weiteren Promotion an der dortigen juristischen Fakultät nutzte. 1960 verlegten die Steyler das Studium von St. Gabriel nach Sankt Augustin, wo P. Zepp neben seiner Tätigkeit als Professor des Kirchenrechts Vizerektor und Theologenpräfekt wurde. 1971 wurde er Vizeprovinzial, von 1977 bis 1983 war er Provinzial, von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1986 Rektor der Hochschule.

 

Ungeachtet seines Alters und seiner Behinderung stellte er sich nach Erfüllung dieser Ordensaufgaben für über weitere 15 Jahre dem Dienst im Erzbistum Köln zur Verfügung. Den Kardinälen Höffner und Meisner war er ein treuer Mitarbeiter, das Offizialat leitete er mit väterlicher Autorität, für die Seelsorge war ihm keine Zeit zu kostbar und kein Weg zu weit. Über die Verleihung der Maternusplakette im Jahr 1993 und die Ernennung zum Ehrendomherrn an der Hohen Domkirche anlässlich seiner Emeritierung als Offizial 1994 hat er sich gefreut. Seine Erfüllung aber war die Wahrnehmung des richterlichen Amtes, das er wie all seine anderen Engage­ments, z.B. als Geistlicher Leiter der Fatima-Gruppen oder des charismati­schen Gebetskreises als eine besondere Form der Seelsorge betrachtete. Die größte Freude für ihn war es, Menschen in Gewissensnot zu Gewissheit und Frieden und zu ungeschmälerter Gemeinschaft mit der Kirche zu helfen. Viele werden ihn ver­missen.

 

Prälat Dr. Günter Assenmacher
Erzbischöflicher Offizial