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Service

In alter Frische. Ein Wandbehang in St. Ursula in Düsseldorf-Grafenberg

Wandbehang
Datum:
1. Dez. 2021
Objekt des Monats – Dezember 2021

Leinen (Trägermaterial), Filofloss-Seide und Japangold (Stickerei)
Größe 182 x 182 cm
vermutlich 2. Hälfte der 1960er Jahre
Fa. Clemens Jansen & Co. (vor 1965: Korff & Hackstein), Aachen


Die weiße Wand neben der Tür zur Sakristei im Querhaus der Kirche St. Ursula in Düsseldorf-Grafenberg trägt einen besonderen Schmuck: einen Wandbehang mit zentralen Darstellungen aus dem Leben Jesu nach dem Lukas-Evangelium. Es beginnt mit der Menschwerdung Gottes (Verkündigung des Engels an Maria), setzt sich fort über ein Wunder (die Speisung der 5000) und das Thema der Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu (das Letzte Abendmahl und Jesus mit den beiden Jüngern in Emmaus). Zwischen diesen beiden Szenen steht das Apokalyptische Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln, das als Symbol für Jesus Christus steht und auf das Ende der bisherigen Welt hinweist. Seine Umrisse werden von eng zusammenliegenden Japangoldfäden nachgezeichnet. Das Lamm und die vier Szenen sind durch eine Ranke aus Blättern und Blüten verbunden, die im unteren Viertel des Behangs einen freien, querrechteckigen Raum rahmt: dieser Bereich hinterfing bis 2019 den Tabernakel in der Sakramentskapelle. So ergab sich ein Zusammenhang zwischen dem dargestellten Heilswirken Gottes und dem im Tabernakel aufbewahrten Leib Christi. 

Der Wandbehang wurde in ca. 250 Stickstunden hergestellt. Für die Stickerei verwendete man sogenannte Filofloss-Seide, die heute kaum noch oder nur in Restbeständen verfügbar ist. Es handelt sich um einen individuellen Entwurf für St. Ursula, also wahrscheinlich um ein Einzelstück. Der Name des entwerfenden Künstlers konnte bisher leider nicht ermittelt werden, hergestellt wurde der Behang in der heutigen Paramentenwerkstatt Clemens Jansen in Aachen. 

Die Zeit ist am Wandbehang nicht spurlos vorübergegangen. Durch Feuchtigkeit in der Wand und den Ruß der Kerzen am Tabernakel war sein Zustand derart desolat, dass eine Restaurierung zwingend notwendig wurde. Diese erfolgte im Jahre 2019 und wurde von der Herstellerfirma sorgfältig durchgeführt. Dabei wurde das Gewebe gründlich und behutsam gereinigt und mit einer Lotus-Gewebeschutzausrüstung versehen, die besonders wasser- und schmutzabweisend wirkt, ohne dabei die Atmungsaktivität des Gewebes zu beeinträchtigen.

An seinem neuen Standort lädt der restaurierte Wandbehang, dessen Farben nun wieder im alten Glanz erstrahlen, alle Besucher von St. Ursula zur Betrachtung ein.

Carsten Schmalstieg

Der Wandbehang hinter dem Tabernakel (bis 2019)

Literatur und Quellen

Becker-Huberti, Manfred (Hg.): Düsseldorfer Kirchen. Die katholischen Kirchen im Stadtdekanat Düsseldorf, Köln 2009, S. 132.

Katholische Kirchengemeinde St. Ursula, Düsseldorf-Grafenberg (Hg.): Haus Gottes unter den Menschen. 75 Jahre St. Ursula-Grafenberg (1912–1987), Düsseldorf 1987.

Mündliche Auskunft von Frau Eva Richter, Düsseldorf-Grafenberg.

Schriftliche Auskunft von Herrn Sebastian Hermanns, Firma Clemens Jansen & Co., Aachen.