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Die Pädagogische Woche

 


Tag der Lehrerinnen und Lehrer an Katholischen Schulen in Freier Trägerschaft


Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, was es ausmacht, katholisch zu sein? Vermutlich hat jeder ein eigenes Bild davon im Kopf – sei es bewusst oder unbewusst. Dieses Bild ist geprägt von der eigenen Erziehung, den gemachten Erfahrungen und Begegnungen, von konkreten Menschen und Ereignissen. ‚Katholisch‘, das ist – so scheint es zumindest auf den ersten Blick – ein völlig selbstverständlicher Begriff und ein völlig selbstverständliches Phänomen.

 

Ist die Frage oder besser gesagt das Nachdenken jedoch einmal losgetreten, beginnt man also von diesem ‚katholisch‘ zu sprechen, so wird schnell deutlich, wie vielschichtig, bunt und komplex sich dies gestaltet. Wo fängt man an, wo hört man auf, was gehört unbedingt dazu, was weniger? Diese Fragen mögen das Verstehen und das Verständigen betreffen, oftmals aber auch überhaupt das eigene Sprechen davon. Es hat sich, ohne dass es vielen bewusst ist, eine weit verbreitete Sprachlosigkeit eingeschlichen, die es mit sich bringt, dass viele Vorurteile, Missverständnisse und Halbwahrheiten überliefert werden, die wiederum befeuert werden durch mannigfaltige Diskussionen um das Katholische im öffentlichen Raum.

 

 
Am Dienstag eröffnete der Leiter der Schulabteilung Stefan Koch den Tag der Lehrerinnen und Lehrer an den Katholischen Schulen in freier Trägerschaft mit den Worten:

 

„Wir freuen uns, Sie alle zur Pädagogischen Woche am Tag der katholischen Schulen in Freier Trägerschaft begrüßen zu dürfen. Ganz besonders begrüße ich unseren Generalvikar Prälat Heße sowie die weiteren Teilnehmer unseres Podiumsgesprächs: Seien Sie herzlich willkommen!

 

Ich begrüße alle Lehrerinnen und Lehrer der katholischen freien Schulen. Wir freuen uns, dass Sie heute hier sind. Und ich begrüße Herrn Prälat Bachner, den Leiter unserer Hauptabteilung Schule/Hochschule und meine Kollegen als erzbischöfliche Schulräte, Herrn Keßler, Herrn Nielen und Herrn Pitsch, sowie die Leiter der Arbeitskreise, die sich an das Podiumsgespräch anschließen.

 

Verstehen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der katholischen Schulen,  die Einladung bitte auch als einen Ausdruck dessen, wie wir unserer Aufgabe als Schulträger u.a. zur Fort- und Weiterbildung nachkommen; verstehen Sie bitte diesen Tag als einen Baustein zur Entwicklung des Fach- und Schulprofils auch durch die Kollegien unserer Schulen.

 

So hoffe ich, dass Sie durch Informationen, aber auch durch Austausch und Begegnung in diesen Tagen Inspirationen erfahren, die Sie auch persönlich weiterbringen – und damit auch Ihre Schule.

 

(..)

 

In jedem Jahr werden einzelne Fächer und ihre Vertreter angesprochen, so haben wir in diesem Jahr vorrangig Vertreter der Fächer Physik, Englisch, Deutsch, Kunst und Musik eingeladen. In diesem Jahr werden darüber hinaus auch Arbeitskreise angeboten, die fächerübergreifend angelegt sind. Und in diesem Jahr freuen wir uns besonders über 180 Anmeldungen; diese Zahl dokumentiert das außerordentlich hohe Interesse an der Veranstaltung.

 

Katholisch. wahrnehmen-bedenken-bezeugen.  Das ist, wie Sie wissen, das Thema dieser Pädagogischen Woche. Was ist katholisch? Ist katholisch heute etwas anderes als früher? Wir sehen: hier geht es um die Fragen nach dem Wesen des Katholischen und nach der Profilierung des Katholischen. Und wir sehen sofort: Hier geht es um die Frage: Was macht katholische Schule aus?

 

 

 

 

Peter Billig eröffnete die Podiumsdiskussion mit einem Zitat:

 

„Es geht um die Besinnung auf den Perlen des Katholischen, nicht um eine Flucht aus der Gegenwart in die Vergangenheit oder gar einen Rückzug in eine sichere Burg weit ab von Welt und Gegenwart. Es ist ein spannendes Unterfangen über das eigene Katholisch-Sein in den Austausch zu gelangen. Es ist nicht immer einfach aber unbedingt lohnend.“

 

Spannend sei seines Erachtens ebenfalls die wagemutige Entscheidung der Schulabteilung im oben genannten Sinne den heutigen Tag nicht mit einem in sich geschlossenen wissenschaftlichen Vortrag einzuläuten, sondern mit einem Gespräch in dem sich die Gesprächsteilnehmer offen, authentisch, ganz konkret über ihre eigenen Erfahrungen oder auch über ihre Vorstellungen von katholischer Schule austauschen könnten.

 

Billig wandte sich an das Podium: „Seit dem Konzilsdokumenten wird an katholischen Schulen weltweit eine ganz spezielle Frage gestellt: Die Frage nach dem Proprium katholischer Schule.

 

Er verwies auf den Bonner Erziehungswissenschaftler Prof. Ladenthin, der in seinem neuesten Buch mit dem Titel "Wozu religiöse Bildung heute?", der Frage nachspüre: "Ist eine katholische Schule mehr oder anders als andere Schulen?

 

Billig weiter: „Ist sie andersartig aber gleichwertig?

Ist das Katholische ein Additum, das zur Basis von allgemeiner Bildung hinzukommt?"

 

Werde die katholische Schule in diesem Selbstverständnis und in ihrer Andersartigkeit gegenüber den anderen Schulen gedacht, dann stelle sie eine Gemeinschaft dar, indem sich ausnahmslos jedes Handeln aus dem Geist Christi bestimmen solle. Dieser Unterschied sei dann  kein Additum, sondern ein Proprium, nichts Hinzugefügtes, sondern das Wesen, das wesentliche Merkmal einer katholischen Schule.

 

Bevor der Moderator E. Peter Billig aber unter diesem Aspekt in die Zukunft der katholischen Schulen schauen wollte, stellte er den Teilnehmer der Diskussionsrunde die Frage, wie sie persönlich katholische Schule lebten und  wie sie sie persönlich erfahren hätten.

Er wandte sich zunächst an die Schulleiterin des Erzbischöflichen Suitbertus - Gymnasium in Düsseldorf / Kaiserswerth, Frau Claudia Haupt.

 

 

„Frau Haupt, lässt sich ein solch, ich sage es bewusst, selbstbewusster Anspruch einer katholischen Schule heutzutage noch aufrechterhalten?

 

 

Haupt entgegnete, die Polarisierung von Additum und Proprium fände Sie in diesem Zusammenhang nicht sehr hilfreich,wenn wir aber das Proprium als Stachel im eigenen Fleisch sähen, so Haupt, nämlich im Sinne von Motivation, von Kraftquelle, von Ankommen für unsere Menschensicht und unsere Weltsicht, dann glaube sie: Kirche braucht Schule.

 

Als katholische Schulen hätten wir besondere Chancen eine gute Schule zu sein, weil wir zum Beispiel  Schulseelsorger, Priester haben, die Heranwachsenden in Momenten von Trauer,  Hilflosigkeit oder angesichts mancher Familiensituationen hilfreich begegneten. Dies gelte auch wenn  Schüler über ihre Noten verzweifelten oder sich Druck ausgesetzt sehen    und Seelsorger kontinuierlich über mehrere Jahre seelsorgerische  Hilfestellung leisteten, dann sei Schule wie eine Basisgemeinde, was sich   in normalen Gemeinden so gar nicht mehr finden ließe.

 

 

C. Haupt  sprach von  einer hohe Aufgabe, ja sogar Hypothek, Katholische Schule zu gestalten  um Gesellschaft gestalten zu wollen.

 

Auch an Tagen der offenen Tür mache Sie die Erfahrung bei den Interessierten Besuchern, dass es  eine Sehnsucht mehr zu bekommen, und nicht einfach nur Religion in Kauf zu nehmen, gebe

 

Sie findet,  es Schülern schuldig zu sein , dass wir sie nicht zu etwas machen oder dass etwas aus ihnen gemacht wird, sondern dass wir sie für entwicklungsfähig halten, dass sie denkende, vernunftbegabte Wesen sind, auch in der Pubertät, denen man  zutrauen muss , dass sie urteilsfähig werden können, wenn wir sie nur mit langem Atem und beharrlich begleiten und  dann auf ihrem Weg gehen lassen.

 

Heranwachsende müssten unterstützt werden, die Ausbildung und den Beruf machen dürfen, der ihrem Eigenen entspreche, auch wenn er  den modernen Trends des Marktes widerspreche. Schülern seien kein Humankapital mit denen man Geschichte, Input, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Interessen durchsetzen könne.

 

Sie verweis auf die Äußerung ihres  Kollegen Dr. Pickel vom IFL:  „Hätte die Menschheit immer nur darauf geschaut was der Markt sagt, säßen wir heute in der Steinzeit mit hoch differenziertem Steinwerkzeug.“

Haupt weiter: „Wir müssen, das ist mir noch ganz wichtig, Schüler und Schülerinnen zu einem ehrlichen Verständnis von Individualität und Einzigartigkeit unterstützen. Eine geheime Schere im Kopf zu haben und das entspreche ja eigentlich gerade nicht dem Gleichnis der Talente.

 

Das WIE  sei in Katholischen Schulen entscheidend und das sei das Zünglein an der Waage. Im täglichen Miteinander von Schülern und Lehrern, von Eltern und Lehrern würden die Haltungen geprägt und ein Gespür für authentische Haltungen erzeugt, die sich auch in folgenden Fragenstellungen zeigten:

 

Kann ich Fehler eingestehen?

Kann ich Widerstände aushalten?

Nehme ich Lerntypen ernst?

 

Hier, so Schulleiterin Claudia Haupt, hätten wir viel zu verlieren, mehr als öffentliche Schulen, weil wir den einzelnen Menschen, seine Würde und Angenommensein von Gott in den Mittelpunkt stellen.

 

Olaf Gruschka