Jerzy Gross war der letzte in Deutschland lebende „Schindlerjude“. Er starb am 24. Juli 2014 in Köln. Sein größter Wunsch vor seinem Tod lautete: „Vergesst mich nicht. Aber habt Spaß.“
Jerzy Gross erzählte seine Geschichte unter Pseudonym (Michael Emge), weil er Mitte der 90er Jahre in Köln von Neonazis bedroht wurde. So machte er bis zu seinem Tod mehr als 12.000 Jugendlichen in vielen Schulen mit seinem Leben bekannt. In seiner Jugend überlebte Jerzy Gross zwei Ghettos und drei Konzentrationslager.
Schindlers Liste enttäuschte ihn
Am 16. November 1929 als Sohn eines jüdisch-deutschen Ingenieurs und einer katholischen Wienerin in Krakau geboren, galt er als Wunderkind an der Geige. Früh war er mit seiner Familie den Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgeliefert. Jerzy Gross’ Mutter war bei dem Fabrikanten Oskar Schindler angestellt. Dieser versuchte gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, die jüdischen Arbeiter seiner Emaillewarenfabrik in Krakau zu retten. Mehr als 1.100 Juden überlebten dank seiner Hilfe. Einer von ihnen war Jerzy Gross. Seine Mutter wurde nach Auschwitz deportiert, sein Vater nach Plaszow, sein Bruder verschwand.
Als Jerzy Gross 1993 Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ sah, war er enttäuscht. Die Kommerzialisierung der Geschichte und die Tatsache, dass Oskars Frau Emilie Schindler, die sich hingebungsvoll um Jerzy und die anderen im Lager bemüht hatte, im Film kaum vorkommt – machte ihn fassungslos. Im Juni 2008 gelang es der „domradio“-Journalistin Angela Krumpen, dass Jerzy Gross über sein Leben in der Sendung „Menschen“ Auskunft gab. Sie brachte auch die elfjährige Judith, wie Jerzy eine hochbegabte Geigerin, mit Jerzy Gross zusammen.
Eine Dokumentation in der ARD
Grimme Preisträger Martin Buchholz drehte über die Begegnung eine Dokumentation für die ARD und Angela Krumpen schrieb darüber das Buch „Spiel mir das Lied vom Leben“. Das Stiftungszentrum im Erzbistum Köln finanzierte die dazugehörige Website:
www.spiel-mir-das-lied-vom-leben.de.
