Rückblick mit Chefredakteur Robert Boecker:80 Jahre Kirchenzeitung im Erzbistum Köln
Wöchentlich bekommen die Leser 56 Seiten voller sorgfältig recherchierter Geschichten aus dem gesamten Erzbistum. Außerdem verfasst die Kirchenzeitung die Sonderausgaben SommerZeit und AdventsZeit, die an alle katholischen Haushalte im Erzbistum Köln versendet werden.
Fast die Hälfte der Zeit, in der die Kirchenzeitung existiert, gehört Robert Boecker dazu. Vor bald 38 Jahren, im Oktober 1988, begann er dort sein Volontariat. Damals ahnte er noch nicht, dass er eines Tages, 2012, Chefredakteur werden würde.

"Ich bin hier schon mit einem Knaller reingekommen", erinnert sich Boecker, als er sich an seine Anfänge erinnert. Als er 1988 sein Volontariat beginnt, recherchiert er zu einem Mahnmal, das an die Opfer der Reichspogromnacht erinnern soll. Vor Ort sammelt er Eindrücke und Zitate und erhält teils antisemitische Antworten. Die Zitate werden gedruckt, der damalige Chefredakteur steht hinter ihm, auch als sich der Staatsschutz bei der Redaktion meldet. Lachend erinnert Boecker sich: "Ich war gerade zwei Wochen Volontär und hatte dann schon so eine Riesen-Nummer." Nach nur neun von insgesamt 24 Volontariats-Monaten bietet man ihm eine feste Stelle als Redakteur an. Dass er seine gesamte Berufstätigkeit bei der Kirchenzeitung verbringen würde, damit hatte der damals 27-Jährige nicht gerechnet.
Neue Ausrichtung über die Jahrzehnte
Während der NS-Zeit und dem Krieg hatte der Bachem-Verlag bereits Publikationen für die Kirche verlegt. Als der Krieg vorbei war, wurde dies zum Vorteil: Die Briten gaben dem Verlag bereits im März 1946 die Lizenz, die Kirchenzeitung zu drucken. Knapp ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirchenzeitung schließlich gegründet. Damals war die Zeitung noch anders, als wir sie heute kennen: Bis in die 1980er Jahre hinein war der Chefredakteur immer ein Priester und es ging weniger um aktuelle Nachrichten, sondern primär um kirchliche Inhalte. Damals hatte die Zeitung lediglich acht Seiten.
Mit dem zweiten vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965, an der 2800 Bischöfe teilnahmen, wurde beschlossen, dass sich die Kirche an die moderne Welt anpassen müsse, um ihre Botschaft zu verkünden. Damit wurde aus der Kirchenzeitung ein journalistisches Medium. Für viele Jahre bildete die Kirchenzeitung auch selbst angehende Journalisten mit einem Volontariat aus.
80 Jahre voller Geschichten
Zum 80. Geburtstag ist eine Doppelseite in der Jubiläumsausgabe am 3. April der Zeitung selbst gewidmet. Neben einem Dankesschreiben von Generalvikar Monsignore Guido Assmann kommen auch Journalisten und Persönlichkeiten aus dem Erzbistum Köln zu Wort. Aber auch die Leser sind aufgerufen, zu erzählen, was sie mit der Kirchenzeitung verbinden.

In der fast 40-jährigen Amtszeit von Robert Boecker sind viele große Ereignisse im Erzbistum passiert, sei es 750 Jahre Grundsteinlegung des Kölner Doms oder der Weltjugendtag in Köln – der Chefredakteur kann unendlich viele und spannende Geschichten erzählen. Fragt man ihn nach seiner Lieblingsgeschichte, fällt ihm sofort die Spendenaktion für Obdachlose in Mailand ein. Während der Corona-Pandemie hatte er die Idee, eine Brücke zwischen den Heiligen Drei Königen und der italienischen Stadt zu schlagen, denn von dort wurden die Knochen der Heiligen Drei Könige vor über 700 Jahren von Friedrich Barbarossa nach Köln überführt.
Die Spendenaktion brachte insgesamt 82.000 Euro ein, die der Caritas Mailand übergeben wurden. Stolz erzählt Boecker, dass während des Gottesdienstes im Kölner Dom darauf aufmerksam gemacht wurde. In der Kirchenzeitung war die Aktion mehrere Wochen präsent, auch als ein Dankschreiben aus Mailand bei der Kirchenzeitung eintraf.
Die Zukunft der Zeitung
Über die Jahrzehnte sind die Auflagen immer stärker zurückgegangen. In den 1980er Jahren lag sie noch bei 120.000, heute lediglich bei 17.000. Boecker sieht den Rückgang der Auflagen eng damit verbunden, dass auch weniger Menschen den Gottesdienst besuchen. Zwar nutzt die Zeitung auch Social Media, Boecker sieht die neuen digitalen Medien eher als Ergänzung: "Es hilft uns nicht. Ich hoffe, dass Print nicht ausstirbt. Ich halte es immer noch für wichtig, etwas in der Hand zu haben. Ich lese keine Tageszeitung auf dem Tablet, ich brauche dieses Knistern. Ich brauche dieses Gefühl, etwas in der Hand zu haben und auch den Geruch."
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