„Ich habe den Traum von Wachstum“:Ein Sonntag mit dem Kardinal in Gummersbach

„Wir müssen unsere Engstirnigkeit ablegen.“ „Es braucht geistliche Quellorte.“ „Jeder muss seinen eigenen Glaubensweg gehen können.“ „Ich wünsche mir eine volle Kirche und ein großes Herz für die Eucharistie.“ „Wir müssen mit einem Leben aus dem Glauben heraus überzeugen.“ „Mir ist der Austausch mit und über Kirche wichtig.“ „Wir sollten leben, was wir sagen, und eine positive Ausstrahlung haben.“ „Vertrauen wir mehr auf den Heiligen Geist!“ Noch sehr viel mehr Statements verlesen Veronika Bräu vom Fachbereich Evangelisierung und Thorsten Giertz, Fachbereichsleiter Entwicklung Pastorale Einheiten im Erzbischöflichen Generalvikariat. Denn die beiden Referenten tragen vor, was zuvor in Kleingruppengesprächen an Ergebnissen eines intensiven Austauschs schriftlich gesammelt und als persönliche Anliegen festgehalten worden war.
Breites Spektrum an Bedürfnissen
Dabei hatte Moderatorin Tabea Wiemer, die den Fachbereich Evangelisierung leitet, zuvor Impulsfragen zu eigenen Glaubenserfahrungen und -prägungen gestellt. Außerdem will sie herausfinden, was Menschen wohl brauchen, um sich in einer Pfarrei willkommen und wohlzufühlen. Die Antworten zeigen dann ein breites Spektrum an Bedürfnissen auf. Schließlich braucht jeder etwas anderes, damit Kirche für ihn zu einer relevanten Anlaufadresse wird. Es fallen Begriffe wie „Eucharistische Anbetung“, „Exerzitien im Alltag“, „Lobpreis“, „Willkommenskultur“ oder „Gemeinsames Singen“. Als wichtige Glaubensorte werden die Familie, der Jugendchor oder auch der Religionsunterricht und die Sonntagsmesse benannt. Je nach Generation. Denn die Altersstruktur an diesem Vormittag im Franziskushaus, dem neuen Gemeindesaal der Gummersbacher Kirche St. Franziskus, ist gut durchmischt. Jugendliche sind der Einladung von Pfarrer Christoph Bersch genauso gefolgt wie hochbetagte Gemeindemitglieder, denen die Kirche am Ort von Kindheit an Heimat bedeutet und die sich mit Veränderungen schwerer tun als die Jüngeren.
Gesprächsmethode nach dem Heiligen Ignatius
Der Austausch war bewusst so angelegt, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichberechtigt zu Wort kommen sollten. Jedem wurden abgezählte Minuten Redezeit zugeteilt, ohne dass jemand anderer das Gesagte kommentierte, während im Anschluss eine mehrere Sekunden andauernde Stille folgte. Eine Aussprache über das Gehörte sollte erst der zweite Schritt sein. Diese Methode – nach Ignatius von Loyola auch „Gespräch im Heiligen Geist“ genannt – nämlich zunächst einander aufmerksam zuzuhören und erst dann miteinander zu sprechen, so erläuterte Wiemer, gehe auf eine Anregung von Papst Franziskus für die Weltsynode zurück. Nicht zuletzt habe sich diese Form des Austauschs in den römischen Konsistorien und damit auch als Gesprächsformat unter den Kardinälen bewährt.
Die Kirche von Köln zukunftsfähig machen
Mit dem neuen Format "Ein Sonntag mit dem Kardinal", zu dem die Feier eines Gottesdienstes mit anschließender Begegnung und gemeinsamem Mittagessen gehört, setzt das Erzbistum sehr gezielt auf einen gemeinsamen geistlichen Aufbruch in den am 1. Januar fusionierten Pfarreien und ermutigt dazu, miteinander neue Wege zu gehen. Denn der Kölner Erzbischof hat das erklärte Ziel, die Kirche von Köln in den kommenden Jahren zukunftsfähig zu machen. „Ich lade Sie herzlich ein“, sagte Kardinal Woelki, „diese geistliche Vision mit Inhalt und Leben zu füllen, ihr ein Gesicht zu geben und sie damit zu unserer gemeinsamen geistlichen Vision zu machen, indem wir uns gemeinschaftlich darauf einlassen, Gott immer wieder neu kennenzulernen, Glaubensorte zu schaffen und unsere Freundschaftsbeziehung zu Christus wachsen zu lassen. Dabei brauchen wir etwas, woraufhin wir leben.“
Denn ein Traum, eine Vision, wie sie sicher jeder früher mal von seinem Leben gehabt habe, gebe Kraft und eine Perspektive. Dasselbe gelte für eine geistliche Vision. „Die brauchen wir für unser eigenes Leben, für die Pfarrei, für die Kirche von Köln.“ Wobei es darum gehe, das Leben zu teilen, den Glauben zu bezeugen und das Evangelium weiterzugeben, wie es der Sendungsauftrag jeder Gemeinde sei, betonte Woelki. Schließlich gehe es bei dem Transformationsprozess der Diözese mit der Bildung von großen pastoralen Einheiten nicht allein darum, eine neue Verwaltungseinheit zu organisieren, sondern vor allem auch um einen geistlichen Prozess, der am Evangelium ausgerichtet sei.
Kardinal Woelki: „Jeder wird gebraucht!“
Zu diesem Neuaufbruch, für den der Kardinal eindringlich warb, gehörten, so Woelki, auch solche Fragestellungen: Wie gehen wir miteinander um? Wovon leben wir? Wie kommen wir zu Lösungen, die von möglichst vielen mitgetragen werden? Wie werden wir unserem Auftrag gerecht, das Evangelium zu den Menschen zu tragen? Wie kann es in unserem Leben Wurzeln schlagen? Und wie schaffen wir es als Kirche, für andere so attraktiv zu sein, dass sie dazugehören wollen? Dabei unterstrich der Kardinal ausdrücklich: „Jeder wird gebraucht, auf jeden Einzelnen kommt es an! Denn jeder hat etwas zu sagen, jeder soll gehört werden, nicht nur, wer seine Argumente am lautesten vorträgt.“
Entsprechend ließ er die vielen Zuhörer auch an seiner persönlichen Vision teilhaben. „Ich habe den Traum von Wachstum. Ich möchte eine wachsende Kirche sein“, erklärte er wörtlich, „weil uns das verändert und für andere öffnet.“ Von den Erfahrungen eines „Church Planting“ – zu deutsch: Gemeindegründungen – habe er in der anglikanischen Kirche bei einer Pastoralreise nach London gehört, wo Alpha-Kurse entstanden seien, Menschen ihren Glauben geteilt hätten und so immer mehr geworden wären. Etwa vergleichbar der Gemeinde in Düsseldorf-Derendorf, die er als konkretes Beispiel für das Kölner Erzbistum anführte: in der mit einem Mal neues kirchliches Leben entstanden sei, weil dort Einzelne initiativ geworden seien. Woelki argumentierte: „Wo wir Nahrung – geistliche Nahrung – teilen, wächst eine neue Atmosphäre, ein neues Miteinander.“
Neuer Respekt und neues Vertrauen
Das haben auch die gut über 100 Gläubigen, die aus allen ehemals selbständigen 17 Gemeinden im Umkreis an diesem Vormittag in Gummersbach zusammengekommen sind, um mit dem Kölner Erzbischof die neue Gemeinde St. Franziskus Oberberg-Mitte zu feiern, deutlich spüren können: Wer sich auf die „geistliche Vision für die Kirche von Köln“ einlässt, verändert noch einmal die Perspektive, nimmt sein Gegenüber anders wahr, baut unter Umständen Vorurteile ab.
Abschließend stellte auch Woelki, der bei dieser Veranstaltung selbst ebenfalls in einer Kleingruppe junger Leute gesessen hatte und aufmerksamer Zuhörer gewesen war, dankbar fest: „Da ist doch – bei aller Verschiedenheit – ganz viel, das uns miteinander verbindet: nämlich ein tiefer Glaube.“ Und er fügte hinzu: „Mit dem ‚Gespräch im Heiligen Geist‘ verändert sich unser Blick; wir sprechen gut und wertschätzend über den anderen. Es wachsen neuer Respekt und neues Vertrauen.“ So entstehe eine von Gottes Geist gewirkte Atmosphäre. Mitunter brauche es dazu viel Mut. „Aber der bewegt dann auch etwas. Und das wünsche ich Ihnen!“
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