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Ein Interview mit Pfarrer Thomas Frings:Feldheilige im Kölner Karneval

Drei Fragen an Pfarrer Thomas Frings
Datum:
11. Feb. 2026
Von:
Newsdesk/vst
Thomas Frings ist Pfarrer im Ruhestand, hilft aber noch in verschiedenen Gemeinden in der Kölner Innenstadt aus. Seit 2023 ist er der Feldheilige der „Nippeser Bürgerwehr“. Im Interview spricht er über seine Motivation, über prägende Momente und über den Umgang mit Menschen, die wenig Kontakt zur Kirche haben.

Wie sind Sie zur Nippeser Bürgerwehr gekommen?

Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, ob ich nicht den Sessions-Gottesdienst für die „Nippeser Bürgerwehr“ zelebrieren könnte. In der Gesellschaft wurde unter Freunden und Bekannten herumgefragt. Kurze Zeit später saß ich in voller Uniform mit der ganzen Mannschaft im Bus – da konnte ich nicht Nein sagen. Als Pfarrer bin ich Mitglied bei der Bürgerwehr, habe aber kein Stimmrecht. Das ist eigentlich eine gute Funktion für einen Geistlichen. Ich kann mich zu allem äußern, bin aber nicht stimmberechtigt.

Wenn eine Gruppe von Menschen einen Priester fragt, ob er als Priester bei ihnen Mitglied werden will, würde ich das immer mit „Ja“ beantworten. Wenn Menschen gezielt sagen: „Wir finden es gut, wenn wir einen Priester in unserer Mitte hätten“, finde ich das – gerade in schwierigen Zeiten für die Kirche – eine tolle Anfrage.

Mit welcher Motivation sind Sie Feldheiliger geworden?

Ich verkleide mich gerne. Zu einem Traditionscorps in Köln zu gehören, ist eine Freude und eine Ehre. Seit 20 Jahren bin ich bei der „Großen von 1823 e.V.“ und seit 2019 Sitzungsleiter. Ich bin da im ersten Sinne nicht missionarisch, aber im zweiten Sinne stehe ich bei solchen Anliegen zur Verfügung. Durch meine Mitgliedschaft werde ich angefragt für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen innerhalb der Gesellschaft.

Also haben Sie in der Bürgerwehr viele Kontakte geknüpft?

Ja! Ich habe dieses Jahr eine Hochzeit gefeiert, letztes Jahr habe ich zwei Beerdigungen durchgeführt. Es kam auch schon vor, dass jemand anrief und sagte: „Die Mutter einer Freundin ist gestorben, und denen wäre wichtig, dass ein Priester kommt. Kannst du kommen?“ Das hat für mich Vorrang und dann bin ich auch sofort zur Stelle.

Haben Sie das Gefühl, dadurch wird Kirche auch wieder präsenter?

Auf jeden Fall. Kirche wird dadurch präsenter in einer Gruppe, die weiß: Der da ist Priester – und ich mache auch keinen Hehl daraus. Wenn ich bei der Großen bin, wo ich Sitzungspräsident bin, lasse ich das auch einfließen. Das mache ich jetzt schon seit sechs Jahren. Letztens bekam ich eine E-Mail, in der mir jemand schrieb: „Ich finde das so schön, dass Sie auf der Bühne an einer Stelle auch immer einfließen lassen, dass Sie katholischer Priester sind.“

Wie gehen Sie mit Menschen im Gottesdienst um, die keine Verbindung zur Kirche haben?

Wir Priester wissen, dass viele Menschen in Gottesdiensten an Karneval oder bei Hochzeiten eher „bildungsfern“ sind und nicht wissen, wie ein Gottesdienst abläuft. Deshalb habe ich mir angewöhnt, diese Menschen besonders zu begrüßen. Vor dem Gottesdienst sage ich: „Gut, dass Sie alle da sind. Ich gehe davon aus, die meisten von Ihnen sind normal. Das heißt, Sie wissen nicht mehr, wie es geht. Sie können keine Fehler machen!“ Ich sage dann auch: „Vielleicht fällt es Ihnen leichter mitzufeiern, wenn Sie wissen, dass ich in der ersten Hälfte der Messfeier viel mit Ihnen rede. In der zweiten Hälfte rede ich auch – aber ich schaue Sie nicht an. Wenn Sie wissen, dass ich dann viel mit Gott spreche, können Sie vielleicht leichter zuhören.“ Darauf bekomme ich gute Rückmeldungen. Ich glaube, das ist heute unsere Aufgabe: Wir müssen den Leuten so weit entgegenkommen, dass es ihnen leichtfällt, mitzufeiern.

Wie machen Sie das konkret? Haben Sie ein Beispiel?

Ich gehe damit nicht hausieren, aber ich benenne es. Letztes Jahr habe ich bei der Mädchensitzung, als ich reinkam, zu 1.400 Frauen gesagt: „Mädels, ist das schön! Ich fühle mich wie am Arbeitsplatz! Ich weiß nicht, ob ihr wisst, was ich beruflich mache, aber ich bin katholischer Priester. Ein Saal voller Frauen – und der Einzige, der etwas zu sagen hat, ist ein Mann!“, das fanden die sehr lustig.

Kann man Sie als Pfarrer erkennen?

Ich habe auf dem linken Ärmel ein Kreuzemblem aufgenäht. Das ist sehr unauffällig. Aber wenn ich gefragt werde: „Was machst du denn in der Gesellschaft?“, dann zeige ich einfach meinen linken Arm. Dann wissen alle Bescheid.

Wie feiern Sie dieses Jahr?

Ich bin viel unterwegs, denn Karneval hilft mir, gut über den Winter zu kommen. Das ist eine glückliche Fügung mit den bunten Farben, dem Verkleiden und den schönen Liedern, die wir singen. Die Lieder helfen mir, in den dunklen Wochen des Jahres nach dem Jahreswechsel wieder gute Laune zu bekommen.

In den letzten Wochen habe ich schon viel gefeiert: bei „Loss mer singe“ oder als Sitzungspräsident bei der „Großen von 1823“. Weiberfastnacht bin ich mit Arbeiten beschäftigt. Ich verzichte auf das Verkleiden, bin mit der „Bürgerwehr“ auf dem Wilhelmsplatz in Köln-Nippes und verkaufe Anstecker der Gesellschaft. Parallel besuchen andere Mitglieder der Gesellschaft das Kinderkrankenhaus und das St. Vinzenz-Hospital in Nippes.

Karnevalssonntag leite ich die letzte Sitzung im Gürzenich. Am Montag bin ich mit der „Bürgerwehr“ beim Rosenmontagszug dabei, und am Dienstag nehme ich sogar an zwei Nubbelverbrennungen teil: einmal in Radeberg und einmal in Nippes.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Nein, ich habe kein bestimmtes Lieblingslied. Aus jedem Jahrzehnt gibt es ein oder zwei Lieder – wenn die angestimmt werden, wird mir richtig warm ums Herz. Das ist für mich ein ideales Beispiel dafür, dass die Lieder nicht nur lustig sind. In Köln gehen wir mit Karnevalsliedern über den Friedhof. Nicht, weil die Leute sagen: „Wir sind jetzt wieder lustig“, sondern weil sie bei den Liedern auch weinen. Und das ist so toll! Das macht die Stärke dieser Lieder aus: Sie sind keine reinen Stimmungslieder, sondern Lieder, die vom Leben singen.

Ein schöner Moment mit der Bürgerwehr, an den Sie sich immer gerne erinnern?

Für mich ist es ein schöner Moment, wenn ich mit dem Regiment, mit der ganzen Truppe, ein Altenheim besuche. Wir gehen in der Einrichtung zu den Aufzügen und passen überhaupt nicht in den Tagesraum. Wir marschieren durch den Saal und fahren mit dem Aufzug wieder in den Keller. Trotzdem ist das für diese Menschen, die ohne Hilfe nicht mehr raus können, wichtig – damit sie wissen, dass sie nicht vergessen sind.

Ein weiteres Highlight ist für mich die Sitzung für Menschen mit Behinderung sowie für sozial benachteiligte Menschen und Obdachlose. Das ist wirklich anrührend. Dieses Jahr kann ich leider nicht dabei sein, aber die letzten Male waren richtig schön. Das sind wirklich berührende Momente. Das ist mehr als nur Feiern – das ist das berühmte Tränchen im Knopfloch.

Wie verbringen Sie die anschließende Fastenzeit?

Das Tolle ist, dass Karneval auf einen Höhepunkt zugeht. Dann kommt noch der Dienstag – und zack, ist Schluss! Wenn man gut gefeiert hat, ist es auch gut, dass Schluss ist. Danach faste ich in verschiedenen Bereichen: Alkohol, Fleisch und Kaffee – auf diese drei Dinge verzichte ich. Dazu kommen weniger Medienkonsum und bewusst mehr Gebet. Seit vielen Jahren gehe ich direkt am ersten Fastensonntag in Exerzitien. Auch dieses Jahr.

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