Drei Fragen an Chefredakteur Robert Boecker:Kreativität als Geschenk Gottes

Was macht die Kirchenzeitung aus?
Das Besondere an der Kirchenzeitung ist, dass sie das Leben der Kirche im Erzbistum Köln widerspiegelt. Wir sind das einzige Medium, das das Gebiet des Erzbistums abdeckt. Jemand in Neuss kann lesen, was in Altenkirchen passiert. Wir legen großen Wert auf unsere Regionalberichterstattung und versuchen, das Leben von Kirche vor Ort widerzuspiegeln. Wir möchten Anregungen geben für andere Gemeinden, sich ein Beispiel zu nehmen, indem wir zeigen, was andere Tolles auf die Beine gestellt haben. Dazu gehört auch der Blick in die Weltkirche.
Wir versuchen den Menschen ein stückweit Lebenshilfe, Hoffnung, Mut und Glauben zu geben. Konstruktiver Journalismus also. Durch schöne Geschichten und Reportagen wollen wir Interesse wecken für alles das, was im weitesten Sinne mit Kirche zu tun hat. Wir legen großen Wert auf hochwertige Fotos und eine ansprechende Gestaltung der Zeitung.
Seit knapp 40 Jahren sind sie bei der Kirchenzeitung, woher holen Sie sich Ihre Ideen?
Ich bin sehr dankbar dafür, dass der liebe Gott mir immer gute Ideen schenkt. Noch nie hatte ich auf der Arbeit das Gefühl, Langeweile zu haben. Es wäre für mich eine Katastrophe, ins Büro zu kommen und nicht zu wissen, was ich tun soll. Ich denke schon, dass das ein Geschenk ist. Oft ist es so, dass ich ein Foto schieße und danach erst die Geschichte schreibe. Mit den Bilder kommt die Inspiration. Häufig bringe ich aus dem Urlaub fünf, sechs Geschichten mit. Meine Frau findet das fürchterlich, weil sie sagt, dass sie nie unbeschwert Urlaub machen kann. Ich sehe mich da wie ein Arzt, der auch wenn er Urlaub hat, nicht an einem Menschen vorbeigeht, der auf der Straße liegt und einen Herzinfarkt hat.
Ich sage immer: "Augen auf, das Leben ist auf der Straße". Ich hatte mal einen Praktikanten, der kam am ersten Tag vom Hauptbahnhof in die Redaktion und sagte: "Herr Boecker, ich habe auf dem Weg hierher drei Geschichten gefunden!" Und es waren wirklich drei Geschichten.
Katholische Kirche und Journalismus: Wie geht das zusammen?
Für die Kirchenzeitung zu arbeiten, ist natürlich eine journalistische Herausforderung, hier gelten journalistische Grundsätze. Trotzdem ist eine innere Verbundenheit mit der Kirche ganz wichtig. Man kann diesen Job hier nicht machen, ohne mit der Kirche eng vertraut und in ihr beheimatet zu sein. Wir sind eine kirchliche Zeitung, eine katholische Zeitung des Erzbistums Köln, von daher ist klar, wo wir stehen. Jemand, der eine sehr kritische Haltung zur Kirche hat, kann hier nicht arbeiten. Das heißt aber nicht, dass wir alles toll finden, was in der Kirche passiert.
In diesem Rahmen haben wir viele Freiheiten. In den ganzen Jahren, in denen ich Redakteur bin, habe ich noch kein einziges Mal einen Anruf bekommen, nach dem Motto: "Was ihr da geschrieben habt, das geht nicht!" Ich genieße da ziemlich großes Vertrauen. Bei uns gilt der Grundsatz: Die Abwesenheit von Kritik ist die höchste Form des Lobes.
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