Im Gegensatz dazu steht das Verständnis, dass der Glaube Privatsache bliebe: Ich und mein Gott. Gott selbst aber wollte die Menschen nicht einzeln, sondern als ein Volk erwählen und heiligen (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 9). Ohne eine lebendige Gemeinschaft kann sich der Glaube nicht richtig entfalten. Der Ort für das Glaubenserleben und -wachstum ist deshalb die Kirche. Damit dieses Wachstum in allen Aspekten und intensiv geschehen kann, ist der Rahmen des Neokatechumenalen Weges die überschaubare Gemeinschaft. In ihr aktualisiert sich die Universalkirche für jeden Einzelnen konkret. So wie die Israeliten als Volk aus Ägypten ins Gelobte Land gezogen sind, sieht sich die Kirche als wanderndes Volk durch die Geschichte. In einer neokatechumenalen Gemeinschaft wird diese Kirche Realität, greifbar als Menschen, die sich gemeinsam auf einem Weg des Glaubens befinden.
Neben den liturgischen Feiern realisiert sich die gemeinschaftliche Dimension des Neokatechumenalen Weges vor allem durch monatliche „Konvivenzen“ (Einkehrtage). Sie bieten ein vertrauliches Forum, sich über eigene Glaubenserfahrungen, Schwierigkeiten und Erlebnisse auszutauschen und Ermutigung zu bekommen. Der Einzelne entdeckt so – nicht zuletzt durch den ständigen Austausch mit denselben Brüdern und Schwestern – das eigene Umkehrbedürfnis und lernt, den Anderen mit seinen Schwächen zu lieben. So wird erfahrbar, dass der Heilige Geist die wahre Kommunion (Einheit) in der Kirche schafft.
Intensives Erleben der Gemeinschaft, geistliches Wachstum durch das Hören des Wortes Gottes und das Feiern der Sakramente, ständige Einladung zur existenziellen Umkehr und weitere Hilfen führen zu einer wachsenden Verbundenheit der Neokatechumenen untereinander. Oft entsteht aus Dankbarkeit die Bereitschaft, sich für verschiedene missionarisch-katechetische Projekte zur Verfügung zu stellen: z. B. als Gemeindekatecheten, Katechisten, Familien in Mission, Familien „ad gentes“, Itineranten. Die Gemeinschaft bildet auch einen Nährboden für geistliche Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben, Jugendliche werden zur Entdeckung und Realisierung der eigenen Berufung geführt. So nehmen die Neokatechumenen auf vielfältige Art an der missionarischen Sendung der Kirche persönlich teil: Licht, Salz und Sauerteig der Welt zu sein.
Einheit und Liebe sind Zeichen, die die Gemeinschaft langsam, aber deutlich gibt. Sie eröffnen dadurch Chancen, diejenigen anzusprechen und zu erreichen, die den Zugang zur Kirche auf gewöhnlichen Wegen bereits verloren haben.