Zum Inhalt springen

Elegante Importware:Eine barocke Monstranz in St. Maria Rosenkranzkönigin in Wachtberg-Berkum

Strahlenmonstranz St. Maria Rosenkranzkönigin, Wachtberg-Berkum
Datum:
1. März 2026
Von:
Nadja Lang
Objekt des Monats - März 2026

Caspar Riss, Augsburg
ca. 1670–1699
Silber, getrieben, vergoldet
Höhe: 55,5 cm

Unter den liturgischen Geräten, den Vasa Sacra, der Kirche St. Maria Rosenkranzkönigin in Wachtberg-Berkum befindet sich eine barocke Strahlenmonstranz (auch: Sonnenmonstranz). Sie kommt, wie einzelne andere Ausstattungsstücke des Neubaus von 1969, vermutlich aus der bis dahin genutzten Vorgängerkirche in Berkum, der alten Gereonskirche ein paar hundert Meter weiter.

Die Monstranz steht auf einem queroval-blütenförmigen Fuß, in dessen Wölbung dekorative Blatt- und Blumenmotive als flaches Relief getrieben sind. Dazwischen wurden vier vollplastische Engelsköpfe angebracht, die sich silbern vom vergoldeten Fuß abheben. Ein schmaler Schaft, untergliedert durch einen eierförmigen Nodus trägt die Schaufassung mit dem Zierrahmen. Der Schaukasten selbst ist oval, eingefasst von einer schmalen Leiste mit Wolkenornamenten und kleinen Engelsköpfen. Darum herum bildet ein vergoldetes Blech mit abwechselnd geraden und gewellten Strahlen die Folie für figürliche Reliefs in Silber: Seitlich tragen Blattranken zwei Engel mit Palmzweig und Lorbeerkranz, unten angebracht ist ein Ornament aus Engelskopf und Weintrauben, oben ein Putto, der einen Stab und Getreideähren trägt – jeweils Anspielungen auf die Messopfer Brot und Wein. In üblicher Weise bildet ein Kreuz den oberen Abschluss des Werks.

Im Vergleich zu anderen barocken Monstranzen zeigt sich das Berkumer Exemplar weniger wuchtig oder mit Zierrat überladen. Die Proportionen sind schlank, der Dekor vor dem Strahlenkranz bleibt zurückhaltend. Man kann diese Monstranz einer gelegentlich als „Akanthusbarock“ bezeichneten Stilgruppe zuordnen, deren Werke stärker auf ein klassisch-antikes Motivrepertoire zurückgreifen, sowie auf florale Elemente und Akanthusblätter als Ornament.

Zwei im Zierrahmen angebrachte Silberplättchen mit eingravierten Wappen geben Auskunft über die Stifter der Monstranz: Über jeweils zwei Palmzweigen ist links ein bekrönter Wappenschild mit drei Vögeln dargestellt, rechts ein bekröntes, zwölffach geständertes Wappen. Es handelt sich dabei um die Wappen der Familien von Velen (links) und Waldbott von Bassenheim (rechts).
Eine Inschrift am Rand auf der Unterseite des Fußes ergänzt diese Zusammenhänge. Dort kann man lesen: ORA DEVM PRO DOMO WALPOTINA IN GEDENV ET SVIS DEV(OTIS?) IN DIACHENFELHS, übersetzt „bete zu Gott für das Haus Walpot in Gudenau und seine Getreuen in Drachenfels“. Die Monstranz wurde also in Auftrag gegeben oder gekauft von Burgherren auf dem nahe gelegenen Schloss Gudenau. Konkret könnte es sich dabei um Otto Werner Freiherr Waldbott von Bassenheim (1636–1689) gehandelt haben, Erbburggraf zu Drachenfels und Herr zu Gudenau, mit seiner Frau Maria Alexandrine Elise von und zu Velen und Megen (geb. 1636), oder um eines ihrer Kinder. Ihrer beider Wappen sind in gleicher Art, bekrönt und über zwei gekreuzten Palmzweigen als Reliefs an der Burg Gudenau zu finden.

Gefertigt wurde die Monstranz in Augsburg, wie schließlich mehrere Punzen – Stempelungen der Stadt sowie des Goldschmiedemeisters – belegen. Ein sogenannter Pyr, das heraldische Symbol für eine Zirbelnuss oder einen Pinienzapfen, ist das Beschauzeichen der Stadt Augsburg. Ein kleines Queroval mit den Buchstaben CR bildet das Meisterzeichen des Goldschmieds Caspar Riss. Dieser ist seit den 1660er Jahren als Goldschmiedemeister in Augsburg nachweisbar, bis zu seinem Tod 1712. Hierdurch lässt sich auch die Datierung der Monstranz eingrenzen. Eine Entstehung des Werks im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts passt ebenso zu den Lebensdaten des Stifterehepaares auf Burg Gudenau.

Augsburg hatte sich seit der Frühen Neuzeit zu einem weit gerühmten Gold- und Silberschmiedezentrum entwickelt, dessen Werke und Entwürfe bis ins 19. Jahrhundert vorbildhaft auch auf die rheinländische Produktion wirkten. Gar nicht so selten finden sich in den Sakristeien der Kirchen des Erzbistums Köln aber auch Goldschmiedearbeiten, die direkt aus dem begehrten Schaffenszentrum importiert worden sind, wie die Monstranz in Berkum.

Literatur/Quellen

Irmscher, Günter: Das Kölner Goldschmiedehandwerk 1550–1800. Eine Sozial- und Werkgeschichte (Sigurd-Greven-Studien, 5), 2 Bände, Regensburg 2005.

Kampmann, Dorothea: Rheinische Monstranzen. Goldschmiedearbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts, Rheinbach-Merzbach 1995.

Maaßen, German Hubert Christian: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Bonn. II. Theil. Bonn Land (Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln, 5), Bonn 1899.

Peter, Bernhard: Galerie. Photos schöner alter Wappen Nr. 1228. Gudenau (zu Wachtberg, Rhein-Sieg-Kreis). Wasserschloß Gudenau (2), http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik/Galerien2/galerie1228.htm (zuletzt aufgerufen am 10.02.2026).

Pfarrgemeinde St. Maria Rosenkranzkönigin Wachtberg-Berkum (Hg.): Festschrift zur 10-Jahresfeier der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin in Berkum. 1971 – 1981, Bad Godesberg 1981.

Seling, Helmut: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529–1868, 3 Bände, München 1980.