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Dokumentation 2025/26 Alwine Baresch

Kuenstlerseelsorge

Alwine Baresch „Schlussstein“

Das Artist in Residence-Programm der Künstler Union Köln und der Künstlerseelsorge im Erzbistum Köln bietet Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit, zwei Monate lang in und mit der Gemeinde St. Maria in Lyskirchen zu leben und zu arbeiten. Oft entsteht das künstlerische Schaffen auf der Empore der romanischen Kirche – mitten im Raum, der zugleich Arbeitsort, Resonanzraum und späterer Ausstellungsort ist.

Der Kirchenraum wird dabei nicht nur als Präsentationsfläche verstanden, sondern als Ort der Auseinandersetzung mit Fragen des christlichen  Glaubens und gesellschaftlicher Entwicklungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Arbeiten treten in einen Dialog mit dem sakralen Raum, der konkreten Gemeinde und den Besucherinnen  und Besuchern. So entsteht ein offener Prozess, in dem Kunst, Spiritualität und gesellschaftliche Themen miteinander in Beziehung treten und sich gegenseitig bereichern.

AIR26_Doku_Baresch_09_final_ES.pdf

Begrüßung

„Malen ist die Kunst der Langsamkeit. Wer ein gemaltes Bild betrachtet, entdeckt eine Welt ohne Worte, eine stille Sprache aus Farben, Werten, Lichtern, Leere und Fülle, aus Stoffen, die das Herz berühren. Wichtig ist, was das Herz zuerst berührt, denn die Malerei wendet sich in erster Linie an das tiefe Herz des Menschen. Die Malerei ist keine Illustration des Denkens, sondern ein eigenständiger Ausdruck, der durch die Augen in das Herz hinabsteigt. Die Malerei ist eine Kunst, die sich vom Herzen Gottes über das Herz des Künstlers bis zum Herzen des Betrachters ergießt, und zwar durch ein einfaches Mittel, ein wenig Tinte oder Öl und ein Medium, ein Blatt, eine Leinwand oder ein Stück Holz oder Papier …“

Vincent Fournier, Gewagt! 100 Jahre gegenwärtig, S. 62. 2024

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Liebe Alwine Baresch, liebe Gemeinde, liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,  

wir stehen heute in einem Kirchenraum, der seit Jahrhunderten von einem einzigen Punkt aus zusammengehalten wird: dem Schlussstein im Gewölbe. Er ist klein im Verhältnis zum Ganzen – und doch trägt er alles oder zumindest sehr viel. Er ist der letzte Stein, der eingesetzt wird – und zugleich der erste, der den Raum öffnet. Er ist Vollendung und Beginn, Abschluss und Horizont. „Schlussstein“ unter diesem Namen firmiert die heutige Ausstellung von Alwine Baresch. Dass die Künstlerin diesen Schlussstein zum Ausgangspunkt ihres über zwei Monate dauernden Arbeitens hier in Lyskirchen gemacht hat, ist mehr als ein kunsthistorischer Hinweis. Es ist auch so etwas wie ein geistlicher Kommentar. Ein theologisches Wagnis. Und vor allem ein künstlerisch-poetischer Schlüssel zu dem, was wir heute an Bildern von ihr sehen. Seien Sie alle noch einmal herzlich willkommen! Einige Gedanken möchte ich noch dazulegen und meine Eingangshinweise weiterführen.

1. Der Schlussstein – ein Bild für das Tragende und das Vollendete

In der Architektur ist der Schlussstein der Moment, in dem ein Gewölbe zu sich selbst findet. Er hält, was vorher nur gestützt wurde. Er bündelt Kräfte, die auseinanderdriften könnten. Er macht den Raum begehbar, bewohnbar, erfahrbar. In der biblischen Tradition wird dieser Gedanke aufgenommen: Der Schlussstein ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben – und der doch zum Eck und Schlussstein geworden ist. Er ist das Bild für das, was trägt, wenn alles andere brüchig wird. Für das, was hält, wenn wir selbst nicht mehr halten können. Für das, was vollendet, ohne abzuschließen. Kurz und gut, er ist ein Bild für den Sohn Gottes: Jesus Christus, der uns mehr trägt und an uns wirkt, als wir uns vorzustellen vermögen.

2. Der Schlussstein als Horizont – Öffnung ins Neue

Ein Schlussstein schließt nicht nur ab. Er öffnet. Er hebt den Blick. Er lenkt die Kräfte nach oben und weitet den Raum nach außen. So ist es auch mit den vier großformatigen Bildern, die Alwine Baresch hier geschaffen hat. Sie schließen sich an die Fresken an – und öffnen zugleich eine neue Landschaft. Sie verbinden sich mit den Erdtönen des Bodens – und führen doch in eine Weite, die nicht mehr nur irdisch ist. Sie greifen die Sterne des Schlusssteins auf – und lassen sie in einer neuen Konstellation erscheinen. Alwine Baresch hat einmal gesagt: „Wenn alle vier Leinwände in der Kirche hängen, befinden sich die Besucher inmitten meiner Landschaft.“ Und genau das geschieht: Wir stehen nicht vor Bildern. Wir stehen in ihnen. Wir stehen in einer bildnerischen Landschaft wie wir in St. Maria Lyskirchen in einer baulichen Landschaft christlichen Glaubens stehen, die doch vor allem eine geistlich-lebendige Landschaft sein will. Wir sind Teil eines neuen Raumes im Raum der Kirche. Der neue Raum, die neue Kirche haben sich verändert – und sie verändern auch uns, die sich darin bewegen und anders, neu erfahren. Darum geht es geistlich, um Verwandlung und Erneuerung in Christus. Bilder, diese Bilder von Alwine Baresch können uns auf ihre Weise den Weg dorthin bereiten und darin begleiten.

3. Schönheit und Zer-Störung – ein geistlicher Dialog

Die Künstlerin setzt sich mit der Schönheit der Schöpfung auseinander – und mit ihrer Zer-Störung. Beides gehört zusammen. Beides ist real. Beides ist sichtbar in ihren Arbeiten. Die Schönheit: in den Linien, die fließen, in den Farben, die atmen, in den Sternen, die erinnern, in den Landschaften, die uns tragen. Die Zer-Störung: in den Brüchen, in den Rissen, in den Überlagerungen, in den Spuren, die nicht mehr heil, sondern kantig und verstellt sind quasi quer zur dargestellten Schöpfung und doch Teil von ihr. Es ist ein Dialog, der nicht aufgelöst wird – und gerade deshalb wahr ist. Denn die Schöpfung ist nicht nur Geschenk. Sie ist auch Aufgabe. Sie ist nicht nur Schönheit. Sie ist auch Verantwortung. Warum, weil die Quelle der Schöpfung – aus christlichem Glauben formuliert – der dreifaltige Gott, die Liebe ist, die in Freiheit schafft und setzt und darum stets auch verletzlich bleibt. Sie weiß um das Böse und Zerstörerische im Menschen, womit sie rechnet. Sie umhüllt es in Liebe und lässt es in gewisser Weise zu, weil sie sonst nicht wahre Liebe sein könnte.

4. Ein großes Ganzes – Kunst und Kirche im Gespräch

Alwine Baresch sagt über ihre Arbeit hier: „Es entsteht ein Zusammenspiel von meinen Arbeiten und dem Kirchenraum … ein großes Ganzes.“ Dieses große Ganze ist heute Abend spürbar: Die Fresken erzählen von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Die Bilder erzählen von der Geschichte der Erde mit uns Menschen. Der Schlussstein verbindet beides: Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Liturgie. Vielleicht ist das die tiefste Botschaft dieser Ausstellung: Dass Vollendung nicht Stillstand bedeutet. Dass ein Schlussstein nicht schließt, sondern trägt. Dass ein letzter Stein ein neuer Anfang sein kann. Setzen wir selbst in Liebe stets neue Anfänge, wie dies Alwine Baresch mit dieser Ausstellung tut.

5. Dank und Eröffnung

Liebe Alwine, du hast dich zwei Monate und länger auf die Menschen in dieser Gemeinde eingelassen und diese sich auf dich. Du hast diesen Kirchenraum eingelassen – und er hat sich auf dich eingelassen. Du hast seine Farben aufgenommen, seine Geschichten gehört, seine Sterne beobachtet und weitergeführt. Du hast uns eine Landschaft geschenkt, die nicht nur gesehen, sondern betreten werden will. Deine Malerei kann verstanden werden, wie ich eingangs zitierte, „als eine Kunst, die sich vom Herzen Gottes über das Herz des Künstlers bis zum Herzen des Betrachters ergießt …“ Dafür danken wir dir unsererseits von Herzen und wünschen Deiner Ausstellung eine große Aufmerksamkeit! Und für Deinen weiteren Weg als Künstlerin Gottes schönen Segen! Ich wünsche uns allen einen Abend voller Weite, Tiefe  und neuer Horizonte im Kontext von Kunst und Kirche  und ihm Rahmen unseres Projektes „Artist in Residence  in St. Maria Lyskirchen

Die Ausstellung „Schlussstein“ ist hiermit eröffnet.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Diakon Patrick Oetterer, Künstlerseelsorger Erzbistum Köln

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Laudatio

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst, und vor allem: liebe Alwine Baresch, wir stehen heute Abend an einem besonderen Ort. St. Maria in Lyskirchen, die kleinste der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, war über Jahrhunderte die Kirche der Rheinschiffer. Sie kamen hierher, um Schutz zu suchen, Kerzen zu entzünden und für eine glückliche Heimkehr zu danken. Diese Kirche war nie zuerst ein Ort der Mächtigen, sondern ein Ort für Menschen unterwegs: auf Reisen, im Übergang, getragen von Hoffnung.

In dieser Tradition lässt sich auch Alwine Baresch sehen. Auch sie ist eine Aufbrechende: eine junge, außerordentlich talentierte Künstlerin, deren Weg erst beginnt und die doch bereits eine eigene, überzeugende Sprache gefunden hat.

Alwine Baresch wurde 1995 in der Region Banat geboren und wuchs bei Koblenz am Mittelrhein auf. Landschaft ist für sie daher kein nebensächliches Motiv, sondern Erfahrungsraum, Sehnsuchtsort und Frage an das eigene Dasein. Von 2017 bis  2023 studierte sie Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, in der Klasse  für Malerei bei Professor Wolfgang Ellenrieder; anschließend wurde sie seine Meisterschülerin. Ein Auslandsjahr in Klausenburg führte sie zurück in die Kunst- und Kulturszene Rumäniens. Während des Studiums wurde sie durch das Cusanuswerk gefördert – ein Zeichen für künstlerische Exzellenz, Reflexionsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft.

Ihre großformatigen Landschaften sind keine Bilder und keine Idyllen. Sie schweben zwischen Erinnerung und Erfindung, zwischen realer Beobachtung und imaginärer Welt. Wir erkennen Hänge, Licht, Atmosphäre – und betreten doch Räume, die uns zugleich vertraut und fremd erscheinen. Baresch arbeitet in Schichten: Hasenleim, Acryl,  Ölfarbe; feine Pinsel und grobe Spachtel; Auftrag und Abkratzen. Der Prozess bleibt sichtbar. So entstehen Tiefen, Kippmomente und offene Zonen, die die Betrachtenden einladen, eigene Lesarten zu entwickeln.

Seit Oktober 2025 ist Alwine Baresch die erste Künstlerin im Programm Artist in Residence der Künstler-Union Köln, gemeinsam mit der Künstlerseelsorge des Erzbistums Köln und der Innenstadtpfarrei. In St. Maria in Lyskirchen hat sie  gelebt, geforscht und gearbeitet – und jene Werke geschaffen, die nun diesen Raum prägen. Die Arbeit trägt den Titel „Schlussstein“. Der Schlussstein ist der zentrale Stein im Gewölbe, der alles zusammenhält. Um den Schlussstein dieser Kirche sind Sterne zu erkennen – hoch oben,  fast verborgen. Alwine Baresch holt diese Sterne  herunter auf die Bildflächen und näher zu uns  Menschen.

Was macht nun das Besondere an der Malerei von Alwine Baresch aus? Wer ihre Bilder zum ersten Mal sieht, ist zunächst von ihrer Präsenz ergriffen. Die Leinwände sind großformatig, mitunter mehrere Meter breit und hoch. Von diesem architektonischen Kern aus entfaltet sie eine Betrachtung über Schönheit und Gefährdung der Schöpfung, über Natur, Vergänglichkeit, Fülle und Verlust. Gerade in diesem Kirchenraum gewinnen diese Fragen eine besondere Resonanz.

Ich gestehe: Ich bin ein großer Fan dieser Arbeit. Mehrfach stand ich vor Alwine Bareschs Bildern und fragte mich, was mich daran so berührt. Vielleicht ist es die große Sehnsucht, die sie sichtbar machen: die Sehnsucht nach Weite, Geborgenheit, Frieden, Heilung und Sinn. Eine Kirche ist ein Resonanzraum für solche Sehnsucht – und Alwine Bareschs Bilder geben ihr eine Gestalt.

Ihre Landschaften wirken utopisch und magisch, zugleich unbekannt und manchmal beunruhigend. Sie sprechen von Neugier auf das Neue und von Respekt vor dem Unbekannten – vor den nächsten Schritten im Leben, vor unseren Beziehungen, vielleicht auch vor Gott.

Liebe Alwine, du hast diesen Ort bewohnt, befragt  und verwandelt. Du hast der Gemeinde etwas von deiner Kunst geschenkt, und wir dürfen heute Abend eintreten in das, was daraus entstanden ist. Wir gratulieren dir von Herzen zu dieser Ausstellung und zu einem Weg, der mit Konsequenz, Tiefe und Offenheit beschritten wird. Möge „Schlusstein“ viele Menschen berühren – und das Unendliche ein kleines bisschen spürbar machen.

Dr. Sophia Fazio
Referentin (Auswahlverfahren für Studierende an Kunsthochschulen) im Cusanuswerk, Bischöfliche Studienförderung, Bonn

„Schlussstein“ Bilderserie

8 Bilder

Alwine Baresch

Künstlerischer Werdegang
2023–2024 | Meisterschülerin bei Wolfgang Ellenrieder | HBK Braunschweig
2017–2023 | Studium der Freien Kunst mit Abschluss Diplom | HBK Braunschweig
2022–2023 | Auslandsstudium | Universitatea de Artă și Design din Cluj-Napoca
2018–2023 | Fachklasse für Malerei bei Wolfgang Ellenrieder | HBK Braunschweig
2017–2018 | Grundklasse für Zeichnung bei Herbert Nauderer | HBK Braunschweig  

Ausstellungen (Auswahl)
2026 | „Noch einmal Richtung Paradies“, Galerie Petit Paris | Köln
2026 | „Re-Imagined“, Junge Kunst e.V. | Wolfsburg
2026 | „Schlussstein“, Artist in Residence, Künstler-Union-Köln u. St. Maria in Lyskirchen | Köln
2025 | „Auswahlausstellung Georg-Meistermann-Stipendium“, Spinnerei | Leipzig  
2025 | „Panta rhei“, Metavier | Hannover
2025 | „Kalte Platte“, gopea-kunstraum | Bad Bentheim
2025 | „Dürfen Sie hier sein?“, Kunstförderverein Bildende Kunst Schöningen e.V. | Schöningen
2024 | „Auswahlausstellung Märkischen Stipendium“ Galerie der Stadt Lüdenscheid | Lüdenscheid 2024 | „How to approach a dream gently“ (Meisterschüler*Innen Ausstellung), Kunstverein Braunschweig | BS
2024 | „Perspektiven Einblicke Ausblicke“, Kunstverein Burgwedel- Isernhagen | Isernhagen
2024 | „Four plus One“, Hannover Rück | Hannover
2024 | „Niemandsland“, Kunstschaufenster Hallenbad | Wolfsburg
2024 | „Carpathians“, BKC | Paderborn
2024 | „Zwischen Paradies und Dystopie“, St. -Andreas-Kirche | Braunschweig  
2023 | „Imagen“, Atelierkate Lesum | Bremen
2023 | „Pop-Up Gallery“, Junge Kunst und VW Immobilien | Wolfsburg  
2023 | „32 Diplome“, Hochschulrundgang | HBK Braunschweig  
2022 | „Im Augenblick des Staunens fällt das Ich mit der Welt in eins“, Kath. Akademie Bayern | München
2021 | „Contemporanea“, Fructa Space | München  

Stipendien  
Okt. 25–Jan. 26 | Artist in Residence der Künstler Union Köln u. St. Maria in Lyskirchen |Köln
2020–2024 | Stipendium des Cusanuswerks  
2022–2023 | Stipendium für zwei Erasmus-Auslandssemester  

Publikationen
2026 | „Schlussstein“, Artist in Residence, Dokumentation der Künstler-Union-Köln und der Künstlerseelsorge Erzbistum Köln (Hrsg.)
2024 | „Zwischen Paradies und Dystopie“, Katalogstipendium der Hannover Rück
2024 | „Niemandsland“, Katalogstipendium des Kunstschaufenster Hallenbad Wolfsburg
2023 | „Dürfen Sie hier sein?“, Diplomkatalog, Werkübersicht 2021 | „Contemporanea 2020/1973“, Katalog zur Ausstellungsreihe
2019 | „Horst“, Katalog zur studentischen Ausstellung

Künstlerseelsorge im Erzbistum Köln

Künstler-Union-Köln

Künstlerseelsorge im Erzbistum Köln

Marzellenstraße 32
50668 Köln

Diakon Patrick Oetterer