Impulse zur Zeit

Impulse zur Zeit für Religionslehrerinnen und -lehrer

Lebenslinien, die sich entwickeln und verwickeln in der Zeit … wie Algen am Strand.

Da ist jemand, aus dem sie sind und leben, aus dem sie hinausgelassen sind ins Dasein, doch nie von ihm verlassen
… unendlicher als das Meer: Gott – in Zeit und Ewigkeit.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Freiheit. Manchmal ist ein einziges Wort so schillernd und aufregend, so meinungsstark und diskursiv wie ein ganzes Gedicht es sein kann, ein ganzer Essay oder ein ganzer Podcast. Freiheit.

Das Jahr 2021 atmet Freiheit. Es atmet eine Freiheit, die Impfung heißt, Immunität, Lockerungen, Wiedersehen. Ausdruck der Freiheit war auch das Gedicht Amanda Gormans zur Amtseinführung Joe Bidens, Worte der Freiheit, denen zwei Wochen zuvor Bilder der Angst vorausgegangen waren, die Stürmung des Kapitols. Freiheit ist fragil. Auch die Freiheit „nach Corona“ ist zerbrechlich, verschoben sich doch mit den Koordinaten der Impfstrategie und der Corona-Mutationen auch immer wieder die Prognosen für den Sommer und den Herbst. Freiheit bleibt fragil.

„Sie hielten sich für frei, und niemand wird je frei sein, solange es Plagen gibt.“ (A. Camus, Die Pest 46f.). Nichtsdestoweniger, inmitten der „Plagen“, bei aller Zerbrechlichkeit: Es gibt Freiheit. Der Mensch erlebt sich, denkt sich als frei. Nur eine Illusion? Ein verzweifelter Denkvorstoß gegen alle Determination von innen (Hirn) und außen (die anderen)?

Der Apostel Paulus ist da ganz klar: Zur Freiheit sind wir befreit, hat Christus uns befreit und so sollen wir uns kein „Joch der Knechtschaft“ mehr auflegen lassen (vgl. Gal 5,1). Ja, wir sind zur Freiheit berufen, einer Freiheit, deren erster Ausdruck die Nächstenliebe ist (vgl. Gal 5,13f.): den anderen befreien, wie Christus es für uns getan hat, ihn/sie frei sein lassen. Frei sein und frei sein lassen – das ist die Hoffnungsbotschaft des Christentums und zugleich ein Auftrag.

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt unterscheidet in ihrem posthum veröffentlichten Essay ‚Die Freiheit, frei zu sein‘ die Freiheit als Befreiung von Unterdrückung und die Freiheit als gleiche Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. Arendt schreibt diese Gedanken im Zusammenhang ihrer Reflexionen über das Wesen der Revolution, aber treffen sie nicht – wenn auch in anderer Wucht – die Sehnsucht nach Freiheit heute? Sie treffen die Sehnsucht nach Freiheit von der Unterdrückung durch ein Virus und die Sehnsucht nach Freiheit zum Miteinander, nicht nur der jungen, weniger vulnerablen Menschen wie 2020, aber auch nicht nur der geimpften priorisierten Gruppen wie 2021. Wir wollen Freiheit nach der Erfahrung von Verwundbarkeit, Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit; wir wollen Freiheit zu atmen, zu hoffen und das Leben zu feiern.

In der Gewissheit, dass Gott uns nicht nur durch sorgenvolle, sondern auch durch sorglose Momente und Zeiten trägt, wünschen wir Ihnen einen befreienden und freien Sommer.

 

Impuls Nr. 3-2021
„Zur Freiheit befreit – zur Freiheit berufen (Gal 5,1.13)“

 

 

In Freiheit frei sein

Ein Bild
Ein Blick
Ein Atemzug
Freiheit
kommt mir entgegen
hüllt mich ein
nimmt mich tief gefangen
weckt Erinnerungen und füllt mein Herz

Woher kommt diese Freiheit?
Nicht von der Öffnungsperspektive,
nicht vom Impfen und Testen,
von Inzidenzzahlen.

Meine Freiheit kommt tief aus meiner Seele,
in der der göttliche Funke wohnt.
Jener Funke, der alles durchdringt
und flüstert und raunt,
stürmt und braust:
DU BIST FREI!

Freiheit kommt von innen,
sie ist die große Schwester der Sehnsucht!


Text: Elke Chladek
Bild: Michael Wittenbruch

 

Schulpraktische Impulse für die …

...die Primarstufe:

In der biblischen Geschichte von Bartimäus fragt Jesus diesen: „Was willst du, dass ich dir tue?“ (Mk 10,51). Bartimäus trifft die Entscheidung, seine Bedürfnisse frei auszusprechen, und erfährt Heilung. Die Materialien regen dazu an, mit dieser biblischen Geschichte der Bedeutung von Freiheit auf den Grund zu gehen. Der Freiheitsbegriff verstanden als Freisein und Freiwerden zur Erlangung einer größeren, inneren Stärke wird emotional und sozial in Bezug auf den einzelnen Menschen wie auch auf die (Klassen-) Gemeinschaft entfaltet.

Impuls für die Primarstufe  – Was jetzt befreiend sein kann (beschreibbares PDF-Dokument)

 

...die Sekundarstufe I:

Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland war eine Zeit gewalttätiger Unterdrückung und Angst. In dieser Zeit war Freiheit / Freisein eine größere Herausforderung, als wir es uns heute vorstellen können. Mutige Frauen und Männer haben in dieser Zeit aus ihrem christlichen Glauben Freiheit geschöpft bis in die letzte Konsequenz, ihr Leben zu verlieren. Die beiden Unterrichtsbeiträge für die Sekundarstufe I rücken v.a. zwei Personen in den Mittelpunkt, Sophie Scholl und Maximilian Kolbe.

Impuls für die Sekundarstufe I – Ich bin Sophie Scholl (beschreibbares PDF-Dokument)

Impuls für die Sekundarstufe I – Lassen Sie mich für ihn (beschreibbares PDF-Dokument)

 

...die Sekundarstufe II:

Die beiden Unterrichtsbeiträge für die Sekundarstufe II thematisieren zwei Freiheiten, die in unserer Gesellschaft derzeit besonders im Fokus stehen, die Impffreiheit und die Pressefreiheit. Unter dem Titel ‚Die Ersten und die (Ver-)Letzten‘ geht der erste Beitrag der Frage nach, nach welcher Gerechtigkeit wir leben und handeln. Was sagen uns die ‚Arbeiter im Weinberg‘ für eine Kultur der Freiheit? Der zweite Beitrag behandelt die Pressefreiheit, die gerade auch heute immer wieder in Gefahr steht. Der Impuls stellt die Frage nach der Verantwortung von Christinnen und Christen, sich für Meinungsfreiheit und Wahrheit einzusetzen.

Impuls für die Sekundarstufe II  – Die Ersten und die (Ver-) Letzten (beschreibbares PDF-Dokument)

Impuls für die Sekundarstufe II – Pressefreiheit (beschreibbares PDF-Dokument)
Impuls für die Sekundarstufe II – Pressefreiheit (Hinweise für die Lehrkraft)

 

…Schulpastoral inSPIRIerT:

Der schulpastorale Beitrag ‚Freiheit ist das Größte …‘ nimmt in zwei aufeinander bezogenen Bausteinen (‚Freiheit ist das einzige was zählt‘ und ‚Gib deiner Freiheit Raum‘) die Sehnsucht nach Freiheit und Freisein in den Blick, eine Sehnsucht, die gerade in der Zeit der Pandemie in uns brennt. Die Lied- und Bildimpulse ermöglichen eine Auseinandersetzung mit den Fragen danach, wie das eigene Selbst sich in Freiheit und doch zum Wohle des Nächsten entfalten und welche Antwortperspektiven ein Blick in die Bibel eröffnen kann.

Impuls für die Schulpastoral 

 

Die Impulse zur Zeit wurden gestaltet aus dem Kreis der Referent/innen der Abteilungen 'Schulische Religionspädagogik und Katholische Bekenntnisschulen' sowie ‚Schulpastoral und Hochschulen‘: Dr. Dominik Arenz, Stefanie Bartsch, Barbara Beier, Michael Bold, Beate Brinkmöller, Thomas Bruns, Robert Buchholz, Elke Chladek, Stefanie Esser, Johannes Euteneuer, Marie Euteneuer, Bernd Foitzik, Dr. Nina Frenzel, Andrea Gersch, Birgit Hess, Gregor Hofmeister, Regine Klein, Bernhard Mosbacher, Michael Neumann, Winfried Scharrenbroich, Gabriele Stammen, Michael Wittenbruch, Christina Zimmermann.

Redaktion: Andrea Gersch, Dr. Nina Frenzel, Dr. Dominik Arenz

Die ‚Impulse zur Zeit‘ sind CC BY-SA 4.0 lizenziert; abweichende Urheberrechtsangaben sind jeweils am Bild bzw. Text verzeichnet. Sollten wir trotz intensiver Nachforschungen zu Urheberrechten nicht fündig geworden sein, bitten wir um Benachrichtigung der Redaktion.

 

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