08. Oktober: Erschöpft aber glücklich zurück in der Heimat

Was bleibt noch zu sagen am Tag danach? Nach 17 Stunden Busfahrt sind wir müde aber glücklich zurück in der Heimat. Welche Spuren diese Wallfahrt hinterlassen hat, wird einem jeden von uns wohl erst in den nächsten Tagen und Wochen Bewusst werden. Für mich persönlich war es bereichernd, meine Gedanken zu verschriftlichen und mit Euch zu teilen. Und vielleicht haben sie auch den ein oder anderen von Euch zum Nachdenken angeregt. Denn eins ist klar: Augenblicke der Ewigkeit erlebt man nicht nur in Rom und Assisi – sie warten überall auf uns.

Was ist ein Augenblick der Ewigkeit? 
Wenn wir hier zusammen feiern? Wenn die Freude eskaliert? 
Was ist der Augenblick der Ewigkeit? 
Wenn uns klar wird: „hier ist richtig alles andere ist nicht wichtig“?

Dann steht die Welt still, und alles wird klar, so klar, 
wird unendlich weit und doch unendlich nah. 
Dann hält die Zeit an, und alles geht auf, es macht „klick“, 
es ist im Fluss, fliegt hoch und treibt voran, hat einen Lauf: 
Das ist der Augenblick, das ist der Augenblick, das ist der Augenblick der Ewigkeit.

(Text aus dem Mottolied von Juliana Lukannek und Jonas Dickopf)

07. Oktober: Abschlussmesse in der Basilika di San Francesco

Am Morgen hatte sich die Begeisterung mancher Minis, den Tag in einer neuen Stadt zu verbringen, merklich in Grenzen gehalten. Vielleicht war Rom mittlerweile zu liebgewonnen oder der unvermeidbare Fußmarsch eine Hürde für müde Zeitgenossen. Ein paar Stunden später ist jedoch eine veränderte Stimmung in den Straßen Assisis spürbar. Durch die überschaubare Größe der malerischen Stadt treffen sich Minigruppen alle Nase lang in den kleinen Gässchen und auf verwunschenen Kirchplätzen, sammeln Stempel, quatschen, lachen. Die Atmosphäre in Assisi scheint gelöst und euphorisch. Immerhin erwartet uns auch der krönende Abschluss der diesjährigen Ministrantenwallfahrt und ein Highlight, das auch die alten Hasen dieser Fahrt noch nicht kennen: der Gottesdienst in der Basilika di San Francesco.

Unvergessen werden für alle die Bilder einer bis zum Rand gefüllten blau-gold strahlenden Basilika bleiben. Unvergessen bestimmt auch für die Bürgermeisterin der Stadt Assisi, die uns dort empfängt und Jubel auslöst, als sie betont: die Minis aus Köln seien auch in ihrer Stadt Zuhause und immer willkommen. Gejubelt und applaudiert wird an diesem Abend noch öfter – sicherlich befeuert durch den besonderen Augenblick und das spürbare Gemeinschaftsgefühl, auch wenn Tobias Schwaderlapp versucht dem überbordenden Enthusiasmus ein wenig Einhalt zu gebieten. Gar nicht so einfach, wenn man doch selber Euphorie ausstrahlt.

Im Dialog mit dem heiligen Franziskus

Besonders ist auch der Beginn des Gottesdienstes, der aus einem Dialog zwischen einer Messdienerin im Mittelgang der Kirche und Franziskus, als Stimme aus dem off, besteht. Die Fresken an den Wänden zeigen besondere Augenblicke aus Franziskus Leben, die richtig genutzt wurden und Leben veränderten. Von der christlichen Gemeinschaft wird an diese Augenblicke heute noch erinnert und so könnten auch wir in Gemeinschaft Ewigkeit schaffen, ist das Ergebnis dieser eindrücklichen Unterhaltung.
Man merkt, dass die kreative und liebevolle Gestaltung der Messe durch den Messdienerarbeitskreis bei den jungen Menschen einen Nerv trifft. Auch die Fürbitten an diesem Abend – tiefgründig, aber auch kritisch in Bezug auf Kirche und deren Zukunft – sind authentisch und verstärken den Eindruck, dass hier junge Menschen versammelt sind, die Kirche mitgestalten möchten.

Aber auch Musik ist wichtig in Messfeiern. Und nach fünf Tagen Wallfahrt sind nun wirklich alle Stimmen geölt. Die Liedauswahl ist super und das Singen kräftig „wie im Stadion“, so der Wortlaut einer Messdienerin noch am Nachmittag. Ist es nun das gewachsene Gemeinschaftsgefühl oder der charmante „Anders-Ort Assisi“, wie Schwaderlapp ihn in seiner Predigt bezeichnet? Ein Ort, an dem man sich auch ein bisschen in die beeindruckenden Persönlichkeiten Franziskus und Clara verliebt. Als Tobias Schwaderlapp in seiner Predigt über Franziskus spricht, hängen die Jugendlichen gebannt an seinen Lippen. Franziskus war ein Radikaler, in seiner Nacktheit und Armut wahrscheinlich auch eine verstörende Erscheinung, aber gleichzeitig liebenswert und dem Menschen und der Welt zugewandt, beschreibt er. Franziskus habe für Christus alles aufs Spiel gesetzt und sich immer neuen Wagnissen gestellt. Wie schön wäre es, wenn auch wir – ausgehend von diesem Ort und diesem Augenblick – Wagnisse, Überforderung, Wut umarmen, wie Franziskus es lehrt, appelliert er an die versammelte Gemeinschaft. Das sind dann die Augenblicke, in denen man Christus spüren kann.

Ich bin beeindruckt von diesen Augenblicken der Messe, dem Engagement, das in die Vorbereitung dieser Fahrt geflossen ist und gleichzeitig erleichtert, dass die Stimmung auch nachher auf dem Platz vor der Basilika so euphorisch ist. Nach den Spannungen zu Beginn der Woche kann dies nur die Leistung einer gewachsenen Gemeinschaft sein. Und vielleicht ist das für mich der eindrücklichste Augenblick der Ewigkeit dieser Fahrt.

07. Oktober: Ankunft im malerischen Assisi

Der Fußmarsch zur Hügelstadt Assisi löst noch einmal eine andere Art Pilgergefühl in mir aus. Mein Rucksack ist schwer bepackt und die Sonne scheint heiß vom Himmel, aber es fühlt sich richtig an, die letzten beiden Kilometer zu unserer Zieldestination zu Fuß zurückzulegen. Franziskus, der ein Leben in Bescheidenheit und Armut führte, hätte es bestimmt nicht anders gewollt, als das man wenigstens die letzten Kilometer mit der eigenen Muskelkraft ans Ziel gelangt. 
Der Weg führt uns an Olivenbäumen vorbei. Eine Gruppe hört Musik mit einer Bluetooth-Box. Und begleitet von Popmusik und Hiphop erhebt sich vor uns hell und malerisch Assisi mit seinem beeindruckenden Kloster. 

Schaut gerade jemand von der Stadt hinab ins Tal, so kann er wahrscheinlich eine ausgewachsene Prozession von Jugendlichen beobachten, die sich den Hügel hinaufbewegt. Dieser Eindruck bleibt sicher ewig. Hoffen wir also mal, dass dieses Bild nicht unbemerkt blieb.

Allgegenwärtig ist in der Stadt Assisi das Andenken an den Heiligen Franziskus, oder auch Franz von Assisi genannt. Denn hier befindet sich nicht nur sein Geburtsort, sondern auch die Grabstätte des Heiligen in einem Steinsarkophag in der Basilika di San Francesco.
Souvenirs und Denkmäler findet man an jeder Ecke. Aber auch die Ordensbrüder des Franziskanerordens – erkennbar an ihren dunklen Kutten -, prägen das Stadtbild.

Fragerunde mit einem Franziskaner

Die Minigruppe aus Neviges hat heute das Glück mit einem Franziskaner zu sprechen. Der 28-jährige Novize ist nämlich zufälligerweise Deutscher und ein Freund von Gruppenleiter Abbé Phil. Und die Gelegenheit, den jungen Mann mit Fragen zu seinen besonderen Lebensumständen zu löchern, lassen sich die Minis natürlich nicht entgehen. Zu meinem Glück, darf ich auch dabei sein.
„Was lernt man alles in der Ausbildung zum Ordensbruder?“ „Wie sieht der Tagesablauf im Kloster aus?“ „Welche Musik hört ein Mönch?“ „Und was trägt man eigentlich unter der langen Kutte?“ Dies sind nur einige der Fragen, die an diesem Nachmittag an den Novizen gerichtet werden. Welch ein Glück, dass die Jugendlichen aus Neviges an genau den richtigen Ansprechpartner für diese Fragen geraten sind, denn dieser beantwortet geduldig und mit großer Begeisterung und Witz alle Fragen.

Ein üblicher Tag im Franziskaner-Kloster besteht aus vielen Stunden Gebet, Unterricht und unterschiedlichen Gottesdiensten. Natürlich gibt es aber auch eine Siesta mit Zeit zur freien Verfügung. Die nutzt unser Gastgeber zum Sport treiben, Lesen und Schlafen. Bei ihrem täglichen Unterricht im Kloster lernen sie unter anderem etwas über die Geschichte des Ordens, die Schriften des Heiligen Franziskus und die Grundzüge des katholischen Glaubens. Nicht minder wichtig ist es aber auch zu lernen, wie man in der Gemeinschaft und in Armut lebt. Ein weiteres Lernziel ist zeitintensives Beten, was schwieriger als gedacht sei. Seit dem Einzug ins Kloster vor zwei Jahren höre er nicht mehr so oft Musik, räumt der Franziskaner ein. Aber was er schon immer gerne mochte ist Musik mit viel Bass. Und die Klamotten unter der Kutte? Die sind bequem, gibt er schmunzelnd zu. Meistens sei es Sportkleidung.

Faszination Franziskus von Assisi

Was ist nun das Besondere und Unvergessliche an dem Gespräch der Minis aus Neviges mit dem Novizen in Assisi? Natürlich ist es, spannende Antworten über eine ganz andere Lebenswelt aus erster Hand zu erhalten. Und der Novize ist sehr sympathisch und das Gespräch total nett, da sind sich sicherlich auch alle einig. Trotzdem meine ich, dass es noch etwas Anderes ist, das den Moment im Kloster zu etwas Ewigem gemacht hat: Der Novize teilt auch seine Faszination mit Franziskus mit uns, der eine radikale Ehrlichkeit vor Anderen und vor Gott gelebt hat. „Franziskus hat sich nackt vor Gott gestellt und gesagt: ich bin klein, arm und nackt und brauche deine Liebe“, erzählt der Novize den Jugendlichen. Und wie schwierig das ist verdeutlicht er mit seiner persönlichen Geschichte. Obwohl sein Bauchgefühl schon früh gesagt habe, dass Gott etwas von ihm will und nicht loslässt, habe er viele Jahre lang damit verbracht Gott zu erklären, warum er nicht Bruder werden kann. Dass der Novize diese Geschichte mit ihrem aktuellen Ausgang mit uns teilt – letztlich hat er sich Gott doch anvertraut und lebt nun in einem bedeutenden Pilgerort –, fühlt sich besonders an. Ich glaube, auch die Minis sind dankbar für diese schöne Begegnung.

06. Oktober: Über den Augenblick eines Münzwurfs in den Trevi-Brunnen

„Über eine Millionen Euro fischen die im Jahr hier raus“, sagt Hannah als wir zum Trevi-Brunnen hinunterblicken. Verrückte Tradition sein Kleingeld in diesem malerischen Brunnen zu versenken. Aber natürlich möchte ich mich dieser Tradition nicht verwehren. Ich zücke eine 5 Cent-Münze und hole weit aus. Der Abstand von der Mauer, an der wir stehen, bis zum Brunnen ist doch recht weit. Um uns herum kramen auch andere Menschen in ihren Portemonnaies, knipsen Fotos, werfen Münzen. Wie viel Geld der Kölner Minis liegt wohl grade am Grund des flachen Brunnens? Wie viele Menschen haben schon hier gestanden, so wie ich? Ich wage nicht zu schätzen. Seltsam – aber auch schön -, dass wir doch irgendwie alle denselben Wunsch teilen. Wir möchten zurückkehren nach Rom, in eine beeindruckende Stadt. Vielleicht ist es aber auch mehr als das. Vielleicht sehnen wir uns alle nach einer Zukunft mit weiteren besonderen Momenten.

Der Münzwurf ist damit ein erster Schritt dorthin; gewissermaßen die Absicherung wiederzukehren und sich neue ewige Augenblicke in Aussicht zu stellen. Ich werfe die Münze und als es platscht spüre ich Vorfreude.

Was Glaube mit der Spanischen Treppe zu tun hat

An unserem letzten Tag in Rom klappere ich noch einmal einige der großen Sehenswürdigkeiten ab. Dabei treffe ich fröhlich gestimmte Minis, die nach Stempeln fragen – eine super Idee des Vorbereitungsteams (jede Gruppe hat einen Stempel bekommen und die Möglichkeit im Pilgerheft die Stempel der anderen Gruppen zu sammeln), Tiramisu-essende Minis, Minis vor der Eisdiele… Langsam aber sicher haben die Kölner Ministranten die Stadt erobert und kennen sich ganz gut aus. Souverän bekomme ich eine Wegbeschreibung von der Spanischen Treppe zum Kolosseum.

In der Kirche Sant‘Andrea della Valle treffe ich die Gruppe aus Overath wieder. Sie sind für den Gottesdienst der Region Leverkusen, Rheinberg und Oberberg hergekommen. Zur selben Zeit treffen sich auch die anderen Regionen in römischen Kirchen, um eine Messe in kleinerem Rahmen zu feiern.

In unserem Gottesdienst predigt Jugendseelsorger Pfarrer Stefan Berger von einer „Sehnsucht nach Mehr im Leben“. Mit dieser Sehnsucht könnten wir nicht nur zu Antworten auf die richtigen Fragen im Leben gelangen, sondern die Welt als Christen zu einem besseren Ort machen.

05. Oktober: Kirche, Köln und Karneval – besondere Augenblicke einer Papstaudienz

Der Mittwochmorgen birgt für viele von uns die große Herausforderung rechtzeitig aufzustehen, um schon früh am Petersdom zu sein – für die guten Plätze. Und früh bedeutet bei einigen Gruppen 7 Uhr Abfahrt. Es ist der Tag der Papstaudienz.

Ich habe ganz eigene Hürden zu meistern. Die Akkreditierungsbestätigung von der Pressestelle des Vatikans hat mich erst am Morgen erreicht und so war es mir leider nicht möglich im Vorfeld etwas Essenzielles abzuholen: den Ausweis, der mich dazu berechtigen soll, in den Bereich der Fotografen und Presseleute zu gelangen. Ich sammle also meine Überzeugungskraft und marschiere direkt ins vatikanische Presseamt. Und habe Erfolg. Eine halbe Stunde später werde ich durch die Kontrollen, eine lange Wendeltreppe hoch und auf das Dach links vom Petersdom geführt. Welch ein Glück für mich, dass ich auf solch hilfsbereite Menschen getroffen bin. Wer kann schon von sich erzählen, bei einer Papstaudienz Fotos von einem angrenzenden Dach gemacht zu haben? Ich kann es noch nicht so richtig fassen.

Dort oben bin ich zwar weit entfernt von der Bühne und von Papst Franziskus, aber dafür habe ich den Überblick. Ich sehe die Kardinäle in einer langen Reihe neben der Bühne sitzen, Musikkapellen, die auf ihren Einsatz warten und die Ministrantinnen und Ministranten aus Köln in ihren Mottoshirts. Auch Regenbogenfahnen sind in der Menschenmenge zu sehen. Als der Papst ein Grußwort an die Messdienerschaft richtet, kann ich die Jugendlichen nicht nur sehen, sondern auch jubeln hören. „Der Herr helfe euch, in der Liebe zu wachsen und beschütze euch allezeit“, spricht der Heilige Vater an die Messdienerinnen und Messdiener des Kölner Bistums gewandt.

Der klassische Ablauf der Generalaudienz beinhaltet das Verlesen eines Bibeltexts und dessen Übersetzung in viele verschiedene Sprachen. Spannend, also auch für Sprachinteressierte wie mich. Im Anschluss passiert jedoch noch etwas Unerwartetes. Eine Musikapelle, die ich bereits anfänglich im Blick hatte, entpuppt sich als Liebhaber kölscher Musik. Da ich den Einzug des Papstes verpasst hatte – ich saß noch hoffend in der Pressestelle – wusste ich nicht, dass die Altstädter (Traditionskorps des Kölner Karnevals) zu Beginn schon für eine musikalische Begleitung gesorgt hatten. Der Papst sei zu „Denn wenn et Trömmelche jeht“ in seinem Papamobil gefahren, erzählen mir begeisterte Minis später. Nun spielt der Musikkorps der Altstädter ein Medley bekannter kölscher Lieder und erhält gesangliche Unterstützung von Seiten der Ministranten.

Als ich mich wieder zu der Gruppe auf den Petersplatz geselle sind viele noch am Schunkeln und Singen. Ein unverhoffter aber schöner Zufall, dass das Jubiläum der Altstädter uns also diese einmalige Begegnung auf dem Petersplatz verschafft hat: Ministranten, Papst und kölscher Karneval.

Papst Franziskus begrüßt Ministranten aus Köln

Großer Jubel brandete heute Morgen (5. Oktober) auf dem Petersplatz in Rom auf, als Papst Franziskus die Ministrantinnen und Ministranten aus Köln begrüßte: „Herzlich grüße ich die Pilger in deutscher Sprache, insbesondere die Ministranten aus Köln, sowie die Teilnehmer an der Informationswoche der Päpstlichen Schweizergarde. Ich wünsche euch jungen Menschen einen guten und geistlich fruchtbaren Aufenthalt in Rom! Der Herr helfe euch allen, in der Liebe zu wachsen und beschütze euch allezeit!", sagte das Kirchenoberhaupt wörtlich.

Einige der Ministranten konnten danach zusammen mit dem Papst und mit Kardinal Woelki ein gemeinsames Foto machen. Zuvor hatte es schon eine kurze, aber sehr freundliche, Begegnung zwischen dem Heiligen Vater und dem Kölner Erzbischof gegeben.

4. Oktober: Rom entdecken und Innehalten

Erwartungsvoll laufe ich zur Engelsburg, um dort zwei Gruppen aus Köln und Düsseldorf zu treffen. Sie sind verabredet für einen Stadtspaziergang mit Kardinal Woelki. Auf dem Weg frage ich mich welche Spuren der gestrige Abend wohl hinterlassen hat. Doch ich treffe auf zwei gut gestimmte Ministrantengruppen – trotz der Köln-Düsseldorfer-Hassliebe.

Kardinal Woelki führt uns durch alte römische Straßen zum Piazza Navona, einem der wohl schönsten Plätze Roms. Hier erfahren wir, dass der Platz nicht nur Märkte, sondern auch Pferderennen und Wasserschlachten erlebt hat. Der Erzbischof weiß viel zu erzählen: über den Vier-Flüsse-Brunnen, die Basilica di Sant‘Agostino, die Geschichte der heiligen Monika und die große Kunst von Caravaggio.

Am Grab der heiligen Monika, die für ihren Sohn Augustinus gebetet und gekämpft hat und damit letztlich wegweisend für seine Zuwendung zu Gott war, spricht Kardinal Woelki ein Gebet mit uns. Er lädt ein an diesem Ort an unsere eigenen Mütter zu denken, die uns das Leben geschenkt haben, uns schützen und für uns da sind. Das vorige Tuscheln verstummt und der folgende Augenblick wird mir als bewegend in Erinnerung bleiben. Als ich mich umblicke scheine ich mit dieser Erfahrung nicht alleine zu sein.

Lichterprozession“Habt den Mut, etwas auszusprechen!“

Sie wurde bereits mehrfach als eines der potentiellen Highlights der Wallfahrt angekündigt: Die Lichterprozession durch die vatikanischen Gärten. Am Nachmittag trifft sich die gesamte Pilgergemeinschaft auf dem Petersplatz und bereits am zweiten Tag habe ich das Gefühl Gesichter wiederzuerkennen. Nun steht eine längere Wartezeit vor den obligatorischen Taschenkontrollen am Eingang an. Die Gruppe hinter mir singt fröhlich vor sich hin. Beim Aufstellen für die Prozession ertönt die FC-Hymne und wieder winkt mir jemand, den ich bereits kenne. Da fühle ich mich schon als Teil der Gruppe.

Die Prozession startet mit dem Lied „Here I am Lord“, das von vielen Leuten laut mitgesungen wird. Los geht’s, am eigenen Bahnhof des Vatikans vorbei, den Hügel hinauf zur Lourdes-Grotte. Der Himmel färbt sich rosa, langsam wird es dunkel und die Kerzen, die alle Pilgerinnen und Pilger in der Hand halten sehen aus wie viele kleine Glühwürmchen. Es ist ein magisches Bild. Ein ewiger Augenblick.

Als 2.000 Jugendliche auf dem Boden vor der Lourdes-Grotte Platz genommen haben, erzählt Regens Regamy eine Geschichte aus einer vergangenen Romwallfahrt. Es ist eine Liebesgeschichte, die tragisch endet. Christian, unglücklich verliebt und für jeden ersichtlich, hat seine Chance verstreichen lassen und am Ende hat jemand anderes das Herz seiner Auserwählten gewonnen. „Habt den Mut, etwas auszusprechen“, appelliert Regamy an uns. Denn auch mit allem was wir nicht tun, verändern wir die Welt. Die Entscheidung keine Entscheidung zu treffen, ist auch eine Entscheidung. Dass das nicht immer einfach ist und Zweifel zum Leben dazugehören schildert er daraufhin eindrücklich mit einer Geschichte über sein persönliches Hadern. Ich bin beeindruckt davon wie ehrlich und authentisch der Regens von seinem Hadern mit der Kirche als neu geweihter Priester berichtet, als im Jahr 2010 die ersten Fälle zu sexuellem Missbrauch öffentlich wurden. Geholfen habe ihm der Austausch mit anderen Menschen und die Botschaft der Liebe Gottes. Dass Andere diese Botschaft nicht verstanden haben, sei für ihn seitdem kein Grund darauf zu verzichten sein eigenes Leben für die Botschaft Jesu einzusetzen. Und dass die Ministrantinnen und Ministrantinnen sich auch weiterhin in ihren Gemeinden für die Liebe einsetzen.

Ein turbulenter Tag endet und ich bin dankbar für eindrucksvolle Erlebnisse und das Gefühl, dass sich die Ministrantengemeinschaft in einer Sache besonders einig ist: Für Erfahrungen wie diese – das gemeinsame Singen vor einer Grotte in den vatikanischen Gärten, eine fast mystische Atmosphäre, verursacht durch das Licht unzähliger Kerzen und Worte, die ins Herz treffen – dafür sind wir hier in Rom.

03. Oktober: Eröffnungsgottesdienst mit Kardinal Woelki

Die erste Pasta in Rom: ich wähle Spaghetti Carbonara und es ist himmlisch! Sicherlich gehören auch kulinarisch herausstechende Eindrücke zu den „Augenblicken der Ewigkeit“, die ich suche. Im Anschluss geht es quer durch die Stadt zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Während ich die mit einem Mosaik verzierte Fassade betrachte, realisiere ich langsam, dass ich angekommen bin. Im Hier, in Rom, auf einer Ministrantenwallfahrt. Denn besagte Minis strömen nun in Scharen auf die Kirche zu.

„Worauf freut Ihr Euch in den nächsten Tagen?“, frage ich vor der Basilika einige der Ankommenden. „Auf das Zusammensein“, höre ich immer wieder. Umso passender also das Motto des heutigen Tages: Augenblick der Gemeinschaft. Und als 2.000 Minis in ihren Gewändern die Basilika bevölkern, nehme ich die Jugendlichen genau so wahr: als Gemeinschaft auf dieser Wallfahrt und noch viel wichtiger – als Gruppe, die ein Hobby, ein Ehrenamt und vielleicht auch ein Teil ihrer Identität teilt.

Der Eröffnungsgottesdienst mit Kardinal Woelki beginnt mit einem feierlichen Einzug und der herzlichen Begrüßung von Tobias Schwaderlapp. Ihm ist es deutlich anzumerken, dass er den Beginn der Romwallfahrt ersehnt hat und sich riesig freut. Auch Kardinal Woelki drückt seine Freude über die zahlreichen Pilgerinnen und Pilger aus und die Möglichkeit mit ihnen eine gemeinsame Messe zu feiern. Anerkennend spricht er in seiner Predigt von den besonderen Leistungen der Minis für die Jugendarbeit, vor allem in den letzten beiden Corona-Jahren. Gruppenstunden und das Aufrechterhalten eines Gemeinschaftsgefühls waren riesige Herausforderungen im Lockdown, als persönliche Treffen nicht möglich waren. Doch davon haben sich die Minis nicht unterkriegen lassen, lobt der Kardinal und schlägt eine Verbindung zum Evan­ge­lium, wo die grade noch erfolglosen Fischer im Vertrauen auf Jesus zurück auf den See fahren und schließlich doch einen Fang machen. Dank der Überzeugungskraft dabei zu bleiben und dem Engagement vieler Ministrantinnen und Ministranten für Aktionstage und Zoom-Spiele ist eine Gruppe, für die Gemeinschaft elementar ist, nicht verschwunden, sondern steht hier mit 2.000 Mitgliedern. Auch ich finde diese Leistung zutiefst beeindruckend.

Erst spät merke ich, dass während der Predigt einige Jugendliche im Kirchenraum aufgestanden sind und dem Kardinal ihren Rücken zugekehrt haben. Ein ausdrucksstarkes Bild, das manche zum Mitmachen anregt, andere schauen bestürzt. Es ist ein Moment, der tausende unterschiedliche Reaktionen hervorrufen kann, aber auch unzählige unterschiedliche Anliegen und Stimmungslagen verdeutlicht. Während einige das Bedürfnis haben, ihren Protest zum Ausdruck zu bringen, empfinden andere die Situation als unangemessen. Einige applaudieren. Der Erzbischof unterbricht seine Predigt und adressiert die abgewandten Menschen: Jesus lehrt, dass wir uns einander zuwenden und ins Gesicht schauen sollen, sagt er und beendet seine Ansprache.

Ich habe den Eindruck, dass die Spannungen im Inneren der Kirche und bei uns Zuhause Spuren hinterlassen bei den jungen Menschen, die sich in vielen Fällen wöchentlich für die Gemeinschaft der Kirche einsetzen. Spannungen, die für einen Augenblick auch hier in Sankt Paul vor den Mauern zu spüren waren und ein Zeichen, das die jungen Menschen mit ihren unterschiedlichen Meinungen gehört werden wollen. Wie geht es weiter? Im Gottesdienst erst einmal mit der Gabenbereitung und einer sorgsam und gut vorbereiteten Messfeier, die es schafft zu einem eigenständigen und neuen Augenblick zu werden. Nach dem Gottesdienst spricht Kardinal Woelki vor der Kirche mit einigen Jugendlichen – ob es dabei auch um den Protest während der Predigt geht, bekomme ich nicht mit.

Anschließend geht es für die Pilger in Richtung Stadt zum Abendessen, Reden und Schlaf nachholen. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und hoffe, dass sie von positiven „Augenblicken der Ewigkeit“ geprägt sein werden.

03. Oktober: Morgenhimmel über Rom

Ankunft in Rom nach 20 Stunden Busfahrt.

Die Nacht war lang – vielleicht sogar ewig – auf den nur leicht zurückklappbaren Sitzen im Bus. So also der erste Eindruck zum Thema „Ewigkeit“. Vergessen sind jedoch die Strapazen der Nacht als wir beim Aufwachen feststellen, dass wir uns bereits im Stadtverkehr von Rom befinden. Draußen ist es bereits hell und der Himmel in der Ferne leuchtet rosa.

Irgendwie kann ich es nicht so richtig fassen, dass wir nun in Italien sind. Gestern waren wir doch noch im grauen Köln. Als der Bus hält und wir die Urdenbacher Minis in ihr Pilgerhaus verabschieden, merkt man die Müdigkeit in den Gesichtern der anderen Teilnehmenden. Ich scheine auch nicht die einzige zu sein, die sich noch an den plötzlichen Ortswechsel gewöhnen muss. Die Straßen sind voller Autos und: die Menschen tragen kurzärmelige T-Shirts. Benvenuti a Roma!

02. Oktober: Stadt-Land-Fluss, über das Mini-Dasein und ein Abendgebet

Freudige Stimmung im Bus. Unser Busfahrer Lothar verspricht Kaffee und Würstchen in den obligatorischen Pausen und erntet Applaus. Die Ministrantengruppe aus Düsseldorf-Urdenbach scheint sich gut auf die lange Fahrt vorbereitet zu haben. Hier wird Stadt-Land-Fluss gespielt, gelesen oder Podcast gehört. Im hinteren Teil des Busses sitzen Leiterinnen und Leiter des Ministrantenarbeitskreis des Erzbistums Köln – kurz: MEK. Viele von ihnen haben schon so manche Romwallfahrt auf dem Buckel und erzählen Geschichten aus den letzten Jahren. So erfahre ich beispielsweise von Zugabteilen, die statt 6 Personen auf einmal 17 Minis beherbergten, oder von einem Stromausfall pünktlich zur Abendgebetsübertragung im Zugradio. Ja, in den letzten Jahren fuhren noch die beiden Sonderzüge Alpha und Omega die Ministrantengemeinschaft nach Rom.

Aber auch für die heutige Busfahrt haben die erfahrenen Wallfahrer beste Voraussetzungen geschaffen: es gibt Spiele, Rätsel, ein Tablet zum Formel 1 gucken, ein Geburtstagskind (Herzlichen Glückwunsch, Christian!) und Kuchen. Messdiener auf Romwallfahrt muss man also sein.

Obwohl das manchmal gar nicht so einfach ist in diesen Zeiten, erfahre ich dann. Viele der MEKler können über Unverständnis berichten, das ihnen entgegengebracht wird, wenn sie von ihrem Ehrenamt erzählen. Ministrantin oder Ministrant zu sein bedeutet auch, in Gesprächssituationen zu geraten, in denen man sich zu einer Rechtfertigung genötigt fühlt. Was begeistert die Jugendlichen und jungen Erwachsenen an ihrem Ehrenamt und motiviert sie, dabei zu bleiben? Und was wünschen sie sich für die Zukunft? Viele Fragen schießen mir durch den Kopf, für die ich mir Antworten in den nächsten Tagen erhoffe. Nun wird es aber langsam Zeit fürs „bettfertig“ machen.

Nach dem nächtlichen Zähneputzen auf einem Schweizer Parkplatz sprechen wir im Bus ein Abendgebet aus dem Pilgerheft und singen die ersten Lieder unserer Wallfahrt. Es dauert nicht lange da kehrt Ruhe ein in Bus Nummer 26. Schlafmasken werden aufgesetzt, Oropax aus dem Rucksack gekramt und Nackenkissen zurechtgerückt. Während 2.000 Minis aus dem Erzbistum Köln versuchen in den Schlaf zu finden, fahren Lothar und 28 andere Busfahrer uns sicher durch die Nacht

Abendgebet im Bus auf dem Weg nach Rom (02.10.2022)

Abendgebet im Bus auf dem Weg nach Rom (02.10.2022)

02. Oktober: Augenblick der Abfahrt

Der Bus ist vom Parkplatz in der Gummersbacher Straße in Köln-Deutz gerollt und damit fällt ein Teil der Anspannung, mit der ich heute Morgen aufgewacht bin, von mir ab: Habe ich alles eingepackt? Nichts vom Equipment vergessen? Wird die Technik für die Live-Schalte beim Reisesegen funktionieren? All diese Fragen sind in dem Moment unserer Abfahrt unwichtig geworden. Was jetzt noch in meinem Koffer fehlt, wird in Rom besorgt. Von nun an zählt, dass die Reise begonnen hat.

Vielleicht ist er das also schon: der erste Augenblick dieser Wallfahrt, der mir sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird. Der Aufbruch nach Rom und damit das Ende des Wartens. Nicht nur für mich, sondern für alle Minis, Gruppenleitern und das Orga-Team, die nun voller Vorfreude im Bus sitzen. Und nicht zu vergessen: Für mich ist es die Abfahrt nach einem erfolgreich auf Facebook und Instagram übertragenem Reisesegen. Der Technik sei Dank! Und Dank gebührt natürlich auch Tobias Schwaderlapp, unserem Diözesanjugendseelsorger. Mit dem Schutz und Segen, den er für unsere weite Reise erbeten hat, begeben wir uns nun auf die Straßen Deutschlands, der Schweiz und heute Nacht werden wir dann endlich Italien erreichen.

Rom, wir kommen!

30. September: Letzte Vorbereitungen und Reisefieber in Langenfeld (Radiobeitrag)

Für Laura Egbers aus Langenfeld ist es dieses Jahr die sechste Wallfahrt nach Rom. Seit einiger Zeit engagiert sie sich im Vorbereitungsteam und weiß, wie die Organisation einer solchen Großveranstaltung abläuft. Annette Florin hat mit Laura Egbers über Vorbereitungen und Reisefieber gesprochen. Der Beitrag lief am 25. September 2022 in der Sendung "Himmel und Erde" auf Radio Neandertal.

Mit 2000 Ministranten die Ewige Stadt entdecken

29. September 2022 Newsdesk/jpr
Judith mit dem Mottoschal der Romwallfahrt 2022

29. Sep­tem­ber: Drei Ta­ge bis zur Ab­fahrt – die Auf­re­gung steigt

Die Pil­ger­pa­ke­te sind be­reits ge­packt, das Motto­lied ver­öffent­licht und in den Gruppen steigt die Vor­freude auf die dies­jäh­rige Mi­nis­tran­ten­wall­fahrt nach Rom und Assisi. Auch bei mir. Ich bin Judith und seit Ju­ni Vo­lon­tärin am News­desk des Erz­bis­tums Köln. Als es hieß: „Ju­dith, du darfst die Wall­fahrt nach Rom be­glei­ten.“, konn­te ich mein Glück kaum fassen. In drei Ta­gen ist es end­lich so­weit und wir ma­chen uns mit 2.000 Ju­gend­li­chen aus dem Erz­bis­tum auf den Weg.

Et­was ner­vös bin ich schon. Los geht es mit einer 20-stün­digen Bus­fahrt. Und aus­ge­stattet mit Ka­mera, Sta­tiv und Lap­top möchte ich nichts we­niger als die be­son­de­ren Augen­blicke der dies­jähri­gen Rom­wall­fahrt ein­fan­gen, do­ku­men­tie­ren und mit Euch tei­len. Ein küh­nes Un­ter­fan­gen, das ich ganz dem Motto der Wall­fahrt wid­men möch­te: „Au­gen­blick der Ewig­keit“ . Aber was sind über­haupt ewige Augen­blicke? Und lassen die­se sich so ein­fach fest­halten?

Vorbereitungen zur Romwallfahrt 2022

Vorfreude bei den Messdienerinnen und Messdienern aus Solingen (Radiobeitrag)

Eis essen, gemeinsam singen und gute Stimmung – worauf sich die Messdienerinnen und Messdiener aus Solingen besonders freuen, haben sie Elena Hong für die Sendung "Himmel und Erde lokal" erzählt. Der Beitrag lief am 15. September 2022 bei Radio RSG.

Mottolied zur Romwallfahrt 2022

Mottolied zur Romwallfahrt 2022

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www.erzbistum-koeln.de/romwallfahrt22