Der Kölner Dom und die Kirche des ehemaligen Klarissenklosters in Köln sind mit dem Deutschen-Lichtdesign-Preis ausgezeichnet worden.

17. Mai 2019 Kölner Dom

Bei einer Gala mit mehr als 400 Gästen in der Historischen Stadthalle Wuppertal sind der Kölner Dom und die Kirche des ehemaligen Klarissenklosters am 16. Mai mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis ausgezeichnet worden.

Der Kölner Dom wurde für seine Bewegtbild-Illumination „Dona nobis pacem“ in der Kategorie „ Lichtkunst“ ausgezeichnet. „Ich bin gerührt und dankbar für diese Auszeichnung“, sagte Dompropst Gerd Bachner am Abend in Wuppertal. „Herzlichen Dank an die Jury, die unsere Bewegtbildprojektion für preiswürdig erachtet hat. Zu den vielen positiven Stimmen, die mich unmittelbar nach den abendlichen Illuminationen auf die Südfassade des Domes erreicht haben, gesellt sich nun eine hochkarätige, künstlerische Anerkennung des Projekts.“

Beeindruckende Bilder bis zur Turmspitze

Dank zollte Bachner auch den beiden Medienkünstlern Detlef Hartung und Georg Trenz, dem Projekt-Kurator Helmut M. Bien und den Technikern der Firma Lang Medientechnik. „Sie alle haben Anteil daran, dass es gelungen ist, den Dom bis zur Turmspitze in 157 Metern Höhe in beeindruckende Bilder zu tauchen“, so der Dompropst. „So etwas hat es nicht nur in Köln noch nie gegeben.“

In der Eröffnungsrede des Abends hob Bachner den Wert von gestaltetem Licht für Kirchenbauten im Allgemeinen hervor. „In Zeiten der Dunkelheit erleben die Menschen nahezu einen Hunger nach Licht“, so Bachner. „Nach Lichtern, die den Weg weisen, die erklären und aufklären und Sinnbilder der Hoffnung auf Erleuchtung bieten. Es ist ein großer Segen, dass Lichtdesigner diese Aufgabe erspüren und ernst nehmen und Kirchen mit modernsten Licht-Medien dabei unterstützen, ihre Botschaften sicht- und erfahrbar zu machen.“

Kirchen als Oasen und Schutzräume

Lichtkonzeptionen und Lichtinstallationen könnten wertvolle Wegweiser sein. „Sie helfen dabei, zu vermitteln: Kirchenräume sind mehr als Touristenattraktionen“, so Bachner weiter. „Sie sind nicht bloß Orte von kunsthistorischer Bedeutung und musealem Charakter. Sie sind Oasen und Schutzräume, Orte, an denen man sich vor nichts und niemandem fürchten muss und deshalb sein Herz öffnen kann. Sie helfen uns dabei, den Kopf frei zu bekommen und den Alltag hinter uns zu lassen. Es sind Räume, in denen wir uns öffnen können – und die uns empfänglich machen für Worte, Gesang, Musik und Inspirationen. Orte, an denen wir unseren Alltag und unser ganzes Sein – um im Bild zu bleiben – in einem anderen Licht wahrnehmen können.“

Die Klarissenkirche Köln hat den Lichtdesign-Preis in der Kategorie Bildung gewonnen

Als das Klarissenkloster vom Erzbistum Köln mit Um- und Neubauten zum „ Integrativen Wohnprojekt Klarissenkloster“ transformiert wurde, änderte sich auch die Nutzung des Kirchenraumes. Dieser sollte nicht länger nur für Gottesdienste und Andachten genutzt werden, sondern darüber hinaus als Begegnungs- und Bildungszentrum unter Leitung der Caritas. Mit interkulturellen und seelsorgerischen Angeboten sollen die neuen Nachbarn – Geflüchtete und Kölner - direkt vor Ort vernetzt werden.

Das 1925 errichtete Kirchengebäude erinnert an die im Münsterland verbreitete spätbarocke Backsteinarchitektur, sachlich doch mit sakralem Charakter. LK Architekten, Köln, die mit der Umsetzung des Gesamtprojektes betaut waren, unterzogen auch den Kirchenraum einer deutlichen Wandlung. Dennoch bleibt der Raum ein Sakralraum. arens faulhaber lichtplaner unterstützen die Wirkung des Tageslichts mit in den Konchen der Wände angeordneten LED-Bodeneinbau-Wandflutern in Vierung und Altarraum, sowie LED-Profilen, tuneable white, in den Nischen den Langschiffs. Licht und Schatten stellen die Plastizität des weiß-weißen Kirchenraumes auf eine ebenso zurückhaltende wie selbstverständliche Art heraus und lassen den großen Kirchenraum in seiner Gesamtheit erkennbar werden.

Als Lichtobjekt und raumbildendes Element erfüllt eine Ellipse gleich mehrere Funktionen. Die in der hängenden Konstruktion integrierten Leuchten können die Lichtfarbe der Umgebung unterstützen. So kann das Kaltweiß, 5000K, direkt und indirekt strahlend, zur Unterstützung des Tageslichts eingesetzt werden, die warmen Töne, 3000K, schaffen eine angenehme Situation, wie sie zum Beispiel zur Meditation in dem vollständig geschlossenen Raum angewandt wird.  

Die Herausforderung dieses Projektes bestand darin, nicht nur für die verschiedenen Tageszeiten, sondern auch für die unterschiedlichen Gliederungen, vielseitigen Nutzungen und gewünschten Stimmungen des Kirchenraumes individuelle und gezielt steuerbare Beleuchtungsszenarien zu schaffen.

Auch in anderen Kategorien gewinnen Kirchen

Der Deutsche Lichtdesign-Preis hat sich als Indikator für herausragende Beleuchtungslösungen im deutschsprachigen Raum etabliert und ist in diesem Jahr zum neunten Mal verliehen worden. Ausgezeichnet wurden elf Projekte in verschiedenen Kategorien.

Die gut 15-minütige, typografische Bewegtbildprojektion „Dona nobis pacem“ der beiden Medienkünstler Detlef Hartung und Georg Trenz, die im Herbst 2018 auf der Südfassade des Kölner Domes zu sehen war, erinnerte in ihrem ersten Teil an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und rief im zweiten Teil zum Frieden in der Welt auf. Dazu erklangen musikalische Auszüge aus dem Requiem Nr. 1 in c-Moll von Luigi Cherubini und das „Dona nobis pacem“ aus der h-Moll-Messe Johann Sebastian Bachs.

 

Hinweis: An die Kölner Friedensnächte 2018 erinnert ein reich illustrierter Bildband, der im J.P. Bachem Verlag erschienen ist. Außerdem eine DVD, die den Eröffnungsabend mit prominenten Rednern dokumentiert. Beides ist erhältlich auf www.domkloster4.de.