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Service

Blick auf die Bedürfnisse dementiell veränderter Menschen zum Welt-Alzheimertag:Caritas-Seniorenzentrum St. Josef in Kerpen gibt Demenzkranken Raum

Ein Beispiel für die Haus(un)ordnung
Datum:
14. Sep. 2023
Von:
Newsdesk/jst
Blick auf die Bedürfnisse dementiell veränderter Menschen zum Welt-Alzheimertag

Zunehmende Vergess­lich­keit, Ge­dächtnis­stö­rungen oder Un­ruhe: In Deutsch­land sind etwa 1,8 Mil­lionen Men­schen von einer Demenz­erkrankung be­troffen. Sie und auch ihre An­gehö­rigen sind mit zahl­reichen Heraus­for­derun­gen und Hür­den kon­fron­tiert, die das bis­heri­ge Le­ben nach einer Diag­nose auf den Kopf stel­len.

Vie­le Be­troffene zie­hen sich zu­rück, wol­len die Diag­nose oder al­lein schon den Ver­dacht viel­leicht auch nicht wahr­haben. Der Welt-Alz­heimer­tag, der jedes Jahr am 21. September stattfindet, soll ein Zei­chen setzen: Er­krankte wer­den ge­sehen und sind nach wie vor Teil der Gesell­schaft. Er soll alle ins Boot ho­len, etwas dafür zu tun, dass de­men­tiell ver­änderte Men­schen Teil der Gesell­schaft blei­ben und nicht nur das gesehen wird, was sie nicht mehr können. In Kerpen ist der Caritasverband für den Rhein-Erft-Kreis jetzt neue Wege gegangen, um genau das zu erreichen.

Seniorenzentrum in Kerpen ist auf Demenzerkrankte ausgerichtet

Das Cari­tas-Senioren­zen­trum St. Josef in Kerpen-Buir wurde als Leuchtturmprojekt im Rhein-Erft-Kreis für gute Pflege und Betreuung dementiell veränderter Menschen konzipiert.

Im Februar 2023 fand die Eröffnung statt, im Au­gust war das Haus erst­malig voll be­legt. Das Be­son­dere an der Ein­richtung ist der Fo­kus auf Menschen mit De­menz, denn von den ins­gesamt 80 Plätzen sind der­zeit 24 für diese Personen­gruppe vorgesehen.

Kooperation mit der Universität Witten-Herdecke

Pflege und Be­treuung sol­len nach neuesten wissen­schaft­lichen Er­kennt­nissen er­fol­gen. Um dies zu ge­währ­leisten, be­steht eine Ko­opera­tion mit dem De­part­ment für Pflege­wissen­schaft der Uni­versi­tät Witten-Herd­ecke. Auf diese Weise sol­len auch Pro­jekte ent­stehen und eine Of­fen­heit ge­schaffen wer­den, sich mit dem The­ma aus­einander­zu­setzen, vor al­lem im Blick auf prak­tische As­pekte. Wie kann man den All­tag und das Um­feld einer demen­tiell verän­derten Per­son so ge­stalten, dass ihre Lebens­quali­tät weit­gehend erhal­ten bleibt, er oder sie sich nicht al­lein außer­halb der Ge­sell­schaft, sondern in ihr aufgehoben fühlt?

Handeln nach dem personkonzentrierten Ansatz

Auch auf die Aus­wahl des Per­so­nals wird ein be­son­deres Augen­merk ge­legt, d.h. man setzt auf geronto­psychia­trische Fach­kräfte und Pflege­fach­kräfte mit Er­fahrung im Demenzbereich.

Die Schu­lung der Fach­kräfte er­folgt durch die Köl­ner De­menz-Ex­pertin Barbara Klee-Reiter, die schwer­punkt­orien­tiert mit dem person­kon­zentrier­ten An­satz ar­beitet. Hier wer­den nicht vor­ran­gig die De­fizite ei­ner an De­menz er­krank­ten Per­son in den Vorder­grund ge­stellt, son­dern ihre Stär­ken. Wert­schät­zung, Freund­lich­keit und To­leranz sind da­bei die Wer­te, von de­nen sie sich lei­ten lassen sollen.

In der Praxis be­deu­tet dies, dass man im St. Josef Senioren­zen­trum im Wohn­be­reich für de­men­tiell ver­än­derte Be­wohner an­statt Re­geln, die all­ge­mein als Norm ver­stan­den wer­den, die Din­ge etwas an­ders an­geht. An­statt einer star­ren Haus­ord­nung gibt es hier die so genannte "Haus-(Un-)Ordnung".

Haus-(Un-)Ordnung ermöglicht Freiräume

Der Gedanke, dass alles „seine Ordnung“ haben muss, ist den meisten wohl nicht fremd. Was aber, wenn die Welt tatsächlich seit einer Demenz Kopf steht? Mit dem Konzept einer andersgestalteten Hausordnung – nämlich der tatsächlichen Aushebelung normativer Grundsätze – sollen die Bewohnerinnen und Bewohner ins Hier und Jetzt zurückgeholt werden.

Eine Hausordnung regelt für gewöhnlich, was man darf und was nicht. Menschen, die vergessen haben, wie etwas funktioniert, oder sich im Alltag nicht mehr allein zurechtfinden, stoßen hier schnell an Grenzen. Sie merken vor allem, dass etwas nicht stimmt. Dass sie etwas falsch machen, etwas nicht mehr können. Gespiegelt wird also nur das Unvermögen.

Um diese Negativspirale zu verhindern, greift die Haus-(Un-)Ordnung in St. Josef. Sie regelt vor allem, was man darf: Sich weitgehend frei bewegen. Sich einen Gegenstand nehmen, den man gerade interessant findet und der vielleicht gar nicht in den Raum gehört, in dem man gerade ist. Oder dass man sich hinlegen darf, wenn man müde ist, selbst wenn es nicht das eigene Zimmer ist.

Die Haus-(Un-)Ordnung bedeutet für dementiell veränderte Menschen, dass man sie so nimmt, wie sie sind. Für das Umfeld bedeutet es, dass es die vermeintliche Unordnung aushalten muss. Letztendlich kann man sich aber auch fragen: Ist es denn so wichtig, einem Menschen, dessen Welt immer mehr aus den Fugen gerät, stetig zu vermitteln, dass etwas so und nicht so gehandhabt wird – und dies nicht, weil es lebensnotwendig wäre (es gibt natürlich auch Grenzen, etwa wenn es um die Sicherheit geht), sondern weil man das halt immer schon so gemacht hat?

Ein Wollknäuel im Kühlschrank mag verwundern, schaden tut es aber nicht. Und hierauf baut das Konzept im Seniorenzentrum St. Josef und gibt demenzerkrankten Menschen den Raum, ihren Gedanken und ihrer Logik zu folgen.

Angebote zum Thema Demenz im Erzbistum Köln

Unter dem Motto "Leben in Fülle" hält die Altenpastoral im Erzbistum Köln verschiedene Informationen rund um die Lebensphase Alter bereit, so auch zum Thema Demenz und Seelsorge. Die Pastoral nimmt dabei den ganzen Menschen in den Blick und schafft ein seelsorgliches Bewusstsein dafür, Menschen mit Demenz nicht als Problem zu betrachten, sondern sie als Bereicherung für Gesellschaft und Kirche anzunehmen.

Zum Thema Demenz und Umgang mit Demenzerkrankten hat die Altenpasotral verschiedene Materialien erstellt. Sie sind für die Begnung mit an Demenz erkrankten Menschen gedacht, sollen zur Reflexion der eigenen Haltung anregen sowie zum Nachdenken über Demenz aus Perspektive von Glauben und Spiritualität ermutigen.

Das Angebot reicht von Kartensets zum spirituellen Zugang zur Demenz über die Wanderausstellung "Mensch.Demenz.Kirche", die sich dem Thema mit Fotografien und Impulstexten nähert und zur Auseinandersetzung anregt, bis hin zu Informationen zum ökumenischen Projekt "dabei und mittendrin – Gaben und Aufgaben demenzsensibler Kirchengemeinden" und der Netzwerkstelle Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz.

Die Diözesan- und Dombibliothek hat eine Liste mit Filmen zum Thema Demenz zusammengestellt.

Ökumenische Veröffentlichung zum Umgang mit Demenz

Die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) haben einen gemeinsamen Text veröffentlicht: „Menschen mit Demenz in der Kirche – wie eigene Angebote gelingen“.

Die Publikation ist als PDF-Datei zum Herunterladen unter www.dbk.de in der Rubrik Publikationen verfügbar. Dort kann das Dokument auch als Broschüre (Gemeinsame Texte Nr. 29) bestellt werden.

Welt-Alzheimertag nimmt Demenzerkrankte in den Fokus

Wenn der eigene All­tag durch­einander­ge­bracht wird, weil man sich an be­stimm­te Din­ge nicht er­innern kann, die Orien­tie­rung ver­liert oder die Um­welt auf ein­mal anders wahr­nimmt, kann dies ver­un­sichern – auch An­ge­höri­ge.

Demenz kann auch Jüngere treffen

Demenz ist im Übrigen keineswegs eine reine Alterserkrankung, sondern kann auch Menschen betreffen, die jünger als 65 Jahre sind. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist zwar nur ein kleiner Prozentsatz der an Demenz Erkrankten zwischen 45 und 65 Jahre alt – das klingt nicht viel, tatsächlich betrifft es aber in Deutschland etwa 100.000 Menschen.

Das Thema Demenz geht somit letztendlich alle etwas an. Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal an einer Form der Demenz zu erkranken und auf Hilfe angewiesen zu sein, steigt mit fortschreitendem Lebensalter.

Eine Aktionswoche für die Belange von Demenzkranken und ihrer Angehörigen

Plakat zum Welt-Alzheimertag 2023

Seit 1994 findet jähr­lich der Welt-Alz­heimer­tag statt. Nur ein Jahr nach seiner Ein­füh­rung wur­de eine gan­ze De­menz-Woche eta­bliert, die je­des Jahr rund um den Welt-Alz­heimer­tag am 21. September be­gan­gen wird. Das Mot­to des dies­jäh­rigen Welt-Alz­heimer­tags lautet „Demenz – die Welt steht Kopf“.

Mit ver­schie­denen Ak­tionen wird in diesem Zeit­raum die Ge­sell­schaft auf die Si­tua­tion von Men­schen auf­merk­sam ge­macht, die an Demenz­er­kran­kungen lei­den. In die­sem Jahr fin­det die Woche der De­menz vom 18. bis zum 24. Sep­tember statt. Zahl­reiche Ver­an­stal­tungen sol­len das Ver­ständ­nis und die Unter­stützung für Be­troffene und ihre pfle­gen­den An­gehöri­gen stärken.

Verschiedene Einrichtungen bieten während der Woche der Demenz Informationsveranstaltungen und Aktionen an, um auf die Situation von an Demenz Erkrankten und ihren Angehörigen aufmerksam zu machen.

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