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Ramadan und christliche Fastenzeit beginnen gleichzeitig:Ein Christ und eine Muslima im interreligiösen Dialog

Datum:
17. Feb. 2026
Von:
Newsdesk/vst
2026 beginnen der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit vor Ostern fast zeitgleich. Benjamin Gerlich und Dr. Nasrin Bani Assadi berichten, wie sie der kommenden Fastenzeit begegnen und was sie ihnen bedeutet.

Benjamin Gerlich ist Referent im Fachbereich Dialog im Erzbistum Köln. Während seines Dissertationsstudiums in Bonn freundete er sich mit Dr. Nasrin Bani Assadi an, die 2023 ihre Promotion in Komparativer Theologie abschloss. Bani Assadi arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bonn und stammt aus dem Iran. Im Gespräch berichten sie von ihren persönlichen Erfahrungen und Erwartungen an die bald beginnende Fastenzeit.

Fastenzeiten beginnen gleichzeitig

Der Beginn des Ramadan fällt in diesem Jahr auf den Beginn der christlichen Fastenzeit am Aschermittwoch, dem 18. Februar. Während Christinnen und Christen traditionell etwa auf Fleisch und Alkohol verzichten, bedeutet Fasten für Musliminnen und Muslime, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken. Ausnahmen gelten für Kinder, Schwangere, alte und erkrankte Menschen.

Zeit der Reflexion und Besinnung

Dr. Nasrin Bani Assadi und Benjamin Gerlich verstehen Fasten als eine Gelegenheit, über die eigene Religiosität nachzudenken und aus dem Alltag herauszutreten. „Fasten bedeutet für mich, aus dem Autopiloten des Alltags auszusteigen. Man wird reflektierter: Was mache ich eigentlich? Warum tue ich das? Am Ende des Monats verändert sich die Beziehung zum Hunger – man wird geduldiger, weniger dramatisch“, sagt Bani Assadi.

Auch Gerlich betont die transformative Wirkung: „Fasten ist eine Korrektur – zurück auf ein normales Niveau. Durch die körperlichen Entbehrungen erfahren wir oft eine neue geistige und spirituelle Dimension.“ Dazu gehöre für ihn auch, sich mit dem eigenen Lebensweg auseinanderzusetzen und zu fragen: „Welche Entscheidung sollte ich dieses Jahr noch treffen?“

Individuelle und kollektive Erfahrung

„Im muslimischen Kontext ist Fasten sehr sichtbar“, erklärt  Bani Assadi. „Wenn man nichts isst und nichts trinkt, muss man das erklären – und dadurch entsteht automatisch ein kollektives Gefühl. Alle wissen, warum gerade nicht gegessen wird. Die Zeit selbst fühlt sich anders an: Sie orientiert sich an Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, alles wird langsamer.“

Das christliche Fasten hingegen sei eher eine persönliche und subjektive Erfahrung. Gerlich betont jedoch: „Gerade diese gemeinschaftliche Dimension – Fasten, Distanz und dann Nähe beim gemeinsamen Essen – wird heute wieder wichtiger. Man denke nur an die wieder häufiger stattfindende Agape nach der Osternacht!“ Der Theologe  erklärt, dass das Fasten in der christlichen Tradition früher ebenfalls stärker gemeinschaftlich gelebt wurde, etwa in der Urkirche und bis heute in den orthodoxen Kirchen.

Ein Fasten wie in der Urkirche lasse sich heute kaum noch umsetzen, so Gerlich. In Klöstern lebe diese Form jedoch vielerorts weiter – als spiritueller Rückzug und Verzicht auf tierische Produkte. „Nach der Schöpfungsidee sollen wir leben wie die Tiere und uns von den Früchten des Feldes und der Bäume ernähren. Fasten im christlichen Sinne bedeutet eigentlich, wieder so zu werden wie die ersten Menschen, die von Gott geschaffen wurden, und damit wieder vollumfänglich in seiner Schöpfungsordnung zu leben.“

Fastenzeit im Vergleich

Die christliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet an Ostern. Sie findet jedes Jahr im Frühjahr statt und richtet sich nach dem Osterdatum. Der Ostersonntag fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Der Ramadan wird nach dem islamischen Mondkalender berechnet und verschiebt sich daher jährlich um etwa zehn bis zwölf Tage. In den Jahren 2025, 2026 und 2027 fallen die Fastenzeiten des Christentums und des Islams zusammen.

Gefühl der Fastenzeit

Für Bani Assadi war ihre erste Fastenzeit in Deutschland eine neue Erfahrung, da sie weniger kollektiv war als in ihrer Heimat Iran. Gleichzeitig genoss sie diese Form: „Als Muslimin kann ich meine Religiosität auch individuell praktizieren. Ich war mit dieser Erfahrung allein. Das war eine andere Form von Spiritualität, die ich ebenfalls genossen habe. Ich hatte ein Geheimnis, von dem niemand wusste.“Jede Fastenzeit sei anders, erzählt Bani Assadi, weshalb sie jedes Jahr gespannt darauf sei. Sie beschreibt das Fasten als „transformativ“. 

Auch Gerlich freut sich auf diese Zeit, insbesondere nach den vielen Festen wie Advent, Weihnachten und Karneval. „Das ist eine Zeit der Überfülle, in der man das Leben feiert. In der Fastenzeit beginnt sozusagen eine andere Facette des Lebens.“In den vergangenen Jahren habe er unterschiedliche Formen des Fastens ausprobiert – vom Verzicht auf Fleisch und Alkohol bis hin zu Social Media. Für ihn helfe das Fasten, den eigenen Konsum wieder auf ein Mittelmaß auszurichten: „Im Alltag erleben wir einen Überkonsum. In unserer Gesellschaft können wir jeden Tag Fleisch essen, jeden Tag Alkohol trinken. Fast jeden Tag sind Clubs, Diskotheken und Restaurants gefüllt. Alles ist immer verfügbar – und gerade deshalb ist es eine bewusste und gute Praxis, diesen Überkonsum zu reduzieren.“

Bani Assadi und Gerlich haben dieses Jahr vor, die Fastenzeit gemeinsam zu begehen, indem sie ein gemeinsames (muslimisches) Fastenbrechen mit vegetarischen Speisen begehen, begleitet mit Gebeten und Texten aus der jeweils eigenen Tradition.

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