Ein offener Ort für Kinder und Familien – Fünf Jahre Kinderkirche in Porz
Wie alles begann...

Frage: Die Kiki Porz wird fünf Jahre alt. Wie hat sich das alles entwickelt?
Franziska Wallot: Am Anfang stand ein längerer Prozess: Die Gemeinde und verschiedene Akteure haben überlegt, wohin es mit diesem Standort gehen soll. Gemeinsam fiel die Entscheidung, Kinder und Familien in den Mittelpunkt zu stellen. Mit der Familienpastoral des Erzbistums haben wir dann überlegt, wie das konkret aussehen kann.
Wir haben den Kirchenraum mit Erlebnisstationen zur Heiligen Schrift umgestaltet. Wichtig war uns dabei nicht nur die Gestaltung, sondern auch die Haltung dahinter: Wir sind offen. Die Kirche sollte am Nachmittag geöffnet sein – als Ort, an dem Familien und Kinder zur Ruhe kommen und eine Auszeit vom oft stressigen Alltag finden können.
Dass das angenommen wird, haben wir sehr schnell gemerkt. Schon bei einer der ersten Öffnungszeiten ist ein Kind in die Kirche gelaufen, und die Mutter sagte: „Heute können wir leider nicht hier sein.“ Das Kind war richtig traurig, dass es wieder gehen musste. Das war für uns eine schöne Erfahrung.
Dort präsent sein, wo Familien sin

Frage: Wie haben Sie die Kiki Porz bekannt gemacht?
Franziska Wallot: Wir haben von Anfang an gesagt: Wir müssen dort präsent sein, wo Familien unterwegs sind. Deshalb sind Instagram und Facebook wichtige Kanäle für uns – Facebook auch mit Blick auf die Großeltern. Später kam WhatsApp dazu, weil darüber viele Absprachen unter Eltern laufen.
So können wir aktuell auf Veranstaltungen hinweisen, einladen und durch das Kirchenjahr begleiten – etwa mit Impulsen im Advent. Gedruckte Medien nutzen wir kaum noch. Es gibt einen allgemeinen Flyer, aber ansonsten verzichten wir aus Umweltgründen weitgehend auf Drucksachen.
Glauben spielerisch erfahren
Frage: Sie sprechen von einer Begleitung durch das Kirchenjahr bei Kindern und Familien. Wie wichtig ist dieser Aspekt oder geht es zunächst erst einmal darum, die Kinder an den Glauben heranzuführen?
Franziska Wallot: Es geht um beides: um Glaubensvermittlung und darum, den Kirchenraum erfahrbar zu machen. Die Kinder lesen nicht ständig Texte an den Stationen – sie spielen dort, entdecken den Raum, nehmen etwas auf. Aber wir sind überzeugt, dass die Stationen wirken.
Besonders gute Erfahrungen machen wir mit unserem Weg in der Fastenzeit. Dort wird die Passionsgeschichte kindgerecht erklärt und dargestellt. Auch das Adventskranzbasteln ist jedes Jahr ein Highlight: Da kommen ganz unterschiedliche Menschen, die einfach einen Adventskranz gestalten möchten – und bekommen zugleich einen kleinen gottesdienstlichen Einstieg in den Advent.
Umbau mit Blick auf die Kinder
Frage: Das Nutzungskonzept war ein längerer Weg, bei dem Sie die Gemeinde und die entsprechenden Gremien mit auf den Weg nehmen mussten. Und ich habe auch gesehen: So baulich ist ja jetzt an der Kirche gar nicht so viel verändert?
Franziska Wallot: Im Moment leben wir noch mit einem Provisorium. Aber wir können inzwischen planen, wie die Umgestaltung des Raumes aussehen soll. Wichtig ist, dass sie zum Konzept der Kinderkirche passt und zugleich allen liturgischen Anforderungen entspricht.
Also zum Beispiel beim Tabernakel möchten wir da perspektivisch auch einen Ort haben, wo die Kinder wirklich zur Ruhe und zum Gebet kommen können – und das haben wir jetzt noch nicht.
Frage: Sie sprachen davon, dass jetzt eine größere Umbaumaßnahme ansteht, auch aus Sanierungsgründen. Wird der Raum nachher völlig anders aussehen?
Franziska Wallot: Wir haben den Entwurf eines Architekturbüros vorliegen, das gerade die Kosten ermittelt. Bei diesem Entwurf hat uns vor allem beeindruckt, dass vieles von dem, was jetzt schon da ist, aufgegriffen, aber noch mal besser strukturiert und geordnet wird.
An der Stelle, wo jetzt der Altar steht, ist ein großes „Haus der Evangelisten" oder „Haus der Frohen Botschaft" geplant. Dort wird noch einmal die Geschichte von Jesus über die vier Evangelisten erzählt. Das wird im Raum ziemlich beeindruckend sein, und sicherlich wird sich die ganze Wirkung des Raumes dadurch noch verändern.
Was sich in fünf Jahren verändert hat
Frage: Haben sich Ihre Erwartungen an die Kinderkirche erfüllt?
Franziska Wallot: Wir hatten am Anfang keine ganz konkreten Vorstellungen, wo wir nach fünf Jahren stehen würden. Aber rückblickend hat sich viel entwickelt. Diese Grundhaltung, offen zu sein, prägt vieles: Der Raum war zum Beispiel auch ein Willkommensort, als die Gemeinde ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat.
Auch in den Sonntagsgottesdiensten hat sich etwas verändert. Wir versuchen, Kindern und Familien dort einen guten Platz zu geben – etwa indem Kinder Leuchter tragen, bei der Gabenbereitung helfen oder zur Kommunion schellen.
Ein festes Element ist außerdem, dass die Menschen nach der Begrüßung kurz miteinander ins Gespräch kommen: Was bringen sie aus der Woche mit? Was hat sie gefreut? Worüber machen sie sich Sorgen? Wofür sind sie dankbar? Das legen wir dann symbolisch mit auf den Altar. Es ist schön zu sehen, dass auch langjährige Gemeindemitglieder aufstehen, auf andere zugehen und miteinander sprechen.
Nachhaltigkeit und Sozialraum

Frage: Draußen vor der Kirche gibt es Hochbeete und Pflanzungen. Welche Rolle spielt dieser Aspekt?
Franziska Wallot: Wir haben als Gemeinde beim Biodiversitäts-Check des Erzbistums mitgemacht und dazu auch Workshops mit Familien und Kindern durchgeführt. Dabei haben wir geschaut, welche Pflanzen hier wachsen, was nicht heimisch ist und wie wir mehr Bewusstsein für Schöpfung und Nachhaltigkeit schaffen können.
Der Vorplatz ist dadurch zu einem kleinen Treffpunkt geworden. Menschen bleiben am Hochbeet stehen, schauen, was wächst, und kümmern sich mit. Außerdem sind wir mit anderen Kirchengemeinden vernetzt, die sich ebenfalls für dieses Thema engagieren.
Eine Marienfigur als neuer Ort für Kinder
Frage: Aktuell gibt es ein Projekt mit einer Marienfigur. Worum geht es dabei?
Franziska Wallot: Unser Ziel ist es, verlässliche Orte für Kinder und Familien zu schaffen – und zugleich die Akteure in den Gemeinden miteinander zu vernetzen. In St. Maria Geburt in Zündorf gibt es eine sehr aktive Gruppe, die seit Jahren Kindergottesdienste gestaltet. Auch dort wird über eine Umgestaltung des Kirchenraums nachgedacht.
Die Idee ist, Maria dort stärker in den Mittelpunkt zu stellen und vielleicht einen kleinen Pilgerort für Kitas oder Gruppen zu schaffen. Zündorf eignet sich gut als Ausflugsziel, und die Kirche ist den ganzen Tag geöffnet. Die Gemeinde erlebt, dass häufig Großmütter mit ihren Enkelkindern kommen und eine Kerze anzünden.
Die Marienfigur soll an eine Schutzmantelmadonna erinnern. Kinder sollen sich in irgendeiner Form unter dem Schutzmantel Marias verewigen können. So entsteht ein Ort, an dem sie sich ausruhen, zur Ruhe kommen und Maria auf kindgerechte Weise begegnen können.
Das Interview führte Markus Schüppen
Infos zur Person:

Franziska Wallot ist Pastoralreferentin im Pastoralteam der katholischen Kirche in Porz.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Familienpastoral. Sie ist verantwortlich für die pastorale Leitung des Katholischen Familienzentrums und der Kinderkirche Christus König in Porz. Das Familienzentrum verbindet fünf katholische Kindertagesstätten mit weiteren Einrichtungen und Diensten für Familien.
Darüber hinaus ist Franziska Wallot ist Präventionsfachkraft für die katholischen Kirchengemeinden in Porz. In dieser Funktion berät und unterstützt sie Gemeinden und Einrichtungen bei Fragen des Schutzes von Kindern, Jugendlichen und anderen Schutzbefohlenen sowie bei der Umsetzung von institutionellen Schutzkonzepten.
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