Aufruf wendet sich an unbekannte Missbrauchsbetroffene des verstorbenen Pfarrers Msgr. P.

29. Juni 2022 pek220629

Erzbistum Köln. Der Stabs­stelle Inter­vention des Erz­bistums Köln liegen Mel­dungen zu einem ver­stor­benen Priester vor. Deshalb wendet sie sich nun an den ehe­maligen Einsatz­orten des Priesters mit einem Auf­ruf an mögliche, bisher unbe­kannte Miss­brauchs­be­troffene.

Bei dem Priester handelt es sich um den im Februar 2019 ver­stor­benen Pfarrer P. Er wird be­schul­digt, einen schutz­be­dürftigen Er­wachse­nen in den 70er-Jahren sexuell miss­braucht zu haben. Die be­troffene Person hatte sich im Jahr 2012 an das Erz­bistum Köln gewandt. Darauf­hin wurde seitens des Erz­bistums ein Ver­fahren einge­leitet und das Er­geb­nis der Unter­suchung der Glaubens­kongre­gation in Rom übermittelt.

Im Laufe des Ver­fahrens konnte aufgrund fehlender Erinnerung der be­troffe­nen Person nicht abs­chließend ge­klärt werden, ob sie zum Tat­zeit­punkt das 18. Lebens­jahr bereits voll­endet hatte. Da die Person aber im Rahmen eines Arbeits­verhält­nisses für P. tätig war, handelte es sich in jedem Falle um einen schutz­be­dürf­tigen Erwachsenen.

Da sich der Vorwurf im Rahmen der Unter­suchung teilw­eise bestä­tigte, erteilte Kardi­nal Joachim Meisner Pfarrer P. im Februar 2014 einen Ver­weis und erlegte ihm eine Geld­strafe auf. Zusätz­lich wurde dem Pfarrer, der sich zu diesem Zeit­punkt bereits im Ruhe­stand befand, der Kontakt mit Minder­jährigen ohne An­wesen­heit wei­terer erwachsener Personen verboten.

Im Rahmen der Auf­arbeitung des Erzbistums Köln wurde der Fall im Jahr 2018 der zuständigen Staats­anwalt­schaft nach­gemeldet, welche auf­grund bereits einge­tretener Ver­jährung keine Ermitt­lungen auf­nahm. Im Jahr 2021 ergaben sich Hin­weise auf mögliche weitere Be­troffene, welchen die Stabs­stelle Inter­vention nach­ge­gangen ist. Da P. zu diesem Zeit­punkt bereits ver­storben war und seine Tätig­keit sich weit über das Erz­bistum Köln hinaus erstreck­te, wiesen die not­wen­digen Re­cherch­en eine hohe Kom­plexität auf.

Nach Abschluss der Recherch­en wird nun die Öffent­lich­keit informiert. Dazu er­folgen im Zeit­raum vom 02.07.2022 bis zum 10.07.2022 Auf­rufe an mögliche, bisher un­be­kannte Be­troffene an allen ehe­maligen Einsatz­orten von Pfarrer P.
Im Einzelnen sind dies:

02.1966 - 03.1971 Kaplan an Herz Jesu, Euskirchen
03.1971 - 10.1972 Kaplan an St. Joseph, Bonn
03.1971 - 10.1972 Stadtjugendseelsorger im Stadtdekanat Bonn
12.1972 - 10.1989 Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg und
11.1972 - 10.1989 Diözesanjugendseelsorger der Mannesjugend im Erzbistum Köln
11.1977 - 12-1983 Referent für Glaubensbildung am Jugendhaus Düsseldorf e.V.
10.1989 - 02.2000 Pfarrer an St. Martinus, Kaarst
02.2000 - 03.2010 Präsident des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘, Aachen
07.2010 - 07.2012 seelsorgerische Tätigkeit in der deutschsprachigen Seelsorge in Prag

In den 1970er Jahren war P. auch als geistlicher Beirat der kath. Heimstatt-Bewegung im Erz­bistum Köln und als Diözesan­präses des BDKJ Diözesan­verbands Köln tätig.

Auch wenn bei bereits ver­storbenen Beschuldig­ten eine abschließen­de Klärung nur in seltenen Fällen möglich ist, sieht sich das Erzbistum Köln den Betroffe­nen von sexua­lisierter Gewalt gegen­über in der Pflicht, allen Hin­weisen nachzu­gehen, um den Sach­verhalt möglichst um­fäng­lich zu klären. Es nimmt jeden Fall oder Verdacht von sexuell­em Miss­brauch und sexua­lisierter Gewalt sehr ernst und möchte jedem einzelnen Betroffe­nen die notwendige Hilfe und Unter­stützung zu­kommen lassen. Denn nur durch konkrete Hinweise kann jeder (Verdachts-)Fall möglichst umfassend aufge­arbeitet werden.


Aus diesem Grund ermutigt und bittet das Erzbistum Köln Betroffene und/oder Zeugen, sich an die unten genannten externen Ansprech­personen zu wenden:

Tatjana Siepe

Ansprechperson für Betroffene von sexuellem Missbrauch
Psychologin (M.Sc.)

Peter Binot

Ansprechperson für Betroffene von sexuellem Missbrauch
Kriminalhauptkommissar a.D., Psychologischer Berater & Coach