Pontifikalamt unter freiem Himmel und Prozession durch die Kölner Innenstadt

16. Juni 2022 Newsdesk/ke,je
Monstranz auf dem Altar am Roncalliplatz.

Köln. Unter strah­lend blau­em Himmel feier­ten rund fünf­hundert Gläu­bige die Hei­lige Messe an Fron­leich­nam auf dem Roncalli­platz vor dem Süd­portal des Köl­ner Doms. Darun­ter die Kommunion­kinder der Dom­sing­schule mit ihren Familien sowie Ver­eine, Ver­bände, Or­den, Ver­treter des kirch­lichen und bürger­lichen Lebens und die Gemein­den der Inter­nationalen katho­lischen Seel­sorge. „Ich freue mich, dass wir nach zwei Jahre der Pan­demie heute wieder in so großer Zahl auf dem Roncalliplatz ver­sammelt sind und gemein­sam diesen Fest­tag be­gehen können“, sagte Erz­bischof Rainer Maria Kar­dinal Woelki zu Be­ginn des Ponti­fikal­amts. Der Erz­bischof be­ton­te die Be­deutung von Fron­leichnam, das seit Jahr­hunderten zum Herz­stück der Diö­zese ge­höre. „Von hier ist ein­mal die Ver­brei­tung des Fron­leich­nams­festes in alle Welt mit ausge­gangen“.

Musi­kalisch gestal­tet wurde der Gottes­dienst vom Kölner Dom­chor und dem Mädchen­chor am Kölner Dom unter der Lei­tung von Eberhard Metternich, Simon Schuttemeier, Oliver Sperling und Patricia Langenmantel sowie von den Blech­bläsern der Kölner Dom­musik.

Woelki: „Ein Glaube, der nicht gelebt wird, ist tot!“

In seiner Pre­digt frag­te der Köl­ner Erz­bischof, ob die Köl­ner Fron­leich­nams­prozession mit ihrer fast 750-­jährigen Tradi­tion noch in unsere Zeit passe. Schließ­lich hätte sich die Gesell­schaft sehr verän­dert und sei heute multi-­kulturell und multi­religiös. Der Glaube und das Reli­giöse hin­gegen wür­den gesell­schaftlich immer mehr aus der Öffent­lich­keit zurück­gedrängt und zur Privat­sache er­klärt. Die Pro­zession sei aber eben keine Demon­stration, um uns als Chris­ten zu zeigen, son­dern um den Herrn selbst zu zei­gen.

Beson­ders mit Bezug auf die Fron­leichnams­prozession erwi­derte Woelki: „Der Glau­be ist etwas sehr Persön­liches. Aber er lässt sich nicht ein­grenzen auf das, was in un­seren Her­zen ist. Der Glau­be lässt sich auch nicht nur auf den Raum der Kirche ein­grenzen. Nein, er um­fasst unser gan­zes Leben in allen sei­nen Dimen­sionen, mit Beruf und Frei­zeit, mit Ehe, Familie, Schu­le und Stu­dium. Er um­fasst das öffent­liche Leben, den Staat und die Gesell­schaft. Immer und über­all sind wir Chris­ten und leben, was wir glau­ben. Denn Glau­be und Leben ge­hören zu­sammen. Ein Glau­be, der nicht gelebt wird, ist tot! Und ohne Glau­ben ver­liert das Leben seinen Tief­gang.“

Der Kar­dinal hob zudem den Gemein­schafts­aspekt von Fron­leich­nam her­vor, denn als „ ein­zelner kann man näm­lich keine Pro­zession machen“. Und diese Gemein­schaft werde nur mög­lich in der Gemein­schaft zu Jesus Chris­tus.

Fron­leichnams­prozession und Eucha­ristischer Se­gen

Im An­schluss an das Ponti­fikalamt zogen die Gläu­bigen in einer Pro­zession mit dem Aller­heiligsten durch die Köl­ner Innen­stadt zur Minoriten­kirche. Dort hielt der Köl­ner Erz­bischof gemein­sam mit dem Dom­kapitel eine Statio. Die Fron­leichnams­prozession soll ein Zei­chen des Glau­bens sein, dass Gott die Liebe ist, dass er zu den Men­schen geht und auch heute Le­ben, Freu­de und Sor­gen der Men­schen teilt. Gleich­zeitig ist die Pro­zession Ab­bild der Kir­che aus allen Völ­kern und Gene­ratio­nen.

Die Pro­zession endete im Kölner Dom mit dem Eucha­risti­­schen Segen. Heute haben wir von Gott die Zusage erhalten, dass er alle Tage bei uns ist, sagte Kardinal Woelki zum Abschluss der Segensfeier. „Alles was möglich war, haben wir [heute] in den Dienst ge­stellt, um Gott, um Jesus Chris­tus die Ehre zu er­weisen.“ Der Erzbischof dank­te den Gläu­bigen für ihr Glau­bens- und Lebens­zeugnis, ihre Treue zu Chris­tus, zum Evan­gelium und damit immer auch zur Kir­che. Chris­tus sei nie ohne Kir­che zu den­ken. „So wollen wir uns heute von hier aus er­neut auf­machen un­seren Glau­ben zu le­ben.“

Fronleichnam 2022: Pontifikalamt und Prozession am Kölner Dom