Partnerschaft mit Erzbistum Tokio

24. Januar 2022 pek220124-tga

Erzbistum Köln. Am 30. Januar 2022 rufen die Erzbistümer in Köln und Tokio dazu auf, den alljährlichen „Tokyo-Sonntag“ als Weltgebetstag für Myanmar zu begehen. In den Gottesdiensten am Samstagabend und Sonntag sammeln sie gemeinsam die Kollekte und beten für die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt. 

Die beiden Erzbistümer blicken gemeinsam mit dem Bistum Regensburg und dem Katholischen Akademischen Ausländerdienst (KAAD) mit Sorge auf die angespannte Situation der Menschen in Myanmar. Daher laden sie in diesem Jahr besonders dazu ein, durch die Kollekte und die Gebete Solidarität mit den Menschen in Myanmar zu zeigen. Die Kirche in Myanmar unterstützt seit Jahren mit ihrem Einsatz alle Myanmaren und fördert dadurch den Dialog jenseits von Religion und Ethnie.

Leben nach Militärputsch vor einem Jahr

Genau vor einem Jahr, am 1. Februar 2021, wurde die demokratisch gewählte Regierung in Myanmar durch einen gewaltsamen Militärputsch gestürzt. Bis heute kommt es in dem südostasiatischen Land zu kriegerischen Konflikten, bei denen vor allem Minderheiten die Leittragenden sind. Dörfer und Städte, Kirchen und Klöster werden bombardiert und von Artillerie beschossen, Zivilisten als lebendige Schutzschilde missbraucht, Dörfer werden niedergebrannt und die Reisernte vom Militär geplündert. 

Die Christen vor Ort beteiligen sich an den Protesten gegen das Militär. Sie fordern Frieden für jeden Menschen in ihrem Land. Bei einer Straßenkontrolle am Heiligen Abend wurden mehr als 35 Menschen getötet, darunter viele Frauen und Kinder, schildert Father Celso Ba Shwe, der Apostolische Administrator, der Diözese Loikaw der Abteilung Weltkirche-Weltmission im Erzbistum Köln. Die Lage in der Provinzhauptstadt Loikaw im Osten des Landes eskaliere derzeit durch Stromausfälle, zeitweises Abschalten des Internets und weitere Gewalt. Zahlreiche Christen in Myanmar flüchten in diesen Tagen aus der Stadt, um sich vor neuen Eskalationen in Sicherheit zu bringen.

„Dass wir am kommenden Wochenende gemeinsam für die Menschen in Myanmar beten und dort bereits seit Jahren verschiedene Projekte unterstützen, zeigt, wie kraftvoll die Partnerschaft der beiden Bistümer Tokio und Köln heute ist", so Nadim K. Ammann, Leiter der Abteilung Weltkirche-Weltmission im Erzbistum Köln.

Geschichte des Tokyo-Sonntags

Seit 68 Jahren gibt es die "Gemeinschaft des Betens und gegenseitigen Sich-Helfens". Der Kölner Kardinal Josef Frings und sein japanischer Amtsbruder Peter Tatsuo Doi aus Tokio haben die partnerschaftliche Unterstützung im Jahr 1954 ins Leben gerufen. Gleichzeitig zum „Tokyo-Sonntag“ im Erzbistum Köln wird im Erzbistum Tokio der „Köln-Sonntag“ gefeiert. Bis heute besuchen Bischöfe beide Bistümer und beleben in gemeinsamen Anliegen die Partnerschaft. Eine finanzielle Unterstützung aus Köln für das Partnerbistum Tokio ist schon seit dem japanischen Wirtschaftsaufschwung der 1960er- und 70er-Jahre nicht mehr nötig. Beide Bistümer unterstützen daher bereits seit Jahren Projekte in Myanmar und beten für die Menschen vor Ort. Aufgrund des Militärputsches und der besonderen Ausnahmesituation legen sie den Fokus in diesem Jahr gezielt auf die Situation der Christen in Myanmar.

Hinweis zur Schreibweise von Tokio/Tokyo:
Grundsätzlich wird die Stadt Tokio laut Duden mit "i" geschrieben, die Schreibweise mit "y" ist als Nebenform möglich. Der "Tokyo-Sonntag" ist ein feststehender Begriff im Erzbistum Köln und wird daher mit "y" geschrieben. Ansonsten wird in diesem Artikel die Hauptform der Schreibweise genutzt.

(Artikel korrigiert am 27.01.2022)

Eindrücke aus Myanmar

Ein Augenzeugenbericht vor Ort: So erleben Gläubige in diesen Tagen die Situation in Myanmar

Theresia*, erzählen Sie uns: Wie ist die Situation in den Kirchen vor Ort in Myanmar?

Die Militäroffensiven haben die meisten Menschen aus dem Bundesstaat Kayah gewaltsam vertrieben. In Kayah ist der Großteil der Bevölkerung katholisch, obwohl die Katholiken in ganz Myanmar nur etwa 1 % der Bevölkerung ausmachen. Dabei scheint das Militär seine Gewalt absichtlich gegen Katholiken zu richten. Wir verzeichneten bisher Angriffe auf folgende Gemeinden: 

Diözese Loikaw, 2021-2022:

  1. Sacred Heart of Jesus, Kayan Tharyar
  2. Mary Queen of Peace, Daw Ngan Kha
  3. St. Joseph, Demoso
  4. Our Lady of Lourdes, 6 Mile
  5. Immaculate Conception of Mary, Hpruso
  6. Christ the King Cathedral, Loikaw
  7. Sacred Heart of Jesus, Daw Oo Khu (13.01.2022)

Diözese Phekon, 2021:

  • Sacred Heart of Jesus Cathedral, Phekon

Wovor konkret haben die Menschen Angst?

Die meisten Menschen haben Angst, dass Myanmar wieder unter einer Militärdiktatur stehen wird, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Wir müssen diesen Kampf gewinnen und die Militärdiktatur beenden. Wenn die Menschen in Myanmar den Kampf gegen das Militär verlieren, werden nicht nur die Menschen leiden, die gegen die Militärdiktatur sind. Auch unsere zukünftige Generation wird leiden, und wir wollen nicht, dass unsere Generation noch einmal so leidet wie wir in der Vergangenheit.

Worauf ist die zunehmende Gewalt zurückzuführen?

Das Militär hat aggressive und offensive Aktionen gegen die Menschen in Myanmar gestartet, da es die Situation vollständig unter Kontrolle bringen wollte. Es setzt Artillerie, Luftangriffe, Düsenjäger und schwere Maschinengewehre gegen Zivilisten ein. Der offensive Angriff des Militärs kostete viele Menschen das Leben, viele Häuser wurden beschädigt und viele Menschen wurden zu Vertriebenen. 75% der Bevölkerung des Staates Kayah (offiziell Karenni Staat genannt) sind jetzt Vertriebene, sogenannte „internally displaced people“ (IDPs). 

Das Militär verhaftet willkürlich in Dörfern und Städten und benutzt Menschen als Schutzschild. Es brennt die Wohnhäuser nieder und tötet Zivilisten nach Belieben während Sicherheitsüberprüfungen. Diese schrecklichen Aktionen des Militärs machen die Menschen in Myanmar wahnsinnig und graben sich ins Gedächtnis ein. Folglich wird der bewaffnete Konflikt zwischen Militär und Volksverteidigungskräften, die für den Schutz der Menschen in Myanmar und für die Sache der Demokratie kämpfen, Tag für Tag aggressiver. Die Menschen in Myanmar unterstützen nachdrücklich die Regierung der Nationalen Einheit, die von den gewählten Parlamentsmitgliedern bei den Wahlen im Jahr 2020 gebildet wurde. Daher ist das Militär in Bedrängnis, denn die Bevölkerung fühlt sich im Recht gegen die Militärdiktatur und der Widerstand ist stark.

Papst Franziskus hat Myanmar besucht und klare Worte an die Regierung gerichtet: Haben seine Bemühungen gefruchtet?

Die Militärdiktatoren schenken Papst Franziskus keine Beachtung. Das Angebot und die Worte von Papst Franziskus werden nur von der Zivilregierung verstanden und angehört. Daher brauchen wir unsere gewählte Regierung zurück.

Welches Gebet hilft Ihnen und den Menschen am besten in Ihrer Angst?

Wir haben jede Nacht zu Jeanne d'Arc gebetet, dass sie für uns eintritt. Die Diözese Loikaw bietet auch spezielle Gebete für die Menschen im Bundesstaat Kayah sowie für ganz Myanmar an und ermuntert alle Gläubigen jeden Abend um 19 Uhr den Rosenkranz zu beten.

Welche Fürbitte möchten Sie, dass wir sie gemeinsam für Sie beten?

Die Menschen in Myanmar wünschen sich, dass Sie für die folgenden Anliegen beten:

  1. dass die Militärdiktatur und der Bürgerkrieg möglichst rasch ein Ende finden.
  2. dass Wahrer Friede und Gerechtigkeit den Menschen in Myanmar zuteil werden.
  3. dass die Demokratie in Myanmar so bald wie möglich wiederhergestellt wird.
  4. dass sich der Geist dieser auf Übles sinnenden Menschen durch die Gebete wandeln möge und die Menschen von Myanmar, besonders die Kinder und Frauen, vor Bösem bewahrt werden mögen. 

Was bedeutet Ihnen und den Menschen die Unterstützung der beiden Bistümer aus Köln und Tokio?

Die Unterstützung der katholischen Kirche in Deutschland, der beiden Diözesen Tokyo und Köln und der Diözese Regensburg sowie des Katholischen Akademischen Austausch-Dienstes bedeutet uns sehr viel. Ihre Solidarität und Ihre Gebete werden uns schützen und uns Kraft geben, in diesen schwierigen Zeiten weiterzumachen.

* Name der Augenzeugin geändert