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Ein Interview mit Pfarrer Werner Friesdorf:Glaube im Dialekt feiern

Pfarrer Werner Friesdorf
Datum:
5. Feb. 2026
Von:
Newsdesk/vst
Pfarrer Werner Friesdorf arbeitet im Katholischen Kirchengemeindeverband Hürth, ist aber in Köln aufgewachsen. Jetzt feierte er dort die Messe auf Kölsch. Wie es sich anfühlt im Dialekt zu feiern, erzählt er im Interview.

Wie ist das Angebot entstanden?

Es gibt diesen Brauch ja schon in vielen Gemeinden, auch in Hürth gab und gibt es in diesen Wochen mehrere Gottesdienste auf Kölsch oder, wie wir es in Efferen formuliert hatten, „met kölsche Tön“. Auch unsere evangelische Schwestergemeinde hat schon solche Gottesdienste gestaltet. So trafen sich die Ideen aus der Ökumene und aus unserem örtlichen Pfarrgemeinderat. Schnell fand sich ein engagierter Vorbereitungskreis, in dem wir wirklich alle an einem Strang gezogen haben. Wichtig war uns dabei der Grundsatz: es ist wirklich ein Gottesdienst, keine Karnevalsveranstaltung – wobei klar ist, das Kirche und Karneval, gerade im Rheinland, eng zusammengehören. Ein kleiner Wermutstropfen: Gern hätten wir einen Ökumenischen Gottesdienst gefeiert, was aber ja leider am Sonntag – trotz mehrerer gleichzeitiger Eucharistiefeiern in userem Seelsorgebereich – bisher nicht gestattet ist. Gerade auch meine evangelische Kollegin hat aber die Grenzen respektiert, so daß es trotzdem ein schönes ökumenisches Miteinander war.

Sie sind in Köln aufgewachsen und haben in Ihrer Kindheit einige Messen auf Kölsch gehört. Wie ist es für Sie, heute Messen in Ihrem Dialekt zu feiern? 

Da habe ich tatsächlich einige erlebt. In meinem Elternhaus wurde zwar rheinisch, allerdings nicht so richtig kölsch gesprochen. Dennoch verbinde ich die „kölsche Sprooch“ sehr mit Heimat – immerhin bin ich im Kölner „Vringsveedel“ geboren. Mit ihrem Klang bin ich letztlich genau so aufgewachsen wie mit meinem Glauben und mit dem Karneval (im dritten Schuljahr war ich sogar mal Kinderprinz), und das alles gehört für mich zusammen. So finde ich es tatsächlich passend, das auch in gottesdienstlicher Form zu verknüpfen – auch wenn ich damit bisher wenig Erfahrung hatte. Ich denke, ich spreche für unseren ganzen Vorberitungskreis, wenn ich sage: „Et wor ene Sack vull Arbeid, ävver et hätt och vill Freud jemaht un wor de Möh wäät!“

Wie ist die Resonanz? Wer besucht die Messe op kölsch?

Die "Hillije Mess met kölsche Tön" in Efferen war sehr gut besucht, die große Kirche war gut gefüllt. Ich habe viele Menschen gesehen, die ganz regelmäßig unsere Gottesdienste besuchen, aber auch viele, die offenbar genau wegen dieses speziellen Angebots gekommen waren. Und dann natürlich viele aus den örtlichen Vereinen, vor allem den Karnevalsvereinen, aber auch von den Schützen und anderen. Auch viele Kinder und Jugendliche waren da – und zu meiner Freude auch viele Menschen aus der evangelischen Gemeinde. Offenbar gab es auch ein mediales Interesse – ich habe erfahren, dass am Sonntagfrüh auch Radio Erft noch auf das Angebot hingewiesen hat. Zum Glück ist die Kirche nicht nur für schlechte Schlagzeilen gut … 

Was macht der Dialekt mit der Stimmung oder auch dem Glauben? 

Ganz klar: Er macht den Glauben auf eine besondere Weise zugänglich. Wenn ich regelmäßig das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser oder andere Gebets- bzw. Messtexte höre und bete, prägen sie sich natürlich ein, und das ist ja auch gut so – aber vielleicht werden sie auch so etwas wie "Routine". Wenn nun dieselben Texte auf einmal etwas verfremdet sind, höre und bete ich sie bewusster, stutze vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle und denke neu darüber nach. Hinzu kommt: der Dialekt oder zumindest der Regiolekt ist für viele Menschen – auch für mich – die Sprache der Heimat, der Familie, des Vertrauten. Diese Sprache ist doch eigentlich sehr passend gegenüber Gott, den Jesus Christus uns "Abba", lieber Vater, ja: Papa! zu nennen lehrt.

Haben Sie ein Lieblingsgebet / Bibelstelle, die auf kölsch anders auf Sie wirkt, als auf hochdeutsch?

Nein, das kann ich so nicht sagen. Denn tatsächlich wirken alle die vertrauten Texte, ins Kölsche übertragen, anders auf mich. Nicht besser oder schlechter, wohlgemerkt, sondern anders – und damit anregend und bewußtseinsschärfend.

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