Stadtdekanat Bonn - technische Untersuchung - musikalischer Fingerabdruck

25. Oktober 2017 Newsdesk/mth
 

Bonn. Zwei Glockenexperten untersuchen derzeit alle acht Glocken im Bonner Münster. Mit einem technischen Messverfahren, das aus der Luft- und Raumfahrttechnik bekannt ist, erstellen die Forscher den „musikalischen Fingerabdruck“ der Glocken und beugen so einer Materialermüdung vor.

 

Ziel: Kleine Schäden frühzeitig erkennen

Ziel der Untersuchung ist, die Lebensdauer der historischen Glocken im Bonner Münster zu verlängern. Mithilfe des „musikalischen Fingerabdrucks“ können feine Haarrisse bereits frühzeitig erkannt und eine Ausbreitung eingedämmt werden. Das kann eine Veränderung in der Aufhängung oder eine Optimierung der Läutmaschine sein. „Die Glocken im Bonner Münster sind äußerlich in einem sehr guten Zustand“, sagt Glockenexperte Michael Plitzner. „Sie haben die beiden Weltkriege überstanden. Jetzt wollen wir sie für viele Generationen erhalten.“

 

Historische Glocken und das Wunder von Bonn

Die acht Glocken im Bonner Münster laden mit ihrem Geläut bereits seit mehr als 260 Jahren zu Gottesdiensten ein. Sechs Glocken stammen aus dem Jahr 1756 und eine aus dem Jahr 1757. Die kleinste Glocke ist bereits 70 Jahre älter. Insgesamt wiegt das Geläut knapp zehn Tonnen. Wie viele Glocken wurden auch die des Bonner Münsters während des Zweiten Weltkrieges abgehangen. Als die Glocken Weihnachten 1945 wieder in den Münster-Turm gehängt werden sollten, ereignete sich ein schwerer Unfall. Als die Stadtpatrone-Glocke, die zweitgrößte Glocke des Münsters, hochgezogen wurde, löste sich das Zugseil und 2,4 Tonnen Bronze rasten zu Boden. Im Normalfall würde eine Glocke zerbrechen. Doch wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden und aus der Glocke brachen nur kleine Splitter heraus. Und seitdem läutet sie unverändert.

 

Untersuchung im Rahmen der Generalsanierung

Michael Plitzner und Dennis Spiess vom Glockenkompetenzzentrum ECC ProBell sind für die Untersuchung eine Woche lang in Bonn. Da das Bonner Münster gerade generalsaniert wird, ist der jetzige Zeitpunkt optimal für die Untersuchung. „So stören wir mit dem Probegeläut nicht die Gemeinde“, sagt Michael Plitzner. Kleineren Optimierungsbedarf konnten die Glockenexperten bereits jetzt feststellen. Die umfangreiche Analytik im Nachhinein werden weitere Ergebnisse hervorbringen.