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Die Verbindung von Religion und Schule scheint vielen nicht mehr zeitgemäß. Oder ist sie es heute vielleicht mehr denn je? Auf der didacta 2026 in Köln gab es am gemeinsamen Kirchenstand der NRW-Bistümer und evangelischen Landeskirchen eine klare Antwort.
In zahlreichen Vorträgen, Workshops und Talkformaten wurde deutlich: „Reli“ ist viel mehr als ein Nebenfach, und dass konfessionell gebundene Schulen Orientierung weit über die Religion hinaus liefern. Mehr und anders als Deutsch, Biologie oder Erdkunde schafft religiöse Bildung Perspektiven, Haltung und Resilienz. Vor allem aber hat sie die Kraft, den Zusammenhalt in einer sich wandelnden Gesellschaft entscheidend zu stärken. Und in Zeiten globaler Krisen liefert zeitgerechter Religionsunterricht die Antworten, nach denen gerade junge Menschen immer öfter suchen.
Markus von der Gathen, Diplom-Theologe und Dozent am Institut für Lehrerfortbildung in Essen, stellte in seinem Vortrag heraus, dass gerade katholische Schulen den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit sehen: „Der Mensch bleibt immer mehr als jede organisationale Rolle“, betonte er. Was konfessionelle Schulen in besonderer Weise auszeichne, zeige sich demnach deutlich in herausfordernden Situationen, dem Umgang mit Konflikten und unterschiedlichen Positionen.
Auch bei den Gesprächen auf dem Roten Sofa wurde deutlich, dass Religionsunterricht folglich immer mehr sein müsse als bloße Faktenvermittlung. In diesem Zusammenhang erklärte Christian Schulze, katholischer Religionslehrer an der Städtischen Marienschule in Euskirchen, die zwei Dimensionen seines Unterrichts. Wissen zu vermitteln sei wichtig, aber „Schülerinnen und Schüler brauchen“ eben auch „eine Deutungskompetenz für das, was uns umgibt.“
Passend dazu unterstrich NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) im Forum Bildungsperspektiven die Bedeutung sozial-emotionaler Entwicklung neben den fachlichen Kompetenzen. Auf dem Roten Sofa sagte sie:
„Die Note ist die Note, aber Du bist viel mehr als die Note. An kirchlichen Schulen weht auch ein anderer Geist, der die Schülerinnen und Schüler so nimmt, wie sie sind. Der Mensch dahinter ist das, was wichtig ist.“
Dass religiöse Bildung nicht nur Theorie bleibt oder sich akademisch in Auslegungsfragen erschöpft, zeigten konkrete Projekte, die auf der didacta vorgestellt wurden.
Wie das christliche Menschenbild den Zusammenhalt und die Willkommenskultur in Europa positiv bedingen kann, machte das Projekt „Kein Mensch ist eine Insel – Samen von Lampedusa“ der Erzbischöflichen Papst-Johannes-XXIII.-Gesamtschule Pulheim eindrücklich deutlich. Sage und schreibe über 80.000 Schülerinnen und Schüler aus 27 europäischen Ländern nahmen daran teil. In grenzüberschreitender Nächstenliebe setzten sie sich für mehr gesellschaftliche Verantwortung beim Thema Migration ein.
Auch das Clara-Fey-Gymnasium aus Bonn zeigte, wie Musik mit „Soul“ Menschen über alle Unterschiede hinweg zusammenbringt. Gemeinsam mit den beiden Lehrern Dr. Markus Quabeck und Jakob Friese verbindet die Schulband „Feyer Flies“ Musik, Verantwortung und Teamgeist in einem innovativen Bandkonzept.
Ein weiterer zentraler Punkt war die Diskussion die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus. Thomas Pitsch, Leiter des Bereichs Schule & Hochschule im Erzbistum Köln, hob im Gespräch mit der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) die Erziehungsgemeinschaft als ein wesentliches Merkmal erzbischöflicher Schulen hervor. Die Kölner Preisträger des Deutschen Lehrkräftepreises lebten dies in hervorragender Weise vor. In Zeiten, da gesellschaftlich immer mehr über Konflikte zwischen Lehrpersonal und Eltern diskutiert wird, kann hierin vielleicht ein Modell erkannt werden, das aus den katholischen Schulen in die Fläche der staatlichen hineinwirkt.
Bis zum Abschlusstag war der Kirchenstand stark besucht, besonders das Gespräch mit dem Migrationsforscher und mehrfachen Buchautor Aladin El-Mafaalani zog zahlreiche Interessierte an. Die Beiträge der didacta 2026 machten damit deutlich: Religiöse Bildung prägt Persönlichkeit, eröffnet Orientierung und stärkt das Miteinander. Damit ist „Reli“ alles andere als ein Lückenbüßer zwischen Mathe und Sport.
In der aktuellen bildungspolitischen Diskussion wird Schule nicht nur als Lernort für Fachwissen verstanden, sondern als Raum für persönliche Entwicklung. Neben Deutsch und Mathematik betonte Schulministerin Dorothee Feller die Bedeutung sozialer Kompetenzen und des Religionsunterrichts als Wertevermittlung.
Wie das praktisch gelingen kann, zeigen die Preisträger des Deutschen Lehrkräftepreises, die Schulleiter des Erzbischöflichen Berufskollegs Köln Carsten Arntz und Kathrin Wichmann. Sie setzen auf Dialog mit allen Beteiligten. Deutlich wird dabei auch, dass gute Bildung nur im Zusammenspiel von Schule, Eltern und Umfeld funktioniert.
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