Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland

13. September 2021 MiQua/KOLUMBA

Im Jahr 321 erließ der römische Kaiser Konstantin ein Gesetz, das es den Städten erlaubt, auch Juden in den Rat zu berufen. Dieses an die Kölner Kurie adressierte Schreiben, das uns in seiner ältesten erhaltenen Abschrift als Leihgabe der Biblioteca Vaticana zugesagt wurde, ist die früheste schriftliche Quelle zur Existenz von Jüdinnen und Juden nördlich der Alpen. Somit kann jüdisches Leben in Deutschland auf eine mindestens 1700-jährige Geschichte zurückblicken. Sie wird im Rahmen eines bundesweiten Festjahres mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt.

Geschichte selbst kann man nicht ausstellen. Wohl aber kann man anhand von erhaltenen Dingen Geschichten erzählen. Mit einer Auswahl von etwa 100 internationalen Leihgaben, die zu einem Teil über die Dauer des Jahres wechseln werden, zeigen wir Objekte, die über jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart facettenreich berichten. Mit Kunstwerken der Kolumba-Sammlung werden die angesprochenen Themen um eine existentielle und emotionale Erfahrung bereichert. Denn im Unterschied zu den an ihre Faktizität gebundenen Dingen werden wir mit den Werken der »freien Kunst« jenen Anteil von Geschichte ansprechen, über den man nicht als Faktum berichten kann; mithin das nicht Benennbare, das Geglaubte und nur Träumbare, das vage Aufscheinende und das Unvorstellbare. In einem besonderen Raum wird mit der vollständig erhaltenen Genisa der ehemaligen Synagoge aus Niederzissen, die als dritter Partner im Projekt ist, einer der eindrücklichsten Funde zur jüdischen Kultur in Deutschland ein ganzes Jahr lang in Kolumba präsent sein.

Neuer Fokus auf jüdisches Leben in Deutschland

In der ungewohnten Verbindung von historischer und ästhetisch / künstlerischer Annäherung ist die Kooperation ein Experiment. Die Ausstellung geht das Wagnis ein, im Spannungsfeld von Geschichte und Ästhetik die Perspektive auf jüdisches Leben in Deutschland neu zu fokussieren. In Zeiten wachsender Intoleranz und antisemitischer Anfeindungen will die Ausstellung Aspekte des jüdischen Lebens, Geschichte und Kultur vergegenwärtigen. Der Blick in die Weite schafft so Nähe.

Zur Ausstellung erscheint ein Taschenbuch, das jede_r Besucher_in kostenlos erhält.

Die Ausstellung ist vom 15. September 2021 bis 15. August 2022, täglich außer dienstags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Es gelten die aktuellen Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Führungen sind vor 12 und nach 17 Uhr möglich und mit Kolumba telefonisch oder per E-Mail zu vereinbaren (0221 933193-32/ dl@kolumba.de).

Eine Kooperation von MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln und Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, im Rahmen des Festjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Zu Gast: Ehemalige Synagoge Niederzissen