Erzbistum Köln – Synodaler Weg – Synodalversammlung 30.1.–1.2.2020

31. Januar 2020 Kardinal Woelki

Bei der Lektüre des Vorbereitungspapiers habe ich den entschiedenen Willen der Forumsteilnehmer gespürt, nicht in Resignation zu versinken, sondern aufzubrechen. Ich begrüße dies und wünsche mir ebenfalls, dass „geistige Offenheit in geistlicher Atmosphäre auf solider theologischer Grundlage“ wirklich in jeder Richtung herrscht, soweit es keine Glaubensüberzeugungen der katholischen Weltkirche in Frage stellt. Denn dogmatische oder ethische Fakten und Definitionen sind nicht Wände, die es einzureißen gilt, sondern der Boden, auf dem wir stehen.

Zur geistigen Offenheit gehört ein Realismus, der die gegenwärtigen Fehler und Schwächen aufspürt und behebt, ohne die großen Stärken und Schätze der Gemeinden in Deutschland zu ignorieren; das hat uns ja schon Papst Franziskus in seinem Brief nahegelegt. Dazu gehört die Unterscheidung zwischen dem Klerus, auf dessen Wertschätzung schon Ignatius von Antiochien Anfang des 2. Jahrhunderts drängte, und unangebrachtem Klerikalismus.

Ein wichtiger Ansatz scheint mir zu sein, dass die Leitung der Kirche durch Christus, ihr Haupt, und durch diejenigen, die ihn sakramental vergegenwärtigen, die Glieder des Leibes ebenfalls betrifft. Dies bedingt eine Mitwirkung von Laien bei der Ausübung von Leitungsgewalt, die heute ohne Frage mehr und mehr an Bedeutung und Dringlichkeit gewinnt. Allerdings macht dies Laien nicht zu geweihten Hirten: Das betont Christifideles laici 1988 und fordert uns dazu auf, „die Einheit der einen Sendung der Kirche, an der alle Getauften teilnehmen, aber auch den wesenhaften Unterschied des Amtes der Hirten, der im Sakrament des Ordo gründet, gegenüber anderen Diensten, Aufgaben und Funktionen in der Kirche, die in den Sakramenten der Taufe und Firmung begründet sind, klar herauszustellen“ (n. 23).

Hilfreich wird es sicherlich sein, Erfahrungen aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben zu bedenken und zu nutzen, wenn auch selbstverständlich nur da und nur soweit, wie das dem spezifischen Wesen und Kontext der Kirche sowie ihrer Leitung entspricht. Dankbar bin ich in diesem Sinne für die erklärte Absicht des Forums, „wieder den langen Atem der lebendigen Tradition“ zu spüren, statt sich in eigenem Gutdünken und kurzatmigen Trends zu verrennen. Unter anderem macht mir die Entstehungsgeschichte des Katechismus der Katholischen Kirche Mut, die durch einen intensiven, lebendigen Austausch zwischen der Vorbereitungskommission, dem Redaktionskomitee und verschiedenen Instanzen der Ortskirchen geprägt war. Der lebendige Austausch innerhalb der katholischen Kirche aller Orte und aller Zeiten hat sich bewährt und muss weitergehen!

Nicht vergessen dürfen wir den düsteren Kontext der Missbrauchsfälle. Wir müssen dem ein erneuertes Denken sowie entschlossene Maßnahmen entgegensetzen, auch wenn unsere demokratische Gesellschaft leider demonstriert, dass kein politisches oder soziales System als solches diese Verbrechen verhindert. Dies wird nur eine ehrliche Umkehr bewirken, die sich auf entsprechende Strukturen stützen kann.

Beherzigen wir im Übrigen, was uns das Zweite Vatikanische Konzil über das Miteinander von Amtsträgern und Laien in der Communio der Kirche gesagt hat: „Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi. Der Unterschied, den der Herr zwischen den geweihten Amtsträgern und dem übrigen Gottesvolk gesetzt hat, schließt eine Verbundenheit ein, da ja die Hirten und die anderen Gläubigen in enger Beziehung miteinander verbunden sind“ (LG 32).

„Einheit in Vielfalt“: Dieses Prinzip kennzeichnet den dreifaltigen Gott selbst, aber auch seine Kirche. Beten und arbeiten wir dafür, dass das Gleichgewicht beider Elemente erhalten bleibt!

+Rainer Maria Kardinal Woelki

Statements von Kardinal Woelki als PDF