Köln - Verurteilung des neuen Antisemitismus - Gemeinsam für friedliches Miteinander

22. Januar 2015 Domradio, StA Kommunikation/ Je

Kardinal Woelki besuchte am 21. Januar die Kölner Synagoge in der Roonstraße. Bei der Visite bekundete er am Mittwochabend Solidarität mit den Juden. "Mich entsetzen die ausgeführten und die geplanten Anschläge auf jüdische Einrichtungen, die Jüdinnen und Juden treffen und töten sollen." Zugleich bezeichnete er es laut Redemanuskript als ermutigend, "welch breites gesellschaftliches und religiöses Spektrum sich gegen rechte Parolen und Stimmungsmache öffentlich ausspricht".

 

"Gerade in den aktuell bedrückenden Zeiten ist mir unsere Begegnung und unsere Verbindung wichtig und notwendig", sagte Woelki bei dem nichtöffentlichen Besuch. Gewalt und Antisemitismus dürften keinen Raum gewinnen. "Mich bedrückt es, wenn Jüdinnen und Juden sich in Deutschland wie auch in unserem Nachbarland Frankreich nicht mehr sicher fühlen und an Auswanderung denken." Dies sei nicht nur für die Synagogengemeinden ein Verlust, sondern auch für die Gesellschaft und die christlichen Kirchen.

 

Kardinal Woelki bekundete Entsetzen darüber, dass wieder einmal Juden in Deutschland und ganz Europa "diffamiert, beschimpft und tätlich angegriffen werden". Neben Anschläge auf Synagogen verurteilte er auch Angriffe auf Moscheen und auf christliche Kirchen. Juden, Christen und Muslime stünden gemeinsam für eine Gesellschaft der Vielfalt und friedliches Miteinander ein. „Gemeinsam vergewissern wir uns der grundlegenden Werte, auf der eine freie und demokratische Gesellschaft beruht. Freiheit und die Würde des Menschen sind bedroht und werden täglich verletzt. [...] Unsere Worte, Demonstrationen und öffentlichen Erklärungen sind wichtig“, so der Kardinal. Wichtiger noch seien aber auf Dauer die persönlichen Begegnungen zwischen Christen und Juden.

 

Es war ein Anliegen von Kardinal Woelki, die Synagogengemeinde zu Beginn seiner Amtszeit zu besuchen und damit auch eine gute Tradition seines Vorgängers fortzusetzen. Dem Gemeinderabbiner, der Köln zum Ende des Monats verlässt und nach Israel umzieht, wünschte er alles Gute sowie den Segen Gottes.

 

An der Begegnung nahmen der Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer und der Vorstand der Gemeinde teil. Die jüdische Gemeinde Kölns gilt als die älteste nördlich der Alpen und ist mit rund 5.000 Mitgliedern eine der größten in Deutschland. Die Synagoge im neoromanischen Stil wurde 1899 eingeweiht. Bei den Novemberpogromen 1938 brannte sie aus. Die Gemeinde gründete sich 1945 neu. Die wieder neu aufgebaute Synagoge wurde 1959 in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer wieder eingeweiht.