Wenn das „Du“ im Vordergrund steht

31. März 2022 Newsdesk/lmi
Pfarrer Stefan Wißkirchen und Nils Wiese

Veränderung, Partizipation und Empfängerorientierung sind drei Stichworte, die mit gelungener Kommunikation in Verbindung gebracht werden. In der Praxis sieht es allerdings oft anders aus: ein „ Haben-wir-schon-immer-so-gemacht-und-hat-doch-eigentlich-gut-funktioniert“ prägt die Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen.   

Pfarrer Stefan Wißkirchen und Pastoralreferent Nils Wiese arbeiten seit 2020 für die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) Düsseldorf. Gleich zu Beginn dieser Tätigkeit nahmen sie das Angebot der KHG in den Blick: Was sind unsere Stärken, was sind unsere Schwächen? Sollten wir uns an manchen Stellen – obwohl sehr viel bisher gut gelaufen ist – nochmal neu orientieren? Haben wir die Bedürfnisse der Studierenden im Blick, auch, was unsere Kommunikation angeht? Ein Interview über Tipps und Tricks zu zeitgemäßer Kommunikation, die die Studierenden in Düsseldorf begeistert.

Herr Pfarrer Wißkirchen, Herr Wiese: grundlegend über die Angebote der KHG und die Kommunikation nachzudenken und sie eventuell zu verändern – das ist ja ein sehr umfangreiches Unterfangen. Was waren Ihre ersten Schritte auf diesem Weg? 

Wiese: Für uns war immer klar: die Studierenden stehen bei uns im Mittelpunkt. Deshalb haben wir in der entscheidenden, vorbereitenden Phase darüber nachgedacht, was die Studierenden benötigen. So haben wir uns gemeinsam mit den Studierenden überlegt, wie das Angebot der KHG ausschauen könnte. Dauerhaft stellen wir außerdem Räumlichkeiten zur Verfügung, die zum Gebet oder auch für eigene Initiativen wie Marmeladekochen genutzt werden können. 

Können Sie ein paar Beispiele für die Angebote und Veranstaltungen nennen, die Sie durchführen?

Wiese: Ein Format, was wir regelmäßig anbieten, ist die Gesprächsreihe „Auf DU&DU“. Jede Woche laden wir wechselnde Redner ein. Die Themen sind hierbei sehr vielfältig – von „ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Kleidungssektor“ mit einem Professor von der Hochschule Niederrhein über „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mit dem Gemeindedirektor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf bis zum „Äußern und Empfangen von Kritik“ mit einem Business Coach ist für jeden etwas dabei. Die Studierenden machen ihre Pläne lieber spontan, daher bewerben wir die Veranstaltungen, die dienstags stattfinden, am Donnerstag davor. Ein weiteres Format sind die Länderabende, an denen internationale Studierende von ihrem Heimatland erzählen. Ein besonderes Highlight war dabei der Länderabend „Schwaben“ (lacht).

Wißkirchen: Weil wir eine kirchliche Einrichtung sind, spielen natürlich auch Seelsorge, Gebete und Gottesdienste eine große Rolle. Uns ist es wichtig, über unseren Glauben und unsere Überzeugungen zu sprechen – aber ohne dabei jemanden auszuschließen! Bei uns sind alle Studierenden willkommen. Jeden Dienstag habe ich für alles, was die Studierenden in Leben und Glauben beschäftigt, ein offenes Ohr. Das kann Seelsorge, Beichte, Versöhnung, Orientierung oder ein einfaches Gespräch sein. Nils ist ebenfalls für (soziale) Beratung und Gespräche erreichbar. Seit Dezember ist er Mitglied der Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V., hat viele Weiterbildungen absolviert und bringt außerdem Erfahrungen aus über zehn Jahren Beratungsgesprächen mit. Oft kommen auch internationale Studierende mit ihren Sorgen und Nöten zu uns.

Logo der KHG Düsseldorf

Wie genau sind Sie die Weiterentwicklung von Kommunikationsmaßnahmen angegangen?

Wiese: Um eine neue Art der Kommunikation für uns zu entwickeln und sie zu professionalisieren, haben wir eine Agentur mit ins Boot geholt. Auch hier waren die Studierenden, das „Du“, der Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen. Der erste Schritt: die Entwicklung eines neuen Logos. Bewusst angelehnt an das Wappen der Stadt Düsseldorf, unserem Standort, erkennen wir hier das kleine U, das sich in der Mitte des großen Ds befindet. 

Wißkirchen: Die jungen Leute sind heute vor allem auf Instagram unterwegs, deshalb war es uns wichtig, Zeit und Geld in diesen Kanal zu investieren und ihn als Hauptkommunikationskanal zu nutzen. Unsere Website und Facebook bespielen wir aber auch weiterhin. Für alle Kanäle haben wir auf Basis des neuen Corporate Designs und des Logos Vorlagen entwickelt.

Der Instagram-Kanal der KHG Düsseldorf sieht wirklich sehr ansprechend aus und macht Lust auf mehr. Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Kanals?

Wißkirchen: Auf Instagram weisen wir natürlich zum einen auf die bereits angesprochenen „Auf DU&DU“-Veranstaltungen und unsere seelsorglichen Angebote hin. Bei alldem ist die KHG Düsseldorf #deinplatz. Ein Platz, an dem miteinander Gottesdienste gefeiert werden, jemand ein offenes Ohr hat und Toleranz und Respekt großgeschrieben werden. Unter dem Motto „#deinplatz für eine Wildblumenwiese“ haben wir die Studierenden eingeladen, die KHG nachhaltiger zu gestalten. Auch kurzweilige Angebote wie Spieleabende oder Online-Escape-Rooms posten wir.

Wiese: Um die Studierenden auch online nicht alleine zu lassen, gestalten wir auch Posts zu emotionalen Themen, die sie bewegen. Dazu zählt die Behandlung der Frage, warum das Thema Tod ein Tabu ist oder was man gegen den Winter-Blues tun kann. Was wir besonders schön finden: wir haben gemerkt, dass sich die Offenheit und der Respekt, die wir den Studierenden in der digitalen und persönlichen Kommunikation entgegenbringen, sich positiv auf das Geschehen vor Ort auswirken. Die Atmosphäre untereinander ist sehr angenehm und die Studierenden bringen ihre Ideen gerne ein. Zuletzt haben zum Beispiel einige von Ihnen angeboten, Gottesdienstbesucher bei deren Betreten der Kirche willkommen zu heißen.

Was haben Sie mit Blick auf die Kommunikation dazugelernt?

Wißkirchen: Mittlerweile sehen wir Kommunikation als bewusste Arbeitszeit, denn ein guter Post braucht Zeit. Im Sinne eines Kommunikationscontrollings ist es auch wichtig, zu prüfen, ob die Posts die Studierenden ansprechen. Deshalb überprüfen wir online regelmäßig unsere Followerzahlen und Interaktionen. Wir fragen die Studierenden auch im Gespräch einfach mal, wie Ihnen unsere Seite gefällt. Vor allem haben wir aber gelernt, wie sehr uns gute Kommunikation weiterbringt und wie viel Spaß sie uns macht!

 

Unter http://www.khg-duesseldorf.info/khgwcms/index.php/home.html oder https://www.instagram.com/khg.duesseldorf/ können Sie sich selbst ein Bild von dem neuen Auftritt der KHG Düsseldorf machen. Interessierte Studierende sind herzlich eingeladen, vor Ort vorbeizuschauen. 

Bei Rückfragen stehen Ihnen Pfarrer Stefan Wißkirchen (stefan.wisskirchen@khg-duesseldorf.de) und Herr Nils Wiese (nils.wiese@khg-duesseldorf.de) gerne zur Verfügung.