20. Februar 2018 Newsdesk/ni


Kölns sechs katholische Innenstadt-Seelsorgebereiche sollen in einem «Sendungsraum Köln-Mitte» zusammenarbeiten. Der noch ganz am Anfang stehende Prozess wurde am 17. Februar rund 120 engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen aus den sechs Seelsorgebereichen der Kölner Innenstadt vorgestellt.


Der Begriff „Sendungsraum“ umschreibt ein Gebiet, für das es eine seelsorgebereichsübergreifende Zusammenarbeit und hauptamtliche Verantwortung gibt. Derzeit gibt es im Erzbistum Köln bereits acht Sendungsräume. Der künftige Sendungsraum Köln-Innenstadt umfasst die bestehenden sechs Seelsorgebereiche, in denen rund 38.500 Katholiken wohnhaft sind.


Im Sommer sollen die Pfarrerstellen von derzeit drei vakanten Seelsorgebereichen von einem Pfarrer übernommen werden. Dieser begleitet gemeinsam mit den engagierten Ehrenamtlichen und Seelsorgern die Zusammenarbeit in diesen und den weiteren Seelsorgebereichen. „Es handelt sich nicht um eine Zusammenlegung“, betont Monsignore Markus Bosbach, der zuständige Hauptabteilungsleiter Seelsorgebereiche. Es geht vielmehr darum, „die vorhandene lebendige Vielfalt der Kirche in der Innenstadt zu erhalten und auszubauen.“ Dazu gehören als großer Schatz die vielen lebendigen Kirchorte in ihrer ganzen Breite von der Wallfahrtskirche in der Kupfergasse bis zur Kunststation St. Peter, von den breit aufgestellten Gemeinden St. Agnes und St. Severin bis hin zu den Ordensniederlassungen, z. B. St. Andreas, Groß St. Martin oder St. Kolumba. Dazu gehören auch die wachsenden Gemeinden fremdsprachiger Katholiken, die in der Innenstadt ihre gottesdienstliche Heimat haben.


Der neue Pfarrer soll in erster Linie moderierend und ermöglichend mitwirken, das bedeutet: Die Beteiligung aller ehrenamtlich Engagierten und der Pastoralen Mitarbeitenden ist wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Weges. Gemeinsam sollen für die Herausforderungen, die alle Gemeinden gleichermaßen betreffen, Lösungen gesucht werden. Am Ende könnten aus den pastoralen Zielsetzungen neue Strukturen erfolgen, doch sie sind ausdrücklich nicht das vorrangige Ziel und auch nicht der Ausgangspunkt aller Überlegungen. Stattdessen muss die Erfüllung des kirchlichen Auftrags bei allen Überlegungen Vorrang haben.


Die Zukunft der Kirche in der Kölner Innenstadt stellt an jeden Getauften, der sich einer Gemeinde oder Kirche in der Kölner Innenstadt zugehörig fühlt, die Frage: Wie möchten wir zukünftig Kirche sein? Wie wollen wir gemeinsam die Herausforderungen einer gewandelten gesellschaftlichen und kirchlichen Wirklichkeit angehen? Und wie können wir gemeinsam Ideen realisieren, die bisher noch fehlen (beispielsweise niederschwellige Angebote, eine erkennbare Öffentlichkeitsarbeit oder eine bedarfsgerechte Personalverteilung)? Daher gilt bei der Entwicklung des Sendungsraums der Grundsatz: Die Struktur folgt dem Inhalt bzw. der Pastoral und nicht umgekehrt. „Deswegen steht am Beginn keine Strukturdebatte, sondern eine gemeinsame Betrachtung der Herausforderungen und Festlegung pastoraler Ziele“, so Bosbach.


Zusätzlich zu dem zukünftigen Pfarrer werden im Sommer drei weitere profilierte Priester als Pfarrvikare an verschiedenen Innenstadtkirchen das örtliche Leben gemeinsam mitgestalten und die Gottesdienste feiern. Sie werden neben der Seelsorge im Sendungsraum weitere Aufgaben übernehmen, z. B. als Diözesancaritaspfarrer.


Nach der Auftaktveranstaltung am vergangenen Wochenende sind nun weitere Schritte vereinbart worden. So haben die einzelnen Seelsorgebereiche oder Pfarreien die Möglichkeit, die Diskussion vor Ort fortzusetzen und dazu auch weitere Interessierte einzuladen. Das Generalvikariat bietet dazu gerne Begleitung an. Ein weiteres Angebot beinhaltet eine „Werkstatt Beratungskultur“, die einen Raum bieten soll, sich bspw. über die Frage zu verständigen, wie gemeinsam auf geistlicher Grundlage Entscheidungen gefunden werden können.


Nachdem die Seelsorgebereiche, Gemeinden und Gruppierungen über die das Gespräch vor Ort und die Werkstatt, aber auch untereinander Gelegenheit hatten, sich auf den Gesprächsprozess vorzubereiten, soll – voraussichtlich im Spätsommer – zu einem gemeinsamen „Konvent“ eingeladen werden. Der Konvent legt Ziele und Vorgehensweisen und Beteiligungsformen fest. Von Beginn an soll ein Konsens in allen wichtigen Fragen angestrebt werden. Deswegen wird ausdrücklich um Beteiligung an der Vorbereitung gebeten. Zum Konvent eingeladen werden neben den Engagierten der bestehenden Gemeinden auch die Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden, der katholischen Einrichtungen und weitere, gerne auch neu oder wieder am Glauben Interessierte.


Der Weg des Sendungsraumes steht also ganz am Anfang und wird sich in den kommenden Monaten und Jahren konkretisieren.