Zehn Regalkilometer wichtiges Quellenmaterial ab dem Jahr 942

20. August 2021 pek210820-nh/sam

Köln. Mit einem Festakt mit geladenen Gästen ist das 100-jährige Bestehen des Archivs des Erzbistums Köln am Abend des 19. August gewürdigt worden. Zu Gast waren neben dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auch Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, sowie Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs. 

„Völlig zu Recht rühmt sich das Archiv damit, das ‚Langzeitgedächtnis des Erzbistums Kölns‘ zu sein“, sagte Kardinal Woelki in seiner Begrüßung. „Neben aller rein historischen Forschung, die das Historische Archiv des Erzbistums Köln ermöglicht, wirkt es […] identitätsbildend für die Menschen, für die Gesellschaft und die Kirche. Unser Historisches Archiv gibt es nun seit 100 Jahren. Im Verhältnis zu den Quellen, die es birgt, mag das eine kurze Zeitspanne sein. Und doch: 100 Jahre - das ist eine Zeitspanne, die sich unserer persönlichen Erinnerung entzieht. Das ist eine Zeitspanne, die selbst schon wieder zur Erforschung einlädt.“

Auch die nordrhein-westfälische Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen hob hervor: „Archive sichern Kontinuität von historischen Verläufen und Erfahrungen“. Die Arbeit, die hier geleistet werde, sei von großem Wert für das kollektive und kulturelle Gedächtnis des Landes und der Bundesrepublik. „Archive machen Geschichte erlebbar und begreifbar“, so die Ministerin. 

Jazzig vertonte geistliche Stücke vom Luis Weiß Quartett brachten nicht nur die Füße der Gäste in Schwingung, sondern vermutlich auch die Regale genau zu ihren Füßen, denn der Festakt fand im Innenhof des Archivs statt. 
In einer munteren Runde, moderiert von Birgitt Schippers vom Domradio, diskutierte Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, mit Damian van Melis von der Irene und Sigurd Greven Stiftung und Marc von der Höh vom Historischen Institut der Universität Rostock über den Wert und die Herausforderungen heutiger Archive. Sie beschrieben, wie sich die Archivarbeit durch die zunehmende Digitalisierung von Archivalien verändert. Alle drei betonten die korrigierende Funktion der Forschung im Archiv. „Sie können leicht die Erfahrung machen, dass sie im Archiv eines Besseren belehrt werden“, so Hollmann. Selbst eigene biografische Erinnerungen könnten im Archiv widerlegt werden. 

Dr. Ulrich Helbach, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums bedankte sich besonders herzlich bei seinen Mitarbeitenden, acht Frauen und fünf Männern und sagte: „Archivare wirken jeweils eine Wegstrecke weit. Wir sind stolz, den Schatz zu formen, zu hüten und in die Zukunft zu tragen.“

Das Historische Archiv des Erzbistums Köln

Vor 100 Jahren, im August 1921, begann das Historische Archiv seine Arbeit. Es wurde von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte als Stätte historischer Forschung gegründet. Das Archiv enthält wichtiges Quellenmaterial ab dem Jahr 942 zum gesamten Erzbistum – zu Köln ebenso wie zu Düsseldorf, genauso wie beispielsweise zu Bonn, Neuss, Zülpich oder Gummersbach. 

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Historische Archiv außer den Urkunden-, Amtsbuch- und Aktenbeständen des Generalvikariates die meisten der ins Mittelalter zurückreichenden Pfarrarchive der Kölner Innenstadt. Vor allem seit den 1980er Jahren hinterlegten hier wichtige katholische Einrichtungen, Vereine und Verbände ihre Archive. Mittlerweile beherbergt das Archiv Schriftgut im Umfang von knapp zehn Regalkilometern, darunter circa 5.300 Urkunden aus der Zeit seit dem Jahre 942. Damit ist das Archiv das Langzeitgedächtnis des Erzbistums Köln und eines der größten kirchlichen Archive in Deutschland. 

Der Initiative der damaligen Archivare ist es zu verdanken, dass rechtzeitig und planmäßig vor den Bombenangriffen auf Köln im Zweiten Weltkrieg große Bestände an Archivgütern vor allem nach Westfalen ausgelagert und gesichert werden konnten. 
Hunderttausende Dokumente lagern in den kilometerlangen Archivgängen des Historischen Archivs, bis zu vier Stockwerke tief unter der Erde. Auch die Nachlässe der Kölner Erzbischöfe werden hier verwahrt – wie zum Beispiel ein Ehrendoktorhut und der Talar des Kölner Erzbischofs Höffner.

Sofern die Archivgüter einen Bezug zu Kirche und kirchlichem Leben haben, finden auch weltliche Nachlässe Platz im Archiv. So finden sich hier beispielsweise auch die Nachlässe der Kölner Architekten Rolf Schwarz, Fritz Schaller oder Hans Schilling, die bei vielen Kirchenbauten mitgewirkt haben. Die Archivare müssen jeweils fachkundig entscheiden, welche Unterlagen archivwürdig sind, das heißt für die Nachwelt aufgehoben werden müssen. 

Seit einigen Jahren arbeitet das Team des Historischen Archivs daran, dass auch die digitalen Akten aufgenommen, bewertet, manipulationssicher gespeichert und abrufbar gemacht werden. Außerdem versucht man, vielgefragte oder sehr fragile Dokumente durch die Digitalisierung offen zugänglich zu machen und gleichzeitig zu schützen. Das sind zunächst vor allem die Kirchenbücher und alte Amtsprotokolle der Generalvikare. Eine Herausforderung ist auch die Digitalisierung archivierter Fotos. Es ist der Greven-Stiftung zu verdanken, dass mehr als 30.000 Fotografien digitalisiert und Stand jetzt 5.000 auf dem Bildportal der Stiftung rechtzeitig zum Jubiläum des Archivs zugänglich gemacht werden konnten.

Bilder ausgewählter Archivalien sowie des Festakts können Sie für Ihre Berichterstattung kostenlos herunterladen unter: https://mam.erzbistum-koeln.de/web/10e29076a74c5035/100--jubil-um-des-historischen-archivs-des-erzbistums-k-ln/