Erzbistum Köln – Beratung bei schwerwiegenden Entscheidungen – Festakt zum 20-jährigen Jubiläum

5. Dezember 2018 (pek181205-sam)

Köln. Plötzlich muss man mitten im Alltag schwerwiegende Entscheidungen treffen: Was passiert mit dem viel zu früh geborenen Kind? Sollen bei dem schwerkranken Angehörigen noch lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden?  

Solche und andere Fragen werden im Erzbistum Köln bereits seit 20 Jahren in „Ethischen Fallbesprechungen“ von Behandlungsteams diskutiert: Von Ärzten, Pflegenden, Seelsorgern und Sozialdiensten in Krankenhäusern und Altenheimen, Frühgeborenen-Stationen und Hospizen. In Situationen, in denen Angehörige und auch Patienten oft hilflos oder auch emotional zu sehr involviert sind, analysiert das multidisziplinäre Team im Interesse einer ethisch verantwortbaren Behandlung und Versorgung eines Patienten, die Situation und nimmt eine ethische Argumentation vor. Das Ergebnis ist eine Empfehlung für die letztverantwortlichen Entscheider in Medizin und Pflege.

Ute Ganz, leitende Pflegekraft der Intensivstation im St. Elisabeth Krankenhaus Köln-Hohenlind, ist überzeugt von dem Konzept: „Die Ethische Fallbesprechung ist ein sehr wichtiges und hilfreiches Instrument. Hier ist Raum sachliche Informationen von allen Behandelnden wenig emotionsgeladen zusammenzutragen. Dadurch ist man besser in der Lage, eine Entscheidung mitzutragen“.

Die 20-jährige Durchführung der Ethischen Fallbesprechungen feiert die Abteilung Seelsorge im Sozial- und Gesundheitswesen im Erzbistum Köln am Abend des 5. Dezember mit einem Festakt im Maternushaus mit mehr als 100 Besuchern aus allen beteiligten Fachrichtungen. Monsignore Rainer Hintzen, Diözesankrankenhausseelsorger und Abteilungsleiter, wirft dabei einen Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Professor Norbert Steinkamp von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, spricht in seinem Festvortrag über die „Verantwortung bei der Moderation ethischer Fallbesprechungen“.

Die Fallbesprechung ist eine Methode zur Bearbeitung konkreter ethisch problematischer Praxisfälle. Sie findet in der Regel vor Ort statt: auf der Station, im Wohnbereich, im Hospiz. Alle Mitarbeitenden, die für die Behandlung und Betreuung des betroffenen Patienten verantwortlich sind, betrachten dabei den konkreten Einzelfall aus verschiedenen Blickwinkeln unter der Leitung eines neutralen Moderators. Im Erzbistum Köln werden bereits seit 20 Jahren Qualifizierungen und Fortbildungen für Moderatorinnen und Moderatoren der Fallbesprechungen entwickelt und angeboten – etwa 600 Teilnehmende sind seither qualifiziert worden. Darüber hinaus sind seitens des Erzbistums Köln etwa 220 Implementierungs- und Begleitprozesse in Kliniken, Altenheimen, Psychiatrien und weiteren Einrichtungen durchgeführt worden.