Interview mit Ehrenamtlerin Lisa Schmidt:LyDia - Gottesdienste für Menschen mit Behinderung
Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Seit fast 30 Jahren nehme ich an Freizeiten für Menschen mit Behinderung des Bistums Augsburg teil. Dort ist mein Bruder Diakon und zuständig für die Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum. Er hat das LyDia-Gebet entwickelt. Vorher hatte ich nur sehr wenige Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung. In den letzten 30 Jahren haben sich jedoch intensive Freundschaften entwickelt.
Wofür steht LyDia?
Das Wort LyDia setzt sich aus Liturgie und Diakonie zusammen. Gleichzeitig war Lydia die erste Christin in Europa. Sie stellte ihr Haus für Gottesdienste und Begegnungen zur Verfügung. Diese Verbindung zeigt sich auch im LyDia-Gebet durch die feste Liturgie in einem immer gleichen Ablauf und der Begegnung im Anschluss an den Gottesdienst.
Wie war der erste Gottesdienst?
Dabei waren eine Mutter mit ihrer Tochter sowie eine Reporterin. Es war sehr heimelig, weil wir nur zu viert waren. Ich habe zu Beginn das Lied „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ gesungen. Die Frau mit Behinderung, die dabei war, spricht fast gar nicht, singt aber sehr gerne – auch im Kinderchor. Es war schön, dass sie bei den Liedern mitgesungen hat.
Wie läuft der Gottesdienst ab?
Wir beginnen mit dem Kreuzzeichen. Je nachdem, wie viele neue Menschen da sind, erkläre ich anschließend, wofür LyDia steht und stelle die Ikone vor. Dann wird die Lydia-Kerze angezündet, die wir extra mit dem Lydia-Symbol gestaltet haben. Danach wird ein diakonisches Anliegen benannt: Wofür beten wir heute besonders?
Beim ersten Mal lautete das Anliegen: „Wir denken heute an die Menschen, die auf der Straße leben.“ Gerade bei Kälte haben Menschen ohne Wohnung es in den Nächten besonders schwer.
Nach einem gemeinsamen Gebet wird das Evangelium des Sonntags in leichter Sprache vorgelesen und danach kurz erläutert. Dann sprechen wir ein Glaubensbekenntnis in leichter Sprache. Im Anschluss werden die Fürbitten vorgetragen und zu jeder Fürbitte wird eine Kerze entzündet. Das Vaterunser, der Friedensgruß und der Segen beschließen den Gottesdienst. Dazwischen wird viel gesungen.
Wie ist die Resonanz?
Nach dem ersten LyDia-Gottesdienst im Dezember sind wir anschließend in den Pfarrsaal gegangen. Die Mutter und ihre Tochter sind lange geblieben, wir haben uns die ganze Zeit unterhalten. Im Dezember erschien außerdem ein Zeitungsartikel, auf den mich einige Menschen angesprochen haben, weil sie gerne kommen wollten. Beim zweiten Termin ist leider wegen Glätte und Schnee niemand gekommen. Beim dritten Mal war wieder die Mutter mit ihrer Tochter da und ein weiterer Mann mit Behinderung. Er ist durch meinen Flyer auf das Gebet aufmerksam geworden. Beim nächsten Mal will er noch einen Freund mitbringen. Im Anschluss haben wir noch gemeinsam im kleinen Pfarrsaal Kniffel gespielt und viel miteinander geredet.
Feiern Menschen mit Behinderung Gottesdienst anders?
Ich habe erlebt, dass nach der Predigt plötzlich jemand aufsteht und etwas sagt. Ich habe nicht alles verstanden, weil die Artikulation undeutlich war, aber da musste jemand etwas loswerden.
Im Kloster Neustift haben wir einmal einen Gottesdienst gefeiert. Der Abt sagte danach, er wünsche sich solche Menschen, die voller Energie mitfeiern, öfter im Kloster.
Welche Bedeutung haben Rituale wie Kerzen oder Fürbitten?
Eine sehr große. Bei uns kann jede und jeder eine Fürbitte sprechen und eine Kerze anzünden. Während es in vielen Gottesdiensten eher zäh ist, wenn zu Fürbitten aufgerufen wird, muss man hier manchmal bremsen, weil so viele Anliegen vorgetragen werden – und diese sind oft erstaunlich weitblickend.
Für Menschen mit Behinderung sind Kerzen oft die Sprache, gerade wenn Worte schwerfallen. Ich erlebe immer wieder, wie wichtig verstorbene Angehörige für sie sind. Beim ersten Gottesdienst hat eine Teilnehmerin sofort eine Kerze für ihre verstorbene Oma angezündet. Solche Momente sind sehr emotional. Der Glaube gibt ihnen Halt.
Warum ist ein solches Angebot wichtig?
Unsere Gemeinde ist eigentlich sehr vielfältig, aber das sieht man in den Gottesdiensten kaum. Menschen mit Behinderung sehe ich dort sehr selten. Ein Erlebnis in der Osternacht hat mich besonders berührt: Eine Mutter mit ihrer Tochter mit Behinderung stand während des gesamten Gottesdienstes draußen im Vorraum und schaute nur durch die Glastür hinein. Das fand ich sehr befremdlich.
Ich glaube, wir müssen Berührungsängste abbauen und mehr Normalität schaffen. Deshalb feiern wir gemeinsam Gottesdienst und bleiben anschließend noch zusammen. Beim ersten Mal haben wir fast zwei Stunden miteinander geredet, beim dritten Abend haben wir, wie eben schon mal gesagt, wieder mehr als zwei Stunden geredet und gespielt – genauso entsteht Begegnung.
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