3. April 2021 Erzbischof von Köln
„Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.“ (Mk 16,4)

Oft haben wir Ostergottesdienste schon festlich und mit „Pauken und Trompeten“ gefeiert. Das ist gut so, denn die Auferstehung Jesu ist Grund und Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens. Aber das eigentliche Ostergeschehen vollzieht sich ganz anders: unbemerkt, in Stille. Das mit einem großen Stein verschlossene Grab ist am Morgen einfach leer, der Stein weggewälzt. Von Menschen unbemerkt hat der Sohn Gottes den Tod besiegt. 

Diese Osterbotschaft verwandelt uns. Sie gibt uns neuen Mut und Lebensenergie – auch und gerade in den schweren Zeiten der Corona-Pandemie. Vielleicht haben Sie in ihrem Familien- oder Freundeskreis erlebt, dass liebe Menschen schwer erkrankt oder sogar gestorben sind. Das ist sehr schmerzhaft und ich verstehe jeden, der Gott dafür anklagt. Mir würde es sicher ebenso gehen. Dennoch dürfen wir als Christen in der Zuversicht leben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern wir zum neuen Leben bei Gott auferweckt werden. Die Auferstehung Jesu ist der Grund der christlichen Hoffnung. Und aus dieser Hoffnung dürfen wir auch in bedrückenden Situationen Kraft schöpfen.

Auch im Zusammenhang mit der schmerzlichen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln liegen schwere Monate hinter uns. Mit dem kürzlich vorgestellten Gutachten ist nun ein erster Stein weggewälzt. Jetzt müssen wir hinschauen, um Entscheidungen für eine bessere Kirche zu treffen. Erste Schritte haben wir bereits eingeleitet, weitere müssen und werden folgen. Ich habe die Hoffnung, diesen Weg mit Ihnen gemeinsam gehen zu können. Lassen Sie uns dabei verbunden im Glauben auf den auferstandenen Christus schauen. 

Der weggewälzte große Stein am Grab hat für die Jünger den Blick freigegeben, der Hoffnung verheißt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich von dieser Zuversicht anstecken lassen und Sie damit hoffungsvoller auf Ihre Lebenssituation schauen können.

Hoffnungsvolle und gesegnete Ostern wünscht Ihnen

Ihr
Rainer Maria Kardinal Woelki