Zur Entscheidung von Papst Franziskus, die am 24.09.2021 mitgeteilt wurde

24. September 2021 Newsdesk

Am 19. März hat mich unser Erzbischof Rainer Kardinal Woelki auf meinen Wunsch hin vorläufig von meinen bischöflichen Aufgaben beurlaubt.

Das Gercke Gutachten hatte am Tag zuvor festgestellt, dass ich im Jahr 2013 als Personalverantwortlicher eine „Pflichtverletzung in der Aufklärungspflicht“ begangen habe. Über eine Mittelsperson hatte ich einen Hinweis über einen sexuellen Missbrauch durch einen Priester erhalten. Der Betroffene teilte mir über diese Mittelsperson auf meine Gesprächsbitte hin mit, dass er sich für meine Fürsorge bedanke, dass er aber weder ein Gespräch in der Sache noch einen Kontakt wünsche. Nach Rücksprache mit der Justitiarin und dem Generalvikar habe ich deswegen den beschuldigten Priester, der inzwischen verstorben ist, nicht befragt. Was ich damals für richtig hielt, sehe ich heute als einen schweren Fehler an, für den ich Verantwortung übernehmen wollte und will. Darum habe ich mich, auch wenn mein Name im Gercke Gutachten nicht genannt wird, öffentlich zu dieser Pflichtverletzung bekannt und Papst Franziskus gebeten, zu entscheiden, ob ich meinen Dienst im Erzbistum Köln in Zukunft als Weihbischof oder als einfacher Priester ausüben soll. Im Juni 2021 haben die Apostolischen Visitatoren auch mit mir ein ausführliches Gespräch geführt. Nun hat Papst Franziskus entschieden, dass ich trotz meiner Pflichtverletzung meinen Dienst als Weihbischof wieder aufnehmen soll. Ich habe im Gespräch mit Kardinal Ouellet, dem Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, dazu meine Bereitschaft erklärt.

Für mich ist das kein "Weiter so"!
Die letzten Monate, in denen ich in einem Altenzentrum und in der Obdachlosenseelsorge arbeiten durfte, haben mich innerlich verändert. Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe und mache und bitte dafür um Vergebung. Bei manchen Menschen habe ich durch meine Pflichtverletzung Vertrauen zerstört; ich möchte in Zukunft so arbeiten und leben, dass Menschen mir wieder Vertrauen schenken können. 
Darum biete ich Gruppen, Verbänden, Gemeinschaften und Pfarreien auf ihren Wunsch hin ein persönliches Gespräch an, in dem ich um neues Vertrauen bitten möchte. Vor allem werde ich vor der Spendung der Firmung den Firmbewerbern, ihren Eltern und Katecheten ein solches Gespräch anbieten. 
Einen Teil meines Gehalts spende ich an einen Fonds, der Betroffene sexueller Gewalt unterstützt.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit wird in Zukunft die Sorge für die Menschen sein, die "unter die Räder gekommen" sind und in Armut leben. Darum werde ich in Zukunft weiterhin in der Seelsorge für Obdachlose mitarbeiten.

Als Jesus den verhassten Zöllner Matthäus in seine Nachfolge rief, und dafür heftig kritisiert wurde, sagte er: "Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten." Am Fest dieses Zöllners, am 21. September 2013, habe ich die Bischofsweihe empfangen. Am Fest des Zöllners Matthäus 2021 wurde mir die Entscheidung von Papst Franziskus mitgeteilt, dass ich meinen bischöflichen Dienst wieder aufnehmen soll. Ich halte das für keinen Zufall, sondern für einen Ruf Jesu, umzukehren und ihm neu nachzufolgen.

Köln, den 24.9.2021

Weihbischof Ansgar Puff