Porträt zum 70. Geburtstag eines "kölsche Jung"

11. Mai 2022 Newsdesk/ke
Weihbischof Rolf Steinhäuser im Oktober 2021

Mit strahlenden Augen und einem Lachen im Gesicht steht Weihbischof Rolf Steinhäuser vor einer Efeuwand. Gerade hat er jungen Gläubigen die Firmung gespendet. Die Aufnahme entstand im Oktober 2021, kurz vor seiner Zeit als Apostolischer Administrator im Erzbistum Köln. Eine intensive Zeit – und ein Auftrag wie eine „mission impossible“, vor dem er hohen Respekt hatte.

Vom Messdiener zum Priester

Bauer und Papst waren seine Berufswünsche als Kind. Das eine sei es nicht geworden, zum anderen habe es Gott sei Dank nicht gereicht, erzählt Weihbischof Rolf Steinhäuser im Oktober 2021 im Interview mit Monika Bliem von Welle Rhein-Erft.

Am 12. Mai 1952 im Severinsklösterchen in der Kölner Südstadt geboren, wächst Rolf Steinhäuser in Hürth-Efferen auf. Von den Eltern im katholischen Glauben erzogen, engagiert sich der ältere von zwei Brüdern in der Gemeinde und wird Ministrant. Kindheit und Jugend ebnen den Weg für seine Berufung. Nach dem Abitur beginnt er mit der Priesterausbildung. „Ich danke meinen lieben Eltern, die mich in den Glauben eingeführt haben“, sagt der ehemalige Obermessdiener im Dankeswort zu seiner Bischofsweihe 2016.

Das Studium der Philosophie und Katholischen Theologie absolviert Steinhäuser in Bonn und Regensburg. Dort begegnet er Prof. Joseph Ratzinger, der ihm als Student sein erstes Cordon Bleu bezahlt. Die Erfahrungen, in einer neuen Umgebung Fuß zu fassen und neue Kontakte knüpfen zu können, sind für den Rheinländer ein wichtiges Kriterium auf dem Weg zum Priester.

Altenberger Licht 2000

Glaubensbote für die Menschen

Am 14. Juni 1977 empfängt Steinhäuser im Kölner Dom die Priesterweihe durch Joseph Kardinal Höffner. Die Gemeinden und Einsatzfelder als Diakon und Priester haben ihn geprägt, beschreibt der Seelsorger seinen beruflichen Einstieg. Den Stationen als Kaplan in Hilden und Bonn folgt ab Mitte der 1980er-Jahre eine Zeit als Stadtjugendseelsorger in Bonn. 1990 wird er schließlich Diözesanjugendseelsorger, sieben Jahre später Stadtdechant in Düsseldorf und Pfarrer in der Düsseldorfer Altstadt. Die Ernennung zum Monsignore, Kaplan Seiner Heiligkeit, erfolgt 1998.

Titel waren und sind für Steinhäuser nicht von Belang. Der ehemalige Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg mag Begegnungen mit Menschen, interessiert sich für sie, hört zu und möchte sie bei wichtigen Momenten in ihrem Leben begleiten. Sei es bei der Firmung junger Menschen oder Gesprächen mit Passanten während der „Missionale Düsseldorf 2009“.

Bei der missionarischen Initiative spricht der Düsseldorfer Stadtdechant mit seinem Team Menschen auf der Straße an – ob kirchennah oder kirchenfern – und kommt mit ihnen ins Gespräch über den Glauben. Es bedrückt ihn, dass Kirche offensichtlich wenig Chancen habe, „von den Menschen als wichtig und sinnstiftend für ihr Leben wahrgenommen zu werden“, verrät er im Interview mit Monika Bliem.

Überraschende Ernennung zum Bischof

Die Ernennung zum Weihbischof im Dezember 2015 kommt für Steinhäuser völlig überraschend. „Ich hatte fest damit gerechnet, dass meine derzeitige Aufgabe die letzte Stelle meines Lebens sein wird.“, erklärt er anlässlich seiner Ernennung und ergänzt: „Als Weihbischof möchte ich in der Linie von Papst Franziskus zur Veränderung und Gestaltung der Kirche beitragen.“ So liegt sein Wahlspruch zur Bischofsweihe eigentlich auf der Hand: „Öffnet die Türen für Christus!“. Christus berührbar zu machen und die liebende Zuwendung Gottes den Menschen erfahrbar zu gestalten, dafür schlägt das Herz des Domkapitulars als Prediger und Beichtvater am Kölner Dom ebenso wie als Bischofsvikar für die Ausbildung der Ständigen Diakone.

Am 10. Januar 2016 weiht Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Dom Rolf Steinhäuser zum Bischof. Als Weihbischof ist er für den Pastoralbezirk Mitte mit den Städten Köln und Leverkusen und den Rhein-Erft-Kreis zuständig. Er freue sich auf seine Heimatstadt, sagt der gebürtige Kölner vor dem voll besetzten Dom zu Beginn seiner neuen Aufgabe. Auch wenn er sich seine Stellen nie ausgesucht habe, sondern dahin versetzt wurde, sei er immer ungern weggegangen.

Das spiegelt sich auch in seinem Bischofswappen wider. Die Jahre in Altenberg und Düsseldorf sind entscheidende Etappen, symbolisiert durch das Chi-Rho, eine Erinnerung an das Christusbanner der Katholischen Jugend, und den Anker, ein Verweis auf das älteste Düsseldorfer Wappen, zu sehen am Sakramentshaus der Lambertusbasilika.

Ora, labora et lege – Bete, arbeite und lies

Der Beauftragte für Ökumene und den interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln arbeitet viel. Das Pensum von 80 Stunden pro Woche hat er mittlerweile runtergeschraubt auf um die 60 Stunden. Nicht zuletzt auch aus gesundheitlichen Gründen. 2014 unterzog er sich einer schweren Herz-OP und bekam drei Bypässe eingesetzt.

Seine Freizeit ist eher knapp bemessen, erzählt der begeisterte Leser, der kaum an einem Buch vorbeigehen kann, in einem Pfarrbrief-Interview 2018. Er reise gern. Als Mitglied des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat fuhr er im Einbaum durch den Amazonas. Angetan hat es ihm Italien und der alpine Raum. Vor einiger Zeit überquerte er mit Freunden zu Fuß die Alpen. Der Kontakt zu Freunden und Familie ist ihm sehr wichtig. Seinen beiden Nichten ist er ein geschätzter Onkel.

Als „kölsche Jung“ liebt Steinhäuser die Geselligkeit und die „kölsche Sproch“ und freut sich jedes Jahr auf den Karneval. 2019 empfängt er das Dreigestirn aus Hürth-Efferen in seinem bunt geschmückten Büro im Erzbischöflichen Generalvikariat. Die Verbindung reicht zurück bis in die Kindertage, als er zusammen mit dem heutigen Vorsitzenden der Ortsgemeinschaft die Messe diente.

An den jecken Tagen mag der Karnevalist besonders die Begegnung und Schwätzchen mit den Menschen, den Straßenkarneval und Kamelle fangen beim Rosenmontagszug. Und so hofft er wahrscheinlich auch, dass nach zwei Jahren Corona-Pause die kommende Session wieder wie gewohnt stattfinden kann.

Für kurze Zeit an der Bistumsspitze

Als Kardinal Woelki Mitte Oktober 2021 eine geistliche Auszeit nimmt, ist es Weihbischof Steinhäuser, den Papst Franziskus als Apostolischen Administrator ernennt. Eine Aufgabe, die der damals 69-Jährige sich nicht ausgesucht hat und mit gemischten Gefühlen entgegenblickt.

Im Interview mit Domradio.de stellt der frischgebackene Interimsleiter der Erzdiözese zu Beginn seiner Amtszeit klar: „Ich heiße zwar jetzt vom Titel her Administrator, das kann man mit Verwalter übersetzen. Ich bin aber kein Verwalter. Also vom Typ her nicht, von der Lebensgeschichte her nicht. Ich war immer Seelsorger.“ Und so konzentriert er sich auf das, was sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht: er hört den Menschen zu.

Der Mann mit den graumelierten Locken setzt in dieser Zeit auf offene Kommunikation und Austausch, möchte den Gesprächsfaden wiederaufnehmen, Handlungsblockaden lockern. „Fensterreden“ seien nicht sein Ding. Dass innerliche Veränderungen in einer Diözese nicht innerhalb von viereinhalb Monaten eintreten können sei selbstredend.

Und so fällt das Fazit Ende Februar 2022 auch entsprechend aus: es wurde eine neue Kultur des Miteinanders eingeübt. Das sei nicht wenig, resümiert er die vergangenen knapp fünf Monate in einem Grußwort. Und passend zum Karnevalsklassiker von Jupp Schmitz endet seine Zeit als Apostolischer Administrator mit dem Aschermittwoch.

Zurück in den Alltag

Der Alltag hingegen ist nicht vorbei. So fällt auch sein 70. Geburtstag eher klein aus, denn die nächste bischöfliche Visitation steht vor der Tür. Regelmäßig besucht Steinhäuser Gemeinden, Krankenhäuser oder Schulen in seinem Pastoralbezirk, spricht mit Pastoralreferenten, Seelsorgern oder Religionslehrern und Schülern. Die Visitationen liegen ihm am Herzen. Er ist gerne unterwegs zu den Menschen – sei es mit dem Fahrrad, im Feuerwehrauto oder mit der Rheinfähre.

Einen bestimmten Wunsch hat er nicht zu seinem Ehrentag, doch wahrscheinlich sind gerade Begegnungen ein großes Geschenk für ihn. Er möchte wissen und verstehen was die Menschen über die Kirche denken, ein ehrliches Feedback haben, um Kirche mitgestalten und verändern zu können. Und – getreu seinem Wahlspruch zur Bischofsweihe – Türen für Christus öffnen.