Erzbistum Köln – Synodaler Weg – Synodalversammlung am 1.2.2020

1. Februar 2020 WB Schwaderlapp

Mit Leib und Seele Mensch sein. Darum geht es!

Leib und Seele gehören zusammen. Um es mit einem Bild auszudrücken: Leib und Seele gehören so zusammen wie im Bereich der Musik Instrument und Komponist. Der Komponist mag eine wunderschöne Melodie erdenken, er benötigt ein Instrument, um sie zum Klingen zu bringen, nur dann kommt sie zur Wirklichkeit. 

So ist es auch mit uns Menschen. Unsere Gedanken, Vorstellungen, Eingebungen und Gefühle bedürfen des Leibes, damit sie ausgedrückt werden und zur Wirklichkeit kommen können. Dabei ist dies keine Einbahnstraße: Das Instrument beeinflusst auch den Komponisten. Die Klangfarbe des Instrumentes ist bestimmend für das, was der Komponist sich erdenkt. Und so ist unser Leib auch nicht einfach „ausführendes Organ“, sondern beeinflusst und prägt unseren Geist. So geht es um eine Würde des Leibes mit seiner eigenen uns vorgegebenen Prägung. 

Diesen Zusammenhang bringt Papst Johannes Paul II. auf den Punkt, wenn es sagt: „Der Leib und nur er vermag das Unsichtbare sichtbar zu machen, das Menschliche wie das Göttliche.“ Es ist ein Kernsatz dessen, was mittlerweile unter dem Namen „Theologie des Leibes“ bekannt geworden ist. 

Die Grundbotschaft der katholischen Sexualmoral ist vor diesem Hintergrund: Sexualität ist eine große Gabe Gottes, ein Geschenk - dafür da, Liebe zu schenken und Leben zu stiften. Beide Dimensionen der Sexualität gehören zusammen, wie Leib und Seele zusammengehören. 

Aber diese Gabe Gottes wird zur Aufgabe. Sie erfordert unsere Verantwortung und unser Tun der Orientierung. In der Tat, durch die Sexualität können wir in großartiger Weise Liebe, Zuwendung und Hingabe schenken, die dazu noch fruchtbar ist – und nebenbei bemerkt – ohne die wir alle nicht hier wären. 

Aber wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der weiß: Sexualität kann auch zu Erniedrigung, Demütigung und Gewalt missbraucht werden. Sie kann zum Ort eines ausgelebten Egoismus werden, der die anderen Personen instrumentalisiert. Kirchliche Sexualmoral zeigt einen Weg auf, die Sexualität so zu leben, dass sie ihrem Ziel dient, Leben und Liebe zu stiften. Der Weg ist ein anspruchsvoller und nicht alles ist mit diesem Weg vereinbar. Aber ist ein Weg, der zu Liebe, und damit zum Glück führt. 

Die Kirche bedarf hier eines Neuaufbruchs. Jahrzehntelang wurde diese frohe Botschaft - wenn überhaupt - nur rudimentär verkündet. Was in Medien davon kolportiert wird, ist bestenfalls eine Persiflage oder dunkle Karikatur. Es ist gut, wenn das Forum Sexualmoral den Titel trägt „Leben in gelingenden Beziehung – Zur Weiterentwicklung katholischer Sexuallehre“. 

Weiterentwicklung bedeutet: Das Vorhandene schätzen, bewahren und vertiefen.

Ich wünsche und erhoffe mir, dass wir diesem Ziel auf der Basis der Lehre der Kirche, die uns als Schatz anvertraut ist, im Rahmen unseres Synodalen Weges näherkommen.

Frankfurt a.M., 31.01.2020

+Dominikus Schwaderlapp